Sachsen
Neonazi-Aufmarsch zieht unter Gegenprotest durch Dresden

81 Jahre nach der Bombardierung Dresdens gibt es einen rechtsextremen Aufmarsch in der Innenstadt - und Sitzblockaden. Die Polizei setzt Pfefferspray ein.

Dresden.

Kurz nach dem Jahrestag der Zerstörung von Dresden 1945 ist ein Aufmarsch von Rechtsextremisten durch die Stadt gezogen - begleitet von starkem Gegenprotest. An mehreren Stellen trafen die beiden Lager in Sicht- und Hörweite aufeinander, zu direkten Konfrontationen kam es aber nicht.

Insgesamt sammelten sich schätzungsweise 3.000 Gegendemonstranten. Der Aufmarsch der Rechtsextremen hatte geschätzt 2.000 Teilnehmer. Die Polizei nannte keine offiziellen Zahlen. 

Bereits am Vormittag begann der Gegenprotest mit drei Demonstrationszügen, die mit jeweils mehreren Hundert Teilnehmern aus der Neustadt und der Südvorstadt zur zentralen Kundgebung am Postplatz führten. Weitere Versammlungen bildeten sich entlang der Strecke des rechtsextremen "Trauermarschs". 

Mit Sitzblockaden versuchten Gegendemonstranten die Strecke des rechtsextremen "Trauermarschs" zu blockieren.
Mit Sitzblockaden versuchten Gegendemonstranten die Strecke des rechtsextremen "Trauermarschs" zu blockieren. Bild: Sebastian Kahnert/dpa

Trotz einzelner Rangeleien mit der Polizei blieb die Stimmung insgesamt friedlich, wie ein dpa-Reporter beobachtete. Mehrere Parteien waren mit parlamentarischen Beobachtern vor Ort und begleiten das Versammlungsgeschehen. 

Polizei setzt Pfefferspray gegen Demonstranten ein

Am Nachmittag startete der rechtsextreme Aufmarsch vom Bahnhof Dresden-Mitte. Nach etwa anderthalb Stunden schlossen die Rechtsextremisten ihren "Trauermarsch" durch die Innenstadt am Ausgangspunkt mit einer Kundgebung ab. 

Die Versammlung lief laut Polizei störungsfrei. Vorab wurden jedoch mehrere Verstöße gegen das Versammlungsgesetz sowie gegen die von der Stadt erlassene Allgemeinverfügung festgestellt. Unter anderem hatten Teilnehmer Protektorenhandschuhe oder Pfefferspray bei sich. In diesem Zusammenhang leitete die Polizei neun Ermittlungsverfahren ein. In einem weiteren Fall läuft ein Verfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Überwiegend schwarz gekleidet und mit schwarzen Fahnen zogen die Teilnehmer des rechtsextremen "Trauermarschs" durch die Dresdner Innenstadt.
Überwiegend schwarz gekleidet und mit schwarzen Fahnen zogen die Teilnehmer des rechtsextremen "Trauermarschs" durch die Dresdner Innenstadt. Bild: Sebastian Willnow/dpa

Immer wieder positionierten sich Gegendemonstranten am Verlauf der Strecke und riefen Parolen wie "Nationalismus raus aus den Köpfen". Auch die abschließende Kundgebung wurde von lautstarkem Gegenprotest begleitet, den die Polizei in Sicht- und Hörweite zuließ. 

Vorab hatten Gegendemonstranten versucht, die Strecke mit Sitzblockaden zu blockieren. Dort kam es zu Gerangel mit der Polizei. Bei der Räumung der Strecke verwendeten die Beamten eigenen Angaben zufolge Pfefferspray. Demonstranten versuchten demnach mehrfach, Sperren zu durchbrechen. Dabei seien Polizisten attackiert und verletzt worden, hieß es. Dies zog Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruch in drei Fällen und wegen tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte nach sich.

Einschränkungen für Autos und Nahverkehr

Die Anreise der Versammlungsteilnehmer beider Seiten lief nach Polizeiangaben ohne Zwischenfälle. "Wir haben größere Bahnanreisen aus Leipzig und auch aus dem Chemnitzer Raum gehabt, was gut funktioniert hat", sagte Polizeisprechner Thomas Geithner. Die beiden Lager seien sich unterwegs nicht begegnet.

Das Stadtzentrum wurde stellenweise zur Sicherheitszone. Um das Protestgeschehen herum war für Autofahrer und den öffentlichen Nahverkehr kein Durchkommen. Mehrere Parkplätze wurden gesperrt, für einige Straßenbahnlinien waren Umleitungen eingerichtet. 

Polizei mit Großaufgebot im Einsatz

Die Polizei war mit 2.200 Beamten in der Innenstadt, um die beiden Lager zu trennen. Zwei Wasserwerfer und ein Räumfahrzeug standen bereit. Eine Reiterstaffel war ebenfalls im Einsatz. Mit einer Drohne überwachte die Polizei das Geschehen aus der Luft. Die Dresdner Polizeidirektion erhielt Unterstützung von der sächsischen Bereitschaftspolizei sowie Polizisten aus Brandenburg, Hamburg, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein sowie der Bundespolizei.

Die Polizei war mit zahlreichen Kräften vor Ort.
Die Polizei war mit zahlreichen Kräften vor Ort. Bild: Sebastian Willnow/dpa

Mit dem Ende der Demonstrationen ist der Einsatz für die Polizei noch nicht vorbei. Am Abend spielt Dynamo Dresden gegen SV Elversberg. Bei der Ab- und Anreise von Versammlungsteilnehmern und Fußballfans könne es zu Überscheidungen kommen, sagte Geithner. "Wir sind so lange präsent, damit jeder seinen Tag so beenden kann, wie er das will."

25.000 Menschen kamen bei Bombenangriff 1945 ums Leben

Dresden war am 13. Februar 1945 und in den Tagen danach bei Angriffen britischer und amerikanische Bomber in Schutt und Asche gelegt worden. Nach Zahlen einer Historikerkommission kamen bis zu 25.000 Menschen ums Leben. Die Luftangriffe werden regelmäßig von Rechtsextremen instrumentalisiert, um die Kriegsschuld Deutschlands zu relativieren.

Politiker mahnten eine historisch korrekte Bewertung der Ereignisse an und forderten dazu auf, alle Opfer des Krieges und der NS-Schreckensherrschaft in die Erinnerung einzubeziehen. Höhepunkt des Dresden-Gedenkens war wie in den Vorjahren eine Menschenkette, in die sich am Freitagabend Tausende Bürger einreihten. (dpa)

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