Polizistin ist Internetstar für Fitness: "Ich esse auch mal Pizza oder Dönerteller"

Sachsens fitteste Polizistin Adrienne Koleszar über ihr Leben zwischen weiblichen Problemzonen und Streifendienst in Dresden

Dresden/Chemnitz.

Adrienne Koleszar sitzt auf einer Gummimatte unter einem Bambusdach, im Hintergrund wiegen sich Palmen im Wind: Selbst aus Fernost gibt die junge Dresdnerin ihrer Fangemeinde Tipps für den perfekten Waschbrettbauch. Zehntausende folgen der früheren Bodybuilderin inzwischen auf Facebook, Youtube und Instagram. Im Hauptberuf indes ist Adrienne Koleszar Kommissarin bei der sächsischen Polizei. Oliver Hach sprach mit der 33-Jährigen, die am Sonntag zum Blaulichttag im Druckzentrum der "Freien Presse" als "Sachsens fitteste Polizeibeamte" auftritt.

Freie Presse: Frau Koleszar, wie wird man Internet-Star für Fitness, Ernährung und Lifestyle?

Adrienne Koleszar: Das ist total skurril. Ich trainiere, seit ich 17 bin, wegen der typischen Frauenproblemzonen: Bauch, Beine, Po. Damals ging ich in ein Fitnessstudio und fand Gefallen am Krafttraining. Zugleich habe ich schon immer gern gegessen. Mein Vater ist Ungar, und auch meine Mutter kocht sehr gut. Und so hat man mir mein Training nie angesehen, obwohl ich das sechs, sieben Tage in der Woche gemacht hab. Mit fast 30 waren wir mit einem befreundeten Pärchen im Urlaub in Thailand: Sie war schwanger und sah wunderschön und schlank aus. Damals ist bei mir der Knoten geplatzt: Ich stellte meine Ernährung um. Innerhalb von ein paar Wochen verlor ich deutlich an Gewicht, die über Jahre aufgebaute Muskulatur kam zum Vorschein.

Sie erzählen den Leuten also Ihre eigene Erfolgsgeschichte?

Ja, ich war so stolz auf meine körperliche Verwandlung. Und ich habe im selben Jahr noch an Bodybuilding-Wettkämpfen teilgenommen, wurde deutsche Vizemeisterin in der Bikiniklasse, der kleinsten Klasse. Doch gesund ist das auf die Dauer nicht, mit so wenig Körperfett. Also nahm ich nach zwei Jahren Abstand vom Wettkampfsport. Heute stehe ich einfach für einen gesunden Lebensstil und will anderen zeigen, dass man auch noch mit über 30 alles erreichen kann. Die Ernährung ist der Schlüssel zum Erfolg. Mein Freund und ich, wir kochen beide gern. Und wir haben Gerichte entwickelt, die in diesen Lebensstil reinpassen. Ich esse aber durchaus auch mal Pizza oder Dönerteller.

Sogar aus Bangkok und Singapur versorgten Sie Ihre Fans jetzt mit Fotos und Videos. Haben Sie dafür ein Medienteam?

Nein, das war mein ganz normaler Jahresurlaub. Mein Partner macht die Fotos und Videos. Er ist kein gelernter Fotograf, er hat sich das selbst angeeignet. Wir haben mit Smartphone begonnen und uns dann eine bessere Kamera gekauft.

Also alles nur Hobby?

Natürlich ist es in erster Linie mein Hobby und ich tue es, weil es mir Freude bereitet. Ich bekomme am Tag bestimmt zehn E-Mails, in denen man mir irgendwelche Produkte andrehen will - vom Zahnweißer über Tee bis zu künstlichen Haaren. Aber man kann sich nicht für alles verkaufen. Wir haben zwei Kooperationspartner, einen Hersteller von Sportbekleidung und eine Firma für Nahrungsergänzungsmittel. Für die machen wir auch Fotos. Ich gehe nur Kooperationen für Produkte ein, hinter denen ich auch stehe.

Wo liegen für Sie die Grenzen beim Foto-Shooting?

Wir achten darauf, dass die Bilder einen gewissen Anspruch haben. Ich zeige mich schon mal im Bikini, aber niemals nackt. Playboy-Aufnahmen wird es definitiv nicht geben - genauso wenig wie extreme Muskelbilder. Früher habe ich mal meinen Bizeps gezeigt, heute tue ich das nicht mehr.

