Protest gegen Höcke - Ministerin: Für Demokratie einstehen

Thüringens AfD-Chef Björn Höcke wirbt im sächsischen Grimma für einen Landtagskandidaten der Partei. Ein breites Bündnis protestiert mit einem Fest der Demokratie gegen den Auftritt. Vorher sorgt ein Anschlag auf das Rathaus für Ärger.

Grimma (dpa) - Ein breites Bündnis aus Parteien und Organisationen hat am Freitag im sächsischen Grimma gegen einen Wahlkampfauftritt des Thüringer AfD-Politikers Björn Höcke protestiert. Rund 300 Menschen versammelten sich nach Angaben der Stadt am frühen Abend vor dem Rathaus. Im Gebäude unterstützte der Gründer des rechtsnationalen «Flügels» in der AfD gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Jens Maier bei einer Veranstaltung den Landtagskandidaten Jörg Dornau.

Etwa 180 AfD-Anhänger hatten sich laut Stadt in einem Saal versammelt, etwa 100 weitere fanden im Rathaus keinen Platz mehr. Sie warteten am Hintereingang und empfingen Höcke dort mit Applaus. In seiner rund 50-minütigen Rede prognostizierte er für die AfD in Sachsen ein Wahlergebnis von bis zu 30 Prozent.

Zuvor hatte es einen Farb- und Kotanschlag auf das Rathaus gegeben. Unbekannte hatten in der Nacht zu Freitag die Frontseite besprüht und beschmiert. Oberbürgermeister Matthias Berger verurteilte die Tat als «dumpfe Gewalt von dummen Menschen». Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen.

Nach einem mutmaßlichen Bekennerschreiben auf der Internetplattform «indymedia.org» stehen Personen aus dem linken Spektrum im Verdacht. «Was hier in Grimma passiert ist, lehne ich kategorisch ab», sagte Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD), die an dem Demokratiefest teilnahm.

Berger verteidigte die Entscheidung, dass der AfD-Wahlkampfauftritt im Rathaus stattfinden darf. Dieses stehe als Veranstaltungsort grundsätzlich offen für jedermann, sagte der Oberbürgermeister. «Wer auf dem Boden des Grundgesetzes steht, darf hier reden», betonte er.

Auf dem Markt vor dem Rathaus hatten mehrere Parteien aus dem Grimmaer Stadtrat ein «Sommerfest der Demokratie» als Protest gegen den AfD-Auftritt organisiert. Zudem hatte das Bündnis «Leipzig nimmt Platz» eine Demonstration vom Bahnhof in die Innenstadt angemeldet, deren Teilnehmer am Abend friedlich zum Markt zogen.

Dort spielte unter anderem Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel Stücke aus seinem Soloprogramm. «Das habe ich erst ganz kurzfristig am Vormittag entschieden», sagte er. Integrationsministerin Köpping sagte, sie finde es schön, dass die Menschen zu dieser Veranstaltung gekommen sind. «Ich bin wie Sebastian Krumbiegel der Überzeugung, dass wir für die Demokratie einstehen müssen», sagte sie.

Bereits am Donnerstag hatten Hunderte Menschen in Döbeln (Landkreis Mittelsachsen) mit einer friedlichen und bunten Kundgebung gegen einen Wahlkampfauftritt von Höcke protestiert. Auch dort war Krumbiegel dabei. In Sachsen wird am 1. September ein neuer Landtag gewählt.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 1 Bewertung
17Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    4
    ralf66
    12.08.2019

    @Maresch, wenn die heutigen besser für morgen, für die Zukunft sind, dann gute Nacht.

  • 3
    10
    Maresch
    12.08.2019

    Die Gestrigen waren schon immer die Verlierer von morgen!

  • 15
    1
    franzudo2013
    10.08.2019

    Die "Aktivisten" disqualifizieren sich selbst. Wer so ein historisches und grossartiges Gebäude wie das Grimmaer Rathaus beschmiert, ist nicht ganz dicht. Der hat keine Argumente sondern eine Diagnose.

