In Sachsen wird ein Projekt für den Umgang mit psychisch belasteten Schülern aufgelegt. (Symbolbild)
In Sachsen wird ein Projekt für den Umgang mit psychisch belasteten Schülern aufgelegt. (Symbolbild) Bild: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa
Sachsen
Projekt für Umgang mit psychisch belasteten Schülern

Verhaltensauffälligkeiten nehmen auch im Schulalltag zu. Nach langer Planung startet in Sachsen ein Projekt und soll Lehrkräfte sowie Schulleitungen entlasten.

Dresden.

Psychische Belastungen und Probleme bei Kindern und Jugendlichen machen sich nach Einschätzung von Fachleuten immer mehr im Schulalltag bemerkbar – mit Folgen für Unterricht, Schulklima und Lehrkräfte. "Nicht nur die Zunahme, auch fehlende abgestimmte Abläufe im Umgang mit psychisch auffälligen Schülerinnen und Schülern belasteten zusätzlich", sagte Veit Roessner, Chef der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Dresden, der Deutschen Presse-Agentur. 

Wenn nicht frühzeitig geklärt werde, wer wann welche Schritte übernehme, würden Hilfen teils nebeneinander herlaufen, nicht mehr greifen oder zu spät kommen, betonte der Professor. Das zeige sich etwa beim Thema Schulabsentismus. Wenn ein Kind nicht mehr zur Schule gehe, werde oft ohne kinder- und jugendpsychiatrische Beteiligung darüber beraten, ob ein Bußgeld gegen die Eltern verhängt werde oder welche pädagogische Maßnahme infrage käme. 

In Sachsen soll nun ein Projekt Abhilfe schaffen. "Psychische Belastungen von Kindern und Jugendlichen stellen Schulen zunehmend vor komplexe Aufgaben. Entscheidend ist, dass Schulleitungen wissen, welche Schritte wann notwendig sind", sagte Kultusminister Conrad Clemens (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. "Mit diesem Projekt unterstützen wir Schulleitungen und Lehrkräfte dabei, herausfordernde Situationen sicher zu meistern." Durch die Verknüpfung von schulischer Praxis und medizinischem Fachwissen werde deren Handlungskompetenz gestärkt.

Schulabsentismus kann auch Folge psychischer Erkrankung sein 

Dem Fernbleiben vom Unterricht könne eine Vielzahl von Ursachen zugrunde liegen, darunter auch psychische Erkrankungen – etwa Angst- oder Zwangsstörungen, sagte Roessner. Es bestehe die Gefahr, dass über lange Zeit Maßnahmen ergriffen würden, ohne die eigentliche Problemlage zu klären.

Roessner zufolge fehlt bundesweit bislang eine einheitliche Strategie: "Wir brauchen zunächst eine saubere Diagnostik." Diese könne aber nicht vom Hausarzt oder vom Sozialarbeiter geleistet werden, sondern nur vom Kinder- und Jugendpsychiater. "Erst auf dieser Grundlage kann sinnvoll entschieden werden: Wer macht was?" Bei begrenzten Ressourcen sei es wenig sinnvoll, wenn viele Stellen parallel arbeiteten und Schule und Jugendamt womöglich mit widersprüchlichen Maßnahmen reagierten.

Sachsen legt Projekt zur Entlastung im Schulalltag auf

Partner bei dem Projekt sind die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Dresden, das Landeskrankenhaus Arnsdorf und das Kultusministerium. Ein Großteil der Maßnahmen wird durch die Otto-Beisheim-Stiftung finanziert – mit dem Ziel, das Vorhaben bei positiven Effekten auszuweiten und zu verstetigen.

Das erste von drei Modulen trägt die Bezeichnung "Verfahrensnavigator". Dahinter verbirgt sich eine interaktive, leicht verständliche Anleitung für den Umgang mit psychischen Belastungen und Problemen bei Schülern. Der Navigator soll dauerhaft über eine zentrale Website abrufbar sein – nicht nur für Schulen, sondern auch für andere Fachkräfte und Eltern. 

Im Modul zwei ("Wissensvermittlung") sollen Schulleitungen und Lehrkräfte lernen, wie sie die Orientierungshilfe im Schulalltag anwenden. Modul drei läuft unter dem Titel "Transferwerkstatt" und soll das Vorgehen anhand konkreter Fallbeispiele unter Anleitung von Fachleuten einüben. Ziel sei es, Schulen im Alltag verlässlich zu entlasten – durch abgestimmte Prozesse, klare Zuständigkeiten und eine frühzeitige Diagnostik, wie Roessner betonte. (dpa)

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