Nachspiel für Dynamo-Fans nach Aufmarsch

Im Mai erklärten 1500 Anhänger des Fußball-Zweitligisten dem DFB als "Footballarmy" symbolisch den Krieg. Am Dienstag folgte eine Razzia gegen 28 vermutete Organisatoren.

Dresden.

Sechseinhalb Monate nach dem uniformierten Aufmarsch von 1500 Auswärtsfans von Fußball-Zweitligist Dynamo Dresden in Karlsruhe hat der Staat am Dienstag zurückgeschlagen. Zeitgleich wurden 31 Wohnungen sowie vier Geschäfts- und Vereinsräume durchsucht. An der Razzia, die zum Großteil in Dresden stattfand, waren 370 Beamte aus Sachsen und Baden-Württemberg beteiligt.

Im Visier der Staatsanwaltschaft Karlsruhe stehen 28 Tatverdächtige im Alter von 23 bis 34 Jahren. Bei ihnen handelt es sich nach Angaben von Sprecher Tobias Wagner um die "mutmaßlichen Organisatoren" des Fanmarschs, dessen Teilnehmer mit Camouflage-T-Shirts und Anglerhüten als "Footballarmy Dynamo Dresden" aufgetreten waren. Die Polizei gibt an, dass von ihren 850 damaligen Einsatzkräften 21 Knalltraumata erlitten. Manche Beamte seien sogar mehrere Monate nicht dienstfähig gewesen, manche wegen der Schädigung ihres Gehörs noch heute vom Schießtraining befreit.

Mit der Durchsuchungsaktion wollte die Staatsanwaltschaft vor allem Aufzeichnungen finden, die Rückschlüsse auf die Planung des Fanmarsches zulassen. "Wir haben letztlich eine Vielzahl an Smartphones, Computern und Speichermedien sichergestellt", sagte Wagner. Hinzu kämen Pyrotechnik, Tarnkleidung und das Auto, aus dem für den Fanmarsch Kommandos gegeben worden waren. Zudem fanden die Ermittler eine Waffe für Gummigeschosse und einen Schlagring. Den Tatverdächtigen, bei denen es sich um Führungspersönlichkeiten aus der Ultra-Szene handeln soll, werden Landfriedensbruch und Verstöße gegen das Versammlungsgesetz vorgeworfen. Weitere Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz richten sich bislang gegen unbekannte Täter.

Einzelne Kontrollen erfolgten auch in Brandenburg, Baden-Württemberg und der Schweiz. Dort wurde ein Betroffener festgenommen und nach Angaben der Polizei später inhaftiert, weil die Schweizer Kollegen bei ihm eine größere Menge Pyrotechnik gefunden hatten.

Für Erstaunen sorgte, dass auch das Fanprojekt Dresden ins Visier geraten war. Nur ein Telefonat mit der Staatsanwaltschaft habe die Durchsuchung der Geschäftsräume verhindern können, sagte Geschäftsführer Torsten Rudolph. Es könne nicht sein, dass Sozialarbeiter "wie Kriminelle behandelt" werden.

Zuletzt hatte das Fanprojekt gemeinsam mit der Vereinsspitze von Dynamo Dresden das rabiate Vorgehen der Polizei beim Pokal-Auswärtsspiel gegen den SC Freiburg kritisiert. Der Chef der polizeilichen Ermittlungseinheit "Dynamo", Gerhard Heck, bestätigte, dass dieser Einsatz "eine klare Reaktion" auf die Vorfälle in Karlsruhe gewesen sei.

Die Ultras von Dynamo hatten den "Footballarmy"-Aufmarsch und den Slogan "Krieg dem DFB" mit Versäumnissen des Verbandes beim Umgang mit Fans und ihrer Fankultur begründet. Mit dem Anliegen solidarisierten sich danach viele Ultra-Gruppierungen anderer Vereine. Selbst die DFB-Spitze zeigte sich inzwischen gesprächsbereit.

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