Puzzlen und Würfeln gegen Corona-Langeweile

Bei langen Corona-Wochenenden in den eigenen vier Wänden können Brettspiele helfen, die bisweilen eintönige Zeit gut zu überstehen und Familien mehr zueinander zu bringen. Sie machen gute Stimmung und sind kommunikativ.

Dresden (dpa/sn) - Den Verlegern von Spielen und Puzzles hat die Corona-Krise laut Branchenverband eine «kleine Sonderkonjunktur» beschert. Spiele zählten vor allem in Krisenzeiten zur «geistigen Grundversorgung» von Kindern, sagte der Vorsitzende des Verbandes Spieleverlage, Herrmann Hutter, in Nürnberg der Deutschen Presse-Agentur. «Seit Beginn der Corona-Krise entdecken dies immer mehr Eltern und Familien.» Das Deutsche Spielemuseum in Chemnitz verleiht mit Unterstützung der Verlage während der Corona-Pause Spiele für zu Hause.

Dabei gelingt es den Brettspielen immer besser, sich gegen Video- oder Computerspiele zu behaupten. Dem Verband zufolge ist die Spiele-Branche in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 50 Prozent gewachsen.

Das Deutsche Spielemuseum in Chemnitz hat während der Corona-Zeit nach eigenen Angaben bereits mehr als 50 Boxen mit Spielen verliehen. «Die Menschen können anrufen und wir stellen ihnen dann eine Box zusammen», erläuterte Eberhard Neumann vom Museum. Der Vorteil von Brettspielen etwa gegenüber Computerspielen: «Bei ihnen kommen die Menschen zusammen, es gibt Kommunikation.»

Beliebt seien vor allem Spiele, bei denen nicht viel erklärt werden müsse wie etwa bei «Just One», dem «Spiel des Jahres 2019», einem Wortratespiel. Begehrt seien unter anderem auch «Qwirkle», ein Kombinations- und Legespiel, oder «Icecool», ein Geschicklichkeitsspiel. Am 28. Mai, dem Weltspieltag, hat das im Spielemuseum zusammen mit Kindern entwickelte Brettspiel «Küchwald» Premiere, benannt nach dem gleichnamigen Chemnitzer Stadtteil.

«Sachsen ist ein Spiele-Land», sagte Udