Neugestaltung am Freiberger Bergbaumuseum umstritten

Eigentlich sind die Pläne für die Erweiterung des Museums und den Umbau der Dauerausstellung in Sack und Tüten. Doch woher kommt nun der Gegenwind?

Freiberg.

Auf der Freifläche neben dem Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg direkt am Dom sind seit Wochen Bauleute zugange. Das Wetter kommt ihnen nicht entgegen, denn sie stehen mächtig unter Zeitdruck. Bis Ende dieses Jahres soll die Baulücke geschlossen und das Museum endlich einen seit Jahren diskutierten Anbau erhalten. Denn das Museum, das sich im einstigen, rund 500 Jahre alten Domherrenhaus befindet, soll in die sächsische Landesausstellung zur Industriekultur 2020 in Zwickau integriert werden, für die Freiberg einer von sechs dezentralen Ausrichterorten ist.

Erst im Dezember hatten die Stadträte grünes Licht für den jetzt begonnenen Anbau gegeben. Der Entwurf war zuvor mehrfach überarbeitet worden. Vor allem das Landesamt für Denkmalpflege musste einem so gravierenden Eingriff in das spätgotische städtebauliche Ensemble zustimmen. Nicht nur die Quaderform des Gebäudes, auch die Fassadengestaltung war umstritten. Nun soll der Bau eine Edelmetallfassade erhalten, auf der sich das Wort Silber in allen Sprachen wiederfindet, die von Studenten der TU Bergakademie gesprochen werden. Museumsdirektorin Andrea Riedel kann mit dieser Lösung gut leben. "Auch ein historisches Haus kann sich der Moderne nicht verschließen. Noch wichtiger ist für mich aber die Funktionalität im Inneren."

Ihr Meinung wird nicht von allen geteilt. Seit einigen Tagen gipfelt der Protest in einer Online-Petition, die ein Mann aus Baden-Württemberg gestartet hat. Angeblich soll seine Mutter, "eine alte Freibergerin", dahinter stehen, "damit Baufehler vermieden werden", wie sie per E-Mail mitteilte. Mehrere Hundert Unterstützer gibt es bereits.

Eine Chance dürfte die Petition kaum haben. Nicht nur weil sie viel zu spät kommt. Für Baubürgermeister Holger Reuther (CDU) sind viele Argumente "sehr oberflächlich und berücksichtigen in keiner Weise alle relevanten Sachverhalte". Es sei eine reine Unterstellung, dass kein Wettbewerb stattgefunden hätte. "Vier Architekten haben sich unabhängig voneinander mit der Themenstellung befasst." Reuther verweist zugleich darauf, dass die jetzige Lösung im Einklang mit der Charta von Venedig stehe. Die empfehle, "dass alle als unerlässlich erkannten Ergänzungen den Stempel unserer Zeit zu tragen haben, damit die Dokumente der Kunst und der Geschichte nicht verfälscht werden."

Doch nicht nur der drei Millionen Euro teure Neubau wird das Museum verändern. Parallel ist eine völlige Neugestaltung der Dauerausstellung zur Stadt- und Bergbaugeschichte geplant - ähnlich wie das im Industriemuseum Chemnitz passiert ist. Die jetzige existiert seit mehr als 20 Jahren nahezu unverändert. Die Folgen zeigen sich unter anderem an der Besucherzahl. Zwar stieg sie 2018 leicht an - auf knapp 12.000. "Aber für ein Haus, das als eines der ältesten bürgerlichen Museen in Sachsen gilt und viele Alleinstellungsmerkmale hat, sind das zu wenig", sagt Direktorin Riedel, die seit einem Jahr im Amt ist. In der musealen Welt habe es in den vergangenen Jahrzehnten revolutionäre Veränderungen gegeben, die an Freiberg bisher vorbeigegangen sind. Das betreffe auch, aber nicht nur die multimediale Vermittlungstechnik. "Außerdem wollen wir künftig aufzeigen, dass das Haus nationale Größe hat." Die drei großen Bergbauregionen in Deutschland seien Erzgebirge, Harz und Ruhrgebiet. "Wir wollen hier die Rolle des sächsischen Erzbergbaus sowie dessen Wirkung auf und in die Stadt Freiberg herausstellen." Exponate gibt es genug. Rund vier Fünftel lagern bisher im Depot. 1,25 Millionen Euro sind für die Neugestaltung geplant. Ein anziehend und erlebnisreich gestaltetes Museum trage auch dazu bei, die touristische Attraktivität der Region zu erhöhen, sagt Riedel. Außerdem hoffen alle Akteure in diesem Sommer auf die Anerkennung des Erzgebirges als Unesco-Welterbe. Der Freiberger Stadtkern ist Teil des Antrags. Bis zur Neueröffnung des "alten" Museums im Mai 2022 gibt es viele Einschnitte. Im November 2020, mit dem Ende der Landesausstellung, schließt das Bergbaumuseum über ein Jahr. Genutzt werden kann dann aber der neue Anbau mit 100 Quadratmetern Ausstellungsfläche im Erdgeschoss und weiteren 180 Quadratmetern im Obergeschoss. Das Thema der ersten Sonderschau dort 2020 steht schon fest "Vom Gnadengroschen zur Rentenformel" - eine Schau, die die Landesausstellung auf dem Gelände der Reichen Zeche der Bergakademie ergänzen soll.

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