«Osterhauptstadt» Bautzen lockt mit alten Bräuchen

Ob Osterreiten oder Eierschieben - Bautzen hat einiges an alten Traditionen zum bevorstehenden Fest zu bieten. Dabei gehen zwei Kulturkreise eine wundersame Verbindung ein.

Bautzen (dpa/sn) - Demnächst ist es wieder so weit: Dann verwandelt sich Bautzen in Deutschlands «Osterhauptstadt». «Christliche Traditionen sind in Bautzen eng mit der Kultur und den Bräuchen der Sorben verbunden. Viele Menschen aus dem In- und Ausland interessieren sich für diese Einzigartigkeit», sagte der Vorsitzende des städtischen Tourismusvereins, Dietmar Stange. Besonders die Osterreiter ziehen die Touristen in das Städtedreieck Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz.

Die neun Prozessionen am Ostersonntag, bei denen die katholischen Sorben vom Rücken der Pferde die Auferstehung Christi verkünden, sind jedoch nur eine Seite des Oberlausitzer Osterlandes. «Da viele Tagesgäste den Ausritt und die Rückkehr der Osterreiter sehen möchten, bieten wir ihnen für die Zwischenzeit ein Programm rund um die Traditionen, Handwerk und Kultur», sagte Stange. Ein weiterer Besuchermagnet am Ostersonntag sei zum Beispiel das Eierschieben. Das traditionelle Kinder- und Volksfest wurde 2001 nach 39jähriger Pause durch den Tourismusverein wiederbelebt.

Einst rollten wohlhabende Bürger der Stadt den ärmeren Kindern hartgekochte Eier, Äpfel, Nüsse, Apfelsinen oder Süßigkeiten den Hang zur Spree hinunter. Heute kullern Bälle aus Plastik, die gegen ein kleines Geschenk getauscht werden können. Auf der Festwiese auf dem Protschenberg gibt es einen Ostermarkt. Um diese Bräuche herum ist ein mehrtägiger Veranstaltungskalender zum Osterfest gewachsen. So gibt es Mitmachangebote rund um das Verzieren von Ostereiern mit sorbischen Techniken, geführte Stadtrundgänge, Konzerte sowie Handwerkermärkte in der Hammermühle und im Stadtzentrum.

Eingeläutet wird die Bautzener Osterzeit am 16. April mit dem Schmücken und der Einweihung der beiden Osterbrunnen am Rathaus. Dafür winden die Landfrauen Girlanden aus Tannengrün. Die Bautzener Innenstadthändler schmücken die Stadt obendrein mit 3000 Stiefmütterchen, wie Citymanagerin Gunhild Mimuß ankündigte. Außerdem schauen aus den Schaufenstern der Läden rund 30 Figurinen mit unterschiedlichen sorbischen Trachten. Am Karsamstag sind junge Sorbinnen in verschiedenen Trachten in der Stadt unterwegs.

Ostern in Bautzen sei ein großartiges Beispiel, wie viele ehrenamtlich an einem Strang ziehen, sagte Stadtsprecher André Wucht. Zugleich markert Ostern mit Tausenden Tages- und Übernachtungsgästen für die Oberlausitz den Start in die Urlaubssaison. Alle Pensionen und Hotels in der Stadt und der näheren Umgebung seien bereits seit Wochen ausgebucht, berichtete Tourismusvereins-Chef Stange. «Dieses Fest ist ein großer Werbefaktor für unsere Stadt, sich von seiner weltoffenen und schönen Seite zu präsentieren.»

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