Politik feilt an Corona-Strategie für Schulen und Kitas

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Am Mittwoch wollen sich Bund und Länder auf die Bedingungen für eine Rückkehr an die Schulen verständigen. Schüler ab Klasse 5 werden sich wohl noch gedulden müssen.

Dresden/Berlin.

Am Dienstag will sich Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) nach der Kabinettssitzung vor der Presse zum "geplanten Vorgehen bei Kindertageseinrichtungen und Grundschulen" äußern. Zu seinem Ziel, beides "Mitte Februar im eingeschränkten Regelbetrieb wieder zu öffnen, wenn es die Infektionszahlen zulassen", hatte sich Piwarz bereits vor einer Woche bekannt - und sich damit still und leise davon verabschiedet, dass dann auch alle anderen Klassenstufen nach zweimonatiger Schulschließung zurückkehren können.

Spannend dürfte sein, ob die schwarz-grün-rote Ministerrunde sich zum Konzept der regionalen Differenzierung bekennt. Danach könnte die Öffnung von Grundschulen und Kitas von der Inzidenz 100 abhängig gemacht werden. Wer mehr Fälle pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen aufweist, müsste demnach bei der bisherigen Beschränkung auf Notbetreuung in den Einrichtungen bleiben - was nach aktuellem Stand beispielsweise mehr als zwei Drittel der Gemeinden im Vogtlandkreis oder jede zweite Gemeinde im Landkreis Bautzen betreffen würde.

Weniger spannend stellt sich die Lage für die Schüler der weiterführenden Schulen ab Klasse 5 dar: Sie werden mit großer Sicherheit noch eine Weile bis zur Rückkehr an die Schule warten müssen. "Natürlich wäre es schön, auch die anderen Kinder wieder an den Schulen zu haben. Ich verstehe aber auch, wenn man noch mal einen Moment innehalten und erst dann den nächsten Schritt gehen will", sagte Piwarz dazu jetzt der "Bild"-Zeitung. Um diesen Schritt "gewissenhaft aus den Erfahrungen der bis dahin erfolgten Öffnungen" vorbereiten zu können, seien "drei Wochen" realistisch: "Wir sprechen also vom 8. März als Neustart für die weiterführenden Klassen - zunächst im Wechselmodell."

 

Die Frage der Schulen - die in Sachsen aktuell nur für die Abschlussklassen geöffnet sind - gilt als einer der Schwerpunkte der Bund-Länder-Beratungen am Mittwoch. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stellte am Montag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in Online-Beratungen des CDU-Präsidiums angesichts zurückgehender Corona-Infektionszahlen eine längerfristige Strategie für Schulen und Kitas in Aussicht.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) rief derweil zur Vorsicht auf. "Wir wissen, dass der Schulbetrieb zum Infektionsgeschehen beiträgt", erklärte sie bei der Vorstellung eines Leitfadens zur Coronaprävention an Schulen. Darin wird nach Auswertung internationaler Studien bestätigt, dass Maßnahmen wie das Tragen von Masken in der Schule, regelmäßiges Lüften, die Bildung fester Gruppen oder ein entzerrter Schülerverkehr einen Schulbetrieb unter Coronabedingungen grundsätzlich möglich machen können. Eine Empfehlung zum aktuellen Vorgehen - also zur Frage, ob und wann Schulen wieder öffnen können - wird in dem Papier indes nicht gegeben.

Eine regionale Differenzierung für die Öffnung von Schulen und Kitas ist auch in einem von der rot-rot-grünen Minderheitsregierung in Thüringen entwickelten Stufenplan vorgesehen. Demnach sollte dafür neben der Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen auch die Dynamik des Infektionsgeschehens oder die Impfquote beachtet werden.

Bei einem dreistündigen Onlineforum der sächsischen Regierung am Montagabend nannte es der Leipziger Chefarzt Christoph Lübbert entscheidend, wie bei einem Stufenplan vermieden werde, dass es bei der Öffnung von Grundschulen und Kitas "massenhaft wieder zu mehr Kontakten kommt". Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) deutete derweil Erleichterungen auch "in einigen Wirtschaftsbereichen" an. Wenn es nicht funktioniere, müssten sie aber auch wieder zurückgenommen werden können, ohne dass dies "ein großer Skandal" sei: "Lieber ein kleines Mehr, als ein großes Gar-Nichts."

