Petra Köpping beflügelt die Fantasien

Nicht nur in Dresden wird spekuliert: Ist Sachsens Integrationsministerin bald Teil eines Bewerberduos um den SPD-Vorsitz?

Dresden.

Manchmal gibt es ironische Fügungen. Vor gar nicht langer Zeit warb Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping ausdrücklich dafür, dass ihr Parteifreund und SPD-Landeschef Martin Dulig den Bundesvorsitz der deutschen Sozialdemokratie mit übernehmen solle. Zwei Monate später hat sich die Lage komplett gewandelt: Dulig hat mittlerweile ein Bekenntnis zu Sachsen und der Landespolitik abgegeben - wohingegen Köpping im Gespräch als mögliche Bundesvorsitzende ist. Selbst Sozialdemokraten haben angesichts dieser Volte derzeit Mühe, auf der Höhe der parteiinternen Entwicklungen zu bleiben.

Gerüchte um Köppings mögliche Bewerbung für den Berliner Posten sind spätestens seit dieser Woche in Dresden im Umlauf. Auslöser war ein Treffen der 61-Jährigen mit dem niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius in Berlin. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtete darüber. Pistorius, so macht es auch in der sächsischen SPD die Runde, soll auf Köpping als seine Co-Kandidatin setzen.

Noch ist allerdings nichts entschieden: Pistorius warte demnach ab, ob Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil vielleicht doch Interesse am SPD-Bundesvorsitz zeigt. Gegen seinen Landesvorsitzenden und Regierungschef würde der 59 Jahre alte Innenminister nicht kandidieren. Sollte Weil aber verzichten und stattdessen SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil - ebenfalls Niedersachse - seine Bewerbung bekanntgeben, möchte Pistorius anscheinend antreten. Am liebsten mit Petra Köpping.

Köpping selbst äußert sich nicht zu den Gerüchten. Auch in der sächsischen SPD heißt es bei einigen, die Lage sei aktuell zu unübersichtlich, man könne keine Prognose abgeben. Andere sind sich dagegen sehr sicher, dass sich Köpping diese Chance nicht entgehen lässt. Schließlich habe sie sich dafür ausgesprochen, dass ein West-Ost-Duo die Geschicke der SPD lenken soll. Und kaum jemand hat sich einen solchen Ruf als Maklerin der ostdeutschen Interessen erarbeitet wie sie. Köpping war eine der Ersten, die jüngst eine kritische Aufarbeitung der Nachwendezeit und Treuhand-Arbeit einforderten. Von den Westdeutschen verlangte sie Verständnis für die spezifischen Probleme im Osten. Die Integrationsministerin argumentierte dabei durchaus emotional und nicht mit reinen Sachargumenten. Das ist eine ihrer Stärken.

Vermutlich steht sie nicht nur darum bei Pistorius hoch im Kurs. Um als Bewerber überhaupt zugelassen zu werden, brauchen die Kandidaten die formale Unterstützung von fünf SPD-Unterbezirken, einem Bezirk oder einem Landesverband. Da Pistorius unter Umständen gegen den Niedersachsen Klingbeil kandidiert, kann er sich seines eigenen Landesverbandes nicht sicher sein. Dass der sächsische Landesverband Köpping und ihrem Partner das Plazet verweigert, ist dagegen schwer vorstellbar. Selbst wenn es mit dem Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens noch einen anderen Sozialdemokraten aus dem Freistaat gibt, der nach Berlin strebt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...