  • 10
    5
    Lesemuffel
    10.08.2019

    Na, da ist ja der Geist aus der Flasche. Indymedia hat seine Aktivisten in Position gebracht, "Farb - und Kotabschläge" gegen das Tagungshaus. Mal sehen, was diese andere Alternative für Deutschland noch bis 1.9.19 für weitere Aktivitäten entwickelt. Der Staatsschutz ermittelt? Die Täter dürften doch nicht mehr unbekannt sein. Dumm ist auch, daß die niemand zurückpfeift, die machen doch unbeabsichtigt die beste Reklame für die "Katastrophe für Deutschland" (Distelblüte) Hat Herr Krumbiegel diesen Schmutz eigentlich verurteilt?

  • 4
    13
    Blackadder
    10.08.2019

    @frank: Nichtsdestotrotz viel weniger als Männer.

  • 12
    3
    frankjac
    10.08.2019

    Blackadder, was ist an meiner Aussage falsch? Ich schrieb: "Übrigens wählen nicht nur Männer, sondern auch viele Frauen diese Partei." Von Prozentualen Anteilen schrieb ich nichts! Man muss einfach nur lesen was da steht.

  • 5
    14
    Blackadder
    10.08.2019

    @frank: Falsch. Die AfD wird doppelt so oft von Männern als von Frauen gewählt. Bei der BTW war es so:

    "Bundesweit wählten 16 Prozent der Männer und 9 Prozent der Frauen die AfD."

    https://www.merkur.de/politik/wer-hat-afd-gewaehlt-fast-13-prozent-bei-bundestagswahl-2017-zr-8715057.html

  • 14
    4
    BlackSheep
    10.08.2019

    Das scheinen viele nicht zu begreifen, Demokratie nur für die die mir passen ist keine Demokratie mehr.

  • 16
    5
    frankjac
    09.08.2019

    Proteste hin oder her, die AfD ist eine demokratisch gewählte Partei und ist bisher zweitstärkste Kraft in Sachsen. Ob einem Höcke paßt oder nicht, er ist AfD Chef in Thüringen und an diesen Tatsachen kommt man eben nicht vorbei. Da kann man protestieren, mit Unrat werfen oder Büros beschmieren wie man will. Übrigens wählen nicht nur Männer, sondern auch viele Frauen diese Partei.

  • 16
    9
    thombo01
    09.08.2019

    DTR Wie kommen sie darauf das die "AfD von Männern für Männer" gemacht ist?

  • 8
    16
    DTRFC2005
    09.08.2019

    @Distelblüte: Man nennt das auch den sogenannten Freudschen Versprecher. v wollte unbewusst darauf aufmerksam machen, das die AFD von Männern für Männer gemacht ist.

  • 8
    20
    Distelblüte
    09.08.2019

    @ralf: Ich hätte vermutlich nichts gesagt, würden sich die Deutschesten der Deutschen nicht so sehr für das Deutschsein ins Zeug legen.
    Eine korrekte Deklination sollte schon drin sein, wenn man viel Wert auf Kultur legt.

  • 17
    9
    ralf66
    09.08.2019

    @Distelblüte, heute wieder mal Deutschkurs statt brauchbare sachliche Kommentare.

  • 9
    15
    Zeitungss
    09.08.2019

    Ob nun DER AfD oder DIE AfD, beides nicht wirklich brauchbar. Bei der Verwendung als Protestpartei, mehr ist sie ja nicht, spielt das allerdings wirklich keine Rolle.

  • 7
    21
    Distelblüte
    09.08.2019

    @th: Wenn schon, dann heißt es für DIE AfD, nicht für der AfD.
    Die Partei ist zwar überwiegend männlich, aber das Substantiv halt nicht.

  • 8
    20
    Freigeist14
    09.08.2019

    Haben Sie durchgezählt , thombo01 @ ?

  • 13
    10
    thombo01
    08.08.2019

    Aber auch Hunderte FÜR der AFD!



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