OB-Kandidat und Landesminister?

In Sachsens neuer Koalition darf wohl auch Sebastian Gemkow weiter Minister bleiben - obwohl einiges dagegen spräche.

Dresden/Radebeul.

Dresden/RadebeulFür Sebastian Gemkow gab es beim Sonderparteitag der sächsischen CDU am Mittwochabend in Radebeul keine öffentliche Jobgarantie. Anders als für seine beiden Ministerkollegen Barbara Klepsch und Thomas Schmidt, mit denen Gemkow neben Parteibuch und fünfjähriger Kabinettszugehörigkeit derzeit noch ein anderes Schicksal teilt - den sicheren Verlust des bisherigen Ministeramts.

So wie Klepschs Sozialressort gemäß Koalitionsvertrag des künftigen Kenia-Dreierbündnisses an die SPD fällt und Schmidts Landwirtschaftsressort an die Grünen, so verliert die CDU auch das seit 2014 von Gemkow geführte Justizministerium - ebenfalls an die Grünen.

Doch wie für Schmidt und Klepsch scheint es auch für Gemkow als Minister weiterzugehen. Im Vergleich zur noch amtierenden CDU/SPD-Regierung kann die Union bei Schwarz-Grün-Rot nämlich genauso viele Ministerposten wie bisher besetzen - sie verliert drei alte, gewinnt aber drei neue hinzu.

Nach "Freie Presse"-Informationen soll Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in interner Runde bereits angekündigt haben, dass Gemkow neuer Wissenschaftsminister wird - und damit Nachfolger von Eva-Maria Stange (SPD). Dass selbst Parteifreunde damit ein Problem hätten, liegt an den besonderen Umständen: Gemkow ist CDU-Kandidat bei der Oberbürgermeisterwahl in Leipzig, deren erster Wahlgang am 2. Februar ansteht. Ernannt und vereidigt werden sollen die neuen Minister am 20. Dezember - also gerade mal sechs Wochen davor. Wie soll sich der 41-jährige Jurist parallel zur heißen Wahlkampfphase in ein für ihn vollkommen neues Ministerium einarbeiten? Skeptiker befürchten einen doppelten Schaden: einerseits bei den Vertretern der Wissenschaft, andererseits für die Wahlchancen gegen Amtsinhaber Burkhard Jung (SPD) - weil Gemkow bei Übernahme des Ministeramtes wohl selbst nicht an einen Erfolg in Leipzig glaube.

Bereits fest steht seit dem CDU-Parteitag, dass Klepsch neue Kunst- und Tourismusministerin wird. Die Identität der neuen "Staatsministerin für Tourismus und Kultur" - Kretschmers Reihenfolge - hat der CDU-Chef in seiner Rede genauso offenbart wie die Übernahme des neuen Ressorts für Strukturentwicklung, ländlichen Raum und Bau durch Schmidt - der dafür nicht einmal sein bisheriges Ministerbüro wechseln muss. "Ein großartiges Ministerium", schwärmte Kretschmer, der neben der Zuständigkeit für die Kohleausstiegs-Milliarden gleich auch noch seinen Wunsch erwähnte, dass "Schmidt in diesem Haus mit ganzer Kraft an die Arbeit geht".

Als sicher gilt, dass Innenminister Roland Wöller, Kultusminister Christian Piwarz und Staatskanzleichef Oliver Schenk ihre Ämter behalten. Nur dass Kretschmer weiter auf Finanzminister Matthias Haß zählt, gilt in CDU-Kreisen als unwahrscheinlich. Seine Radebeuler Rede endete mit der Aufzählung aller CDU-Ministerien, aber ohne weitere Namensnennung - mindestens eine Überraschung könnte am 20. Dezember also noch dabei sein.

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