Nur noch jeder vierte Baum in Sachsens Wäldern ohne Schäden

Die Folgen von Trockenheit und Schädlingsbefall sind an vielen Stellen zu sehen. Die Baumkronen sind in diesem Jahr in so schlechtem Zustand wie kurz nach der Wende.

Coswig.

Fehlende Niederschläge, hohe Temperaturen, Sturmschäden, Borkenkäferplage: Dem Wald in Sachsen geht es nicht gut. 2019 sei ein weiteres Jahr der Extreme gewesen, die Schäden hätten sich unvermindert fortgesetzt, sagte Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) am Donnerstag in Coswig bei der Vorstellung des Waldzustandsberichtes. "Die Situation ist sogar noch schlimmer geworden. Inzwischen ist nur noch jeder vierte Baum in den Wäldern ohne erkennbare Schäden."

Heißt im Umkehrschluss: Drei von vier Bäumen sind nicht gesund. Der Anteil der deutlich geschädigten Bäume ist dabei nach Angaben des Staatsbetriebes Sachsenforst auf 30 Prozent gestiegen. 44 Prozent seien schwach geschädigt. Die Aussage bezieht sich jedoch nur auf den Zustand der Kronen von Laub- und Nadelbäumen, der jährlich überprüft wird. Noch nie seit Einführung des Zustandsberichts waren demnach gleichzeitig so viele Bäume geschädigt. Es sei damit wieder das Niveau von 1991 erreicht worden, als sich vor allem der Wald im Erzgebirge durch die Luftverschmutzung in einem schlechten Zustand befand.

Für den Bericht wurden stichprobenartig mehr als 6700 Bäume unter die Lupe genommen. Fachleute untersuchten dafür die Verluste von Blättern und Nadeln sowie Verfärbungen, daraus folgte die Einstufung in einzelne Schadstufen.

Ursache für den Verlust von Blättern und Nadeln sei vor allem die Trockenheit. Nach dem Dürrejahr 2018 wurden laut Sachsenforst die Wasserspeicher im Boden über die Wintermonate nur unzureichend aufgefüllt. Ab Frühsommer fehlten die Niederschläge. Zudem hätten sehr warme Tage zu einer hohen Verdunstung geführt. Das alles habe Trockenstress bei den Bäumen verursacht, sagte Landesforstpräsident Utz Hempfling. Dies habe allen Baumarten zu schaffen gemacht, besonders gelitten hätten aber Fichten und Kiefern. Er verwies zudem darauf, dass die Anzahl der Sommertage mit Werten über 25 Grad Celsius seit 2010 gestiegen ist - für ihn ein Zeichen, dass der Klimawandel stattfinde. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass es so weitergeht."

Doch nicht nur das Klima macht dem Wald zu schaffen, für enorme Schäden sorgt auch weiter der Borkenkäfer. Die Schadholzmenge im Freistaat beläuft sich mittlerweile auf 2,6 Millionen Kubikmeter. Hinzu kommen umgeworfene Bäume durch Sturm und Schneebruch. Seit Oktober 2017 sind alles in allem gut 6,5 Millionen Kubikmeter Schadholz zusammengekommen. Zum Vergleich: In normalen Zeiten werden im Freistaat pro Jahr rund 2,7 Millionen Kubikmeter Holz geschlagen. Umgestürzte als auch geschwächte Bäume böten dem Borkenkäfer hervorragende Brutmöglichkeiten. Die Schädlinge hätten sich daher so schnell vermehrt, sagte Hempfling. Der stärkste Befall wurde in den Landkreisen Görlitz, Mittelsachsen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge registriert.

Den Wald durch Umbau an den Klimawandel in stabile, arten- und strukturreiche Mischwälder anzupassen, gewinne durch die aktuelle Situation noch mehr an Bedeutung, hieß es. Dafür wollen Bund und Land im nächsten Jahr weitere zehn Millionen Euro an Fördergeld zur Verfügung stellen.

Mehrere Verbände - unter anderem der Naturschutzverband Sachsen, der Landesjagdverband und der Nabu-Kreisverband Mittleres Erzgebirge - haben derweil in einem Positionspapier einen Paradigmenwechsel beim Waldumbau gefordert. Die Definition von Artenvielfalt und Biodiversität im Wald dürfe sich nicht auf wenige, zumeist wirtschaftlich interessante Baumarten beschränken. Zur Zukunftssicherung brauche der Wald umfangreichere Konzepte. Zudem müsse das Primat der Wirtschaftlichkeit über die Holzgewinnung im Staats- und Landeswald überdacht werden, heißt es in dem Papier. Sachsenforstchef Hempfling wies darauf hin, dass sich die wirtschaftliche Nutzung des Staatswaldes nicht einfach nach hinten stellen lasse. Das sei eine finanzielle Frage. Wer das wolle, müsse die Geldbörse aufmachen.

2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 7
    0
    saxon1965
    20.12.2019

    Ich kenne einen Stadtwald (zirka 1.000 Hektar), da wurde bereits vor 15 Jahren mit dem Waldumbau begonnen. Die beiden Förster waren wohl ihrer Zeit voraus.
    Bei Wald in Staatlichem Besitz (Obhut) stellt sich doch die Frage, wozu dient dieser und wie kann ich möglichst alle Belange unter einen Hut bringen. Dass dabei in den letzten Jahrzehnten meistens die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund stand, das rächt sich jetzt nicht nur hinsichtlich des Waldsterbens.
    Dieses Denken bescherte uns Bürgern einen oftmals naturfremden, langweiligen Monokulturen-Wald mit geringer Biodiversität. "Wald vor Wild" ist eine dieser Aussagen von Staatsförstern, die dieses Denken beweist. Natürlich wird man jetzt, wo es fünf nach zwölf ist, nicht umhinkommen die s. g. Pflanzenfresser beim notwendigen Waldumbau zu "bekämpfen". Leider!
    Das Wald neben Wirtschaftsraum, Lufterfrischer, Wasserspeicher und Erholungsgebiet auch unser aller Kulturgut, Zuhause und Ernährer für Lebewesen ist, dass fällt leider dem Profit zum Opfer. Können wir uns das leisten?!

  • 12
    1
    Tohuwabohu
    20.12.2019

    Warum ist auf meinem Grundstück (23 Hektar) mit ökologischem Ackerbau, Highlanderzucht, Steinbrüchen und Wasser-/Misch-Waldbestand JEDER Baum gesund - und bei Staatswäldern wie oben beschrieben? Das "schneller-höher-weiter" Leistungskonzept rächt sich jetzt - und mal eben schnell den Waldumbau vollziehen wird wohl nix. Vor allem in Zeiten klimatischer Extreme wird das Generationen dauern, diese Fehler wieder gut zu machen. Aber es wird ja eigentlich nur diskutiert und nicht wirklich gehandelt - wie fast überall.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...