Plusbusse sollen Lücken schließen

Das Wirtschaftsministerium nennt sie wichtige Meilensteine, um den Nahverkehr zu verbessern. In etlichen Orten rollen sie schon. Nur in Mittelsachsen und im Erzgebirge klemmt es.

Chemnitz/Dresden/Plauen.

Sie sollen ländliche Regionen landesweit besser untereinander verbinden und zudem einen Anschluss an den Nahverkehr auf der Schiene schaffen: die Plusbusse. Im Abschlussbericht der ÖPNV-Strategiekommission des Freistaates sind sie als eine der Maßnahmen aufgeführt, die rasch - bis 2019/2020 - umgesetzt werden könnten. Das Wirtschaftsministerium (SMWA) in Dresden nennt die Busse "wichtige Meilensteine", um den Nahverkehr zu verbessern. Mit der Umsetzung des von der Kommission entwickelten Konzeptes von Plus- und Takt-Bus-Linien würden sich für etwa eine Million Menschen auf dem Land die ÖPNV-Erreichbarkeiten "signifikant verbessern", heißt es. Für die Busse sollen landesweit definierte Kriterien gelten, darunter ein abgestimmter Takt, Bedienzeiten im Ein- oder Zwei-Stunden-Takt, Betrieb auch an den Wochenenden sowie W-Lan und Fahrradmitnahme.

Was die Umsetzung angeht, sind die fünf Verkehrsverbünde im Freistaat unterschiedlich weit. Im Vogtland hat der Verkehrsverbund ZVV Mitte Juni grünes Licht dafür gegeben. Die Plusbusse sind dort Teil eines komplett neu gefassten Angebots mit dem Namen "Vogtlandnetz 2019+", das Ende 2019 auf die Straße kommen soll. "Wir wollen ein Liniennetz aus einem Guss machen", sagt ZVV-Chef Thorsten Müller. Die Vogtländer konnten dabei mitreden, es gab Bürgerforen. Das sei gut angekommen, schildert Müller. Nun soll die Landesregierung um Zuschüsse gebeten und die Vergabe der Buslinien auf den Weg gebracht werden. Für Müller ist klar: Das Land müsse sich an der Finanzierung beteiligen, wenn sie die zusätzlichen Verkehre wolle. "Entsprechende Signale gibt es zwar, Klarheit aber noch nicht."

Beim für die Region um Dresden zuständigen Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) rollen seit 10. Juni schon die ersten Plus-Busse. Acht Linien hat der VVO in einem ersten Schritt eingeführt, etwa von Dresden nach Mohorn und von Meißen nach Nossen. Im Dezember sollen weitere drei Linien folgen. Wochentags fahren die Plus-Busse 15-mal in jede Richtung, an Samstagen mindestens sechsmal, an Sonn- und Feiertagen mindestens viermal. Im Gegensatz zu regionalen Bus-Linien, die vor allem auf den Schülerverkehr ausgerichtet sind und in den Ferien seltener fahren, sind die Plus-Busse auch an schulfreien Tagen im dichten Takt unterwegs. Zudem böten sie kurze Übergangszeiten zu den Zügen. "Damit schaffen wir ein zuverlässiges Angebot", sagte VVO-Chef Burkhard Ehlen. 40.000 Kilometer sind es, die so zusätzlich im Jahr gefahren werden und die der Verbund mit 80.000 Euro finanziert. Für die Zukunft ist ein verbundweites Netz geplant, dafür will der VVO bis zu 80.000 Euro jährlich ausgeben.

Rund um Leipzig und im Gebiet des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV) ist man in Sachen Plus-Bus noch weiter. "Wir haben das vor zwei Jahren in Angriff genommen und die Plus-Busse inzwischen flächendeckend", schildert Oliver Mietzsch, Geschäftsführer beim Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL).

35 Plus-Bus-Linien rollen derzeit im MDV-Gebiet, das aber auch nach Sachsen-Anhalt und Thüringen reicht. "Wir finanzieren das aus eigenen Mitteln, weil es uns wichtig ist. Wir brauchen das für unsere S-Bahnen, die Menschen müssen da ja hinkommen", betont Mietzsch.

In Mittelsachsen und im Erzgebirge klemmt es dagegen. Seit über einem Jahr liegt beim Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) zwar ein Grundsatzbeschluss für ein Plus-Bus-Netz vor, mehr aber auch nicht. Dabei sollten die ersten Plus-Busse in diesem Jahr starten. Doch daran ist nicht mehr zu denken. "Die Realisierung des Projektes ruhe zum aktuellen Zeitpunkt", teilt VMS-Sprecherin Jeanette Kiesinger mit. Es liegt am Geld. "Die Finanzierung ist nicht geklärt", sagt VMS-Manager Mathias Korda und verweist auf das Land. Der VMS hatte eine Förderung beantragt, um 45 neue Busse und 20 Anhänger für das "qualitativ hochwertige Plusbus-Projekt" anzuschaffen. Doch auf Bitte des SMWA habe man den Antrag zurückgezogen. Begründung: Das Ministerium wolle eine einheitliche Lösung schaffen. Bis jetzt wurde kein neuer Antrag gestellt.

Im Ministerium drückt man sich indes um klare Antworten. Der Freistaat sei bereit, für die Umsetzung des landesweiten Plusbus-Grundnetzes "in einem erheblichen Umfang" zusätzliche Finanzmittel zur Verfügung zu stellen, die auch den zur Bedienung des Netzes notwendigen Fahrzeugbedarf berücksichtigen", formuliert das Ministerium umständlich. Man wolle diese Mittel vorzugsweise als kontinuierliche Betriebskostenzuschüsse zur Verfügung stellen. Die Zuschüsse sollten "auskömmlich genug" sein, um die Anschaffung der Busse zu ermöglichen. Eine eigene Förderung der Fahrzeuge sei aus beihilferechtlichen Gründen problematisch.

Doch wie viel Geld will der Freistaat nun für die Plusbusse auf den Tisch legen? Diese Frage ließ das SMWA unbeantwortet. Im nächsten Haushaltsplan für die Jahre 2019 und 2020 stehen für die Umsetzung der ÖPNV-Kommissions-Ergebnisse 23,5 bzw. 51,5 Millionen Euro zur Verfügung. Dazu gehören neben den Bussen aber auch die Einführung eines Bildungstickets sowie eines einheitlichen Sachsentarifs.

Beim SMWA ist man überzeugt, dass sich ein landesweites Bus-Grundnetz schnell umsetzen lasse, da die Projekte einen guten Vorbereitungsstand hätten. In allen fünf Verbünden liefen "mehr oder minder fortgeschrittene Initiativen". Verantwortlich für die Umsetzung seien jedoch letztlich die kommunalen Aufgabenträger.

Ob die ersten Plusbusse beim VMS zumindest 2019 auf die Straße kommen? Ja, erklärt Sprecherin Kiesinger und schränkt ein: "Wenn rechtzeitig die finanziellen Voraussetzungen dafür geschaffen sind." Doch wie schaffen das andere Verkehrsverbünde? Die Verbände seien mit verschiedenen finanziellen Mitteln ausgestattet, sagt Kiesinger.

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