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66 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    0
    KTreppil
    09.02.2021

    Pixelghost, alles richtig und aus dieser Sicht betrachtet auch nicht weg zu diskutieren. Aber was ist mit all den Ü50ern in medizinischen Berufen, Mitarbeitern in Gemeinschaftseinrichtungen, Polizist(inn)en, Paketzusteller(inne)n, Kassierer(inne)n in Supermärkten und Mitarbeitern in vielen andere in sogen. systemrelevanten Bereichen und wer denkt an deren Angehörige? Undenkbar wenn diese nicht mehr arbeiten würden aufgrund ihres mindestens genauso hohen Infektionsrisikos. Für sie wird keine solche Diskussion geführt, war immer selbstverständlich. Ich denke auch, dass Lehrer die einer Risikogruppe angehören eventuell nicht arbeiten müssten. Sicher sieht es bei den Arbeitsverhältnissen von Kita Angestellten etwas anders aus. Dennoch, Lehrkräfte und Erzieher sind ebenfalls systemrelevant.

  • 7
    9
    Pixelghost
    09.02.2021

    @620390, in diesen Studien wurden die Mutationen nicht berücksichtigt. Seit Freiburg ist man da hellhörig geworden.
    Insgesamt wird entscheidend sein, ob die Eltern so weitsichtig und verantwortungsvoll handeln, dass die ErzieherInnen und LehrerInnen auch in Zukunft zur Verfügung stehen. Nicht alle sind 20 und „unzerstörbar“! Die meisten sind Ü50 und haben zum Teil Partner mit Vorerkrankungen. Für die geht es -mit Verlaub- nicht nur um ein verpasstes Schuljahr, sondern um ihr Leben.
    Und was wird sein, wenn sich ErzieherInnen und LehrerInnen mit SARS-CoV-2 infizieren, an Covid-19 erkranken und für längere Zeit ausfallen. Von Schlimmerem will ich gar nicht reden.
    Dann ist nicht nur die Kita wieder dicht.
    Dass die geliebte Erzieherin oder Lehrerin plötzlich weg ist und die Kinder nicht bis zur Einschulung oder zur nächsten Klassenstufe begleitet, kann das etwa im Sinne der Kinder sein?
    Testungen:
    „und die positiven Fälle würden rechtzeitig aufgedeckt...“ Für wen rechtzeitig?

  • 10
    4
    pschrobback
    09.02.2021

    Einen Plan haben unsere Politiker nicht. Das Schuljahr geht komplett den Bach runter. Den Lernstoff holen die Kinder nie wieder auf. Die Lehrer und Schüler sollten regelmässig (Pflicht!) getestet werden. Dann könnten die Kinder wieder regelmässig in die Schule gehen und die positiven Fälle würden rechtzeitig aufgedeckt und man könnte so einer evtl. neuerlichen Schulschliessung vorbeugen.

  • 26
    13
    620390
    09.02.2021

    Weil Sport wahrscheinlich wichtiger ist, wie unsre Kinder. Ich fasse es nicht, in andren Ländern geht es doch auch mit höheren Coronazahlen! Gerade eine Studie bewies es doch, dass Kinder die wenigsten Übertragungen aufweisen (abgesehen von wenigen Fällen) und Lehrer hätte man als erste ins Impfgeschehen einbeziehen müssen, um das es wieder los geht. Müssen wir jetzt die Impfschlamperei ausbaden? Irgendwann sind sämtl. ERWACHSENE reif für die Insel.

  • 47
    14
    KTreppil
    09.02.2021

    Was, noch ganze 4 Wochen kein richtiger Unterricht ab Kl.5? Dann auch nur Wechselunterricht? Wie kann dann dieses Schuljahr noch vollwertig abgeschlossen werden? Wie sollen die Lücken dann je aufgeholt werden?
    Wenn man nicht zeitnah und nicht erst in 4 Wochen einen Neustart wagt, wenigstens im Wechselmodell, dann wars das für dieses Schuljahr! Wann gesteht man sich das ein?! Man könnte doch auch im Wechselmodell langsam einsteigen, z.b. zuerst nur 1 bis 2 Tage in Schulen, später wöchentlicher Wechsel. Aber es muss mal wieder los gehen. Sonst ist das Schuljahr gelaufen. Die Profi Fußballer jetten zur Zeit quer durch Europa, die Politik schaut nur zu. Gleichzeitig die Bildung in D den Bach runter geht....

  • 34
    39
    Zeitungsfreund
    09.02.2021

    Bevor Schulen und Kitas geöffnet werden, erstmal den Artikel vom Montag lesen,wo ein Junge mit den Folgen einer Covid-19 Erkrankung zu kämpfen hat.
    Bei der Beratung, wie geht es weiter mit Kita und Schule, sollten auch erfahrene Kinderärzte mit einbezogen werden. Ich glaube, keiner möchte sein Kind an einer Erkrankung leiden sehen, oder das schlimmste tun müssen.
    Wenn die Mutationen so gefährlich sind, wie geschrieben wird, dann Lookdown nicht beenden.