Paracelsuskliniken: Wo bleibt das Geld?

Die Beschäftigten in den Paracelsuskliniken warten seit Wochen auf die Auszahlung ihres Weihnachtsgeldes. Bisher erhielten sie nur ein Versprechen.

Reichenbach/Osnabrück.

In den Kliniken der Paracelsusgruppe hat sich wiederholt die Auszahlung des Weihnachtsgeldes verzögert. Nachdem die für November vorgesehene Zahlung ausfiel, hatte die Geschäftsführung für gestern eine Überweisung angekündigt. Statt des Geldes kam nur ein schriftliches Versprechen aus der Firmenzentrale: "Wir werden nichts unversucht lassen, Ihnen das Geld noch vor dem Weihnachtsfest überweisen zu können."

Die Paracelsuskliniken betreiben bundesweit rund 40 Einrichtungen, in denen etwa 6000 Mitarbeiter jährlich mehr als 100.000 stationäre Patienten betreuen. Auch an den sächsischen Standorten in Zwickau, Reichenbach und Adorf/Schöneck gilt für die Mitarbeiter ein Tarifvertrag, der die Zahlung von Weihnachtsgeld vorsieht. "Einige wenige haben das bekommen, vielleicht nur wegen einer zu späten Stornierung, die Mehrheit aber nicht", sagte gestern Nicole Verlage, Gewerkschaftssekretärin bei Verdi in Osnabrück, dem Sitz der Paracelsusgruppe. Verlage geht von einem Liquiditätsengpass aus, der wohl aber nicht auf eine ernsthafte finanzielle Schieflage der Gruppe hindeute. In die gleiche Richtung argumentierte gestern Paracelsus-Regionaldirektor Lutz Möller: "60 Prozent der deutschen Krankenhäuser haben dieses Problem: Wenn wir Investitionsmittel zu spät bekommen, müssen wir die Lücke aus Eigenmitteln überbrücken."

Investitionsmittel zur Verfügung zu stellen, ist Sache der Länder. Seit Jahren flössen nur ungenügende Gelder für den Substanzerhalt, die Modernisierung sowie den Neu- und Umbau von Kliniken, sagte gestern eine Sprecherin der Krankenhausgesellschaft Sachsen. Den Häusern bliebe gar nichts anderes übrig, als in die eigenen Budgets zu greifen, oft auch zu Lasten des Personals.

Im Sommer waren Verhandlungen über einen Sanierungstarifvertrag bei der Paracelsusgruppe gescheitert. Einsparungen hätten Investitionsmittel freisetzen sollen. Verdi machte die Arbeitgeberseite für das Scheitern verantwortlich.

Nach Angaben der Gewerkschaft schrieben sieben der 15 Paracelsus-Akutkliniken rote Zahlen, unter anderem auch am Konzernsitz in Osnabrück. Die hiesigen Kliniken bezeichnete Regionalchef Möller als "inhaltlich gut aufgestellte Standorte". Die Konzernführung selbst ließ gestern konkrete Fragen der "Freien Presse" zur mutmaßlichen Liquiditätskrise unbeantwortet. (mit uli)

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