Ganz nebenbei sind Sie im Hauptberuf Polizeibeamtin ...

Ja, ich arbeite bei der Polizeidirektion Dresden - Vollzeit und in Schichten. Nach dem Abitur hatte ich Bankwirtschaft studiert und landete als Diplombetriebswirtin bei einer Bank. Doch dort habe ich nur Akten gewälzt, das war mir zu langweilig. Freunde brachten mich auf die Idee, zur Polizei zu gehen. Sie sagten, da machst du viel Sport - und es ist total abwechslungsreich. Nach der Ausbildung an der Polizeihochschule in Rothenburg bin ich seit Oktober 2012 Polizeikommissarin - erst führte ich einen Einsatzzug in Dresden, seit zwei Jahren bin ich im Streifendienst. Wir sind als Erste zur Stelle, wenn jemand die 110 wählt.

Was sagen die Leute zu Ihnen?

Manchmal werde ich erkannt. Aber dann ist es eher so ein schüchternes Anfragen: Sind Sie das? Bei einer Rotlichtkontrolle kam mal ein Mädchen zu mir, die mich im Vorbeifahren im Bus erkannt hatte, und wollte ein Foto. Aber meine Arbeit wird deswegen nicht beeinträchtigt.

Und Ihre Kollegen?

Ich habe die beste Dienstgruppe, die man sich vorstellen kann. Meine Kollegen fragen oft, wie es läuft. Das Arbeitsklima ist super. Es finden natürlich nicht alle gut, aber insgesamt akzeptiert man, was ich mache.

Wie steht es um die Fitness bei der sächsischen Polizei?

Jeder Beamte hat Dienstsport, sollte aber auch selbst etwas für seinen Körper tun. Viele jüngere Kollegen sind mit dem Fitness-Thema bereits aufgewachsen, Ältere gehen in der Freizeit eher wandern. Ich will hier nicht den Oberlehrer spielen, aber es ist hilfreich, sich drei- bis viermal in der Woche zu bewegen, wenn möglich das Auto mal stehen zu lassen und mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen. Das mache ich auch oft.

Haben Sie als Polizistin Ihren Traumberuf gefunden oder wollen Sie doch noch Profi-Karriere als Lifestyle-Beraterin machen?

Ich trainiere weiter fünf- bis sechsmal mal in der Woche, arbeite Vollzeit und kann trotzdem noch verreisen. So wie es eben auch eine Krankenschwester im Schichtdienst machen könnte. Genau das finden die Leute cool. Andererseits bin ich 33 und sage mir: Wenn ich jetzt alles auf eine Karte setze und den Polizeijob an den Nagel hänge, das wäre naiv. So wurde ich nicht erzogen. Ich möchte immer Polizistin bleiben. Und vielleicht kommt ja in ein, zwei Jahren ein Kind. Ich will also vorläufig so weitermachen und möglichst vielen Frauen helfen. Ich kriege unglaublich viele Anfragen und ich bin wirklich stolz darauf.

Was zeigen Sie dem Publikum zum Blaulichttag in Chemnitz?

(Lacht.) Da ich gerade erst aus dem Urlaub zurück bin, wurde ich noch gar nicht genau eingewiesen. Ich stehe auf jeden Fall für alle Fragen zum Beruf, aber auch zum Thema Fitness bereit. Lassen Sie sich überraschen!

Blaulichttag mit der fittesten Polizistin

Zum Tag der offenen Tür am kommenden Sonntag zeigt die "Freie Presse" von 10 bis 18 Uhr nicht nur ihr Druckzentrum in der Winklhoferstraße 20 in Chemnitz. Zugleich präsentieren sich zum Blaulichttag auf dem Gelände auch Sicherheitskräfte und Rettungsdienste.

Für die sächsische Polizei ist die Dresdner Fitness-Expertin Adrienne Koleszar vor Ort, auch ein Funkstreifenwagen zum Reinsetzen steht bereit. Zudem ist eine Vorführung der Diensthundeschule Naustadt zu erleben.

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Video: Adrienne Koleszar beim Bauchmuskeltraining

 

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