Protest gegen Kürzung bei Schulfächern

Kurz vor Ferienbeginn hat der Kultusminister neue Streichpläne für 2019/20 verkündet. Die Kritik folgt prompt - und ist heftig.

Dresden.

Unterm Strich ist der Unterschied nur marginal. Etwa 800 volle Lehrerstellen hatte die Regierung ursprünglich ab übernächstem Schuljahr durch "Überarbeitung der Lehrpläne und Stundentafeln" einsparen wollen. Musik, Kunst, Sport und die zweite Fremdsprache waren von dem Anfang März bekannt gewordenen Kürzungsmodell betroffen. Nach harschen Protesten einigten sich CDU und SPD zunächst auf die abstrakte Formel, die vergleichsweise hohe Stundenlast der sächsischen Schüler "um vier Prozent" zu senken und "alle Fächergruppen" in die Prüfung einzubeziehen.

Das Ergebnis verkündete Kultusminister Christian Piwarz (CDU) am Dienstag. Statt Kunst trifft es nun auch Deutsch, Biologie und Englisch. Damit sollen letztlich 770 volle Lehrerstellen weniger nötig sein.

Und wieder ließ der Aufschrei nicht lange auf sich warten. Zuerst meldete sich der Landessportbund (LSB). Statt - wie einst geplant - den Sportunterricht "einheitlich für alle Klassenstufen und Schularten auf zwei Wochenstunden" zu begrenzen, bleibt zwar die dritte Stunde für die Erst- bis Drittklässler genauso wie für die Fünft- und Sechstklässler erhalten. Trotzdem ist der LSB unzufrieden. Die Kürzung um je eine Sportstunde für alle Viert- und Siebtklässler sowie an den Oberschulen für alle Acht- bis Zehntklässler widerspreche dem Ziel "Gesund aufwachsen" des Freistaates. Vor allem die Streichung für Viertklässler sei "nicht nachvollziehbar", hieß es.

Noch schärfer fiel eine Reaktion aus der Wissenschaft aus. Im Namen aller Chefs der mathematischen Fachbereiche der vier Universitäten - Dresden, Leipzig, Chemnitz und Freiberg - versandte der Dekan der Fakultät der TU Chemnitz, Christoph Helmberg, per Mail einen Offenen Brief an Piwarz. Nach dessen Plänen soll Mathe für alle Fünftklässler um eine Wochenstunde auf nur noch vier gekürzt werden. Dabei sei das Fach viel mehr als Rechnen, betonen die Professoren. Gerade in Zeiten der Digitalisierung sei die Kürzung auch im Interesse der Wirtschaft "der falsche Weg" - zumal bereits jetzt eine "besorgniserregende Entwicklung der Mathematikkenntnisse sächsischer Studienanfänger" festzustellen sei.

Der Politik stellten die Mathematiker ein schlechtes Zeugnis aus: Angesichts der Altersstruktur der Lehrer sei "schon vor Jahren leicht berechenbar" gewesen, dass die Vernachlässigung ihrer Ausbildung "die heutige katastrophale Entwicklung nach sich zieht, in der der Kultusminister durch Stundenkürzungen den Lehrermangel ausgleicht".

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
 Artikel versenden
Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.
2Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 3
    0
    Zeitungss
    29.06.2018

    @HHCL: Sowas steht nun einmal nicht im sächsischen Lehrplan, vom besagten königlichen Hof zu Dresden ist in dieser Angelegenheit (nicht nur dieser) nun wirklich NICHTS zu erwarten. Diätenerhöhungen (es wäre eigentlich wieder an der Zeit) lassen sich nun einmal besser behandeln und es ist auch besser zu verstehen als die Bildungszukunft der Kinder. Kommt Zeit - kommt Rat - aber nicht immer wie man sieht. Verpennt wurde in Sachsen schon viel, bei Hofe bekommt man es nur nicht mit.

  • 5
    2
    HHCL
    29.06.2018

    "Angesichts der Altersstruktur der Lehrer sei "schon vor Jahren leicht berechenbar" gewesen,..." Und das sollen Leute herausfinden, die Mathematikstunden für überflüssig halten? Finde den Fehler! Ich finde es überhaupt eine Frechheit, dass sich die Untertanen erlauben, den Erlass des königlichen Hofes zu Dresden, zu kritisieren.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...