Ostbeauftragter: in weiten Teilen blühende Landschaften

Wittenberg (dpa) - Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), hat Ostdeutsche zu mehr Selbstbewusstsein aufgefordert. «Wenn wir uns die wirtschaftliche Situation anschauen, dann haben wir in weiten Teilen die blühenden Landschaften, von denen Helmut Kohl gesprochen hat», sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Wittenberg. Trotzdem blieben 30 Jahre nach der friedlichen Revolution noch große strukturelle Unterschiede. Für diese sei im Wesentlichen aber nicht die Politik nach dem Mauerfall, sondern die der Zeit davor verantwortlich.

«Ich sage das nicht, um alles nur schön zu reden», betonte Hirte. Es gehe darum, Selbstbewusstsein zu zeigen. Positiv hob er etwa die Außenhandelsquote des Ostens und die Geburtenzahlen in den neuen Bundesländern hervor. Ostdeutschland sei bei «der wichtigsten Frage für die Zukunftsfähigkeit einer Region» mit an der Spitze der Bundesrepublik.

Die Forderung nach einer neuen Förderpolitik für Ostdeutschland des Präsidenten des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Reint Gropp, bezeichnete Hirte als «hanebüchenen Unsinn». Gropp hatte eine neue Förderung vorgeschlagen, die sich auf Metropolregionen konzentriere, weil einige ländliche Regionen wegen der Demografie und ausbleibender Migration sterben werden.

Scharfe Kritik an den Äußerungen Hirtes kam vom Vorsitzenden der Linksfraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch. «Herr Hirte hat offensichtlich jeden Realitätssinn verloren», erkläte Bartsch. «Alle aktuellen Zahlen widerlegen ihn eindeutig. Der Osten ist so weit weg von blühenden Landschaften wie der Ostbeauftragte der Bundesregierung von den Ostdeutschen.» Dies sei kein Einzelfall, Hirte sei seinem Amt in keiner Hinweise gewachsen. «Natürlich können die Ostdeutschen stolz sein: Selbstverständlich haben sie viel geleistet und viel erreicht, gemeinsam mit vielen Mitbürgern, aber häufig nicht wegen, sondern trotz der Bundesregierungen der letzten 30 Jahre.»

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6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    Hinterfragt
    25.08.2019

    Blöde mobile Autokorrektur: es sollte "Industriebrachen" lauten.

  • 4
    1
    Lesemuffel
    25.08.2019

    Steph58 Nur leider reichen schöne Fassaden, neue Straßen für eine Zukunft nicht aus. Überlegen Sie mal, wie extrem die Deindustrialisierung ist. Mir wäre es auch lieber, die Leute hätten Arbeit in der unmittelbaren Heimat, als ständig pendeln zu müssen oder ganz weg zu ziehen. Siehe Görlitz, wunderschön aufgebaute Stadt, keine Arbeit, leerstehenden, bestens sanierte Komfortwohnungen in herrlichen Häusern. Leider interessiert das Kapital das Schicksal der Menschen nicht, wenn der Profit eingesammelt worden ist. Und die Politiker reden nur Scheinerfolge schön.

  • 5
    0
    Freigeist14
    25.08.2019

    Für kritische Analysen hat man Herrn Hirte auch nicht ins Amt bestellt . Dann doch besser die kritische Aufarbeitung der Treuhand - Machenschaften unterlassen .

  • 6
    2
    Lesemuffel
    25.08.2019

    Herr Hirte hat seine Analyse wohl in der Landesgartenschau gemacht?

  • 6
    1
    Hinterfragt
    25.08.2019

    Wenn er die zuwuchernden Industriebranchen meint, hat er auch recht ...

  • 4
    5
    steph58
    25.08.2019

    Ich kann dem Ostbeauftragten nur recht geben. Es sind vielerorts blühende Landschaften entstanden.
    Und zu verbessern gibt es natürlich noch vieles.
    Einfach mal 30 Jahre zurück denken. Wie sah es denn damals in unseren herunter gekommenen Städten und in unserer Umwelt aus? Nicht auszumalen, wie es heute ohne die Wende aussehen würde.
    Ich jedenfalls freue mich über alles Geschaffene, ohne das noch Unerledigte aus den Augen zu verlieren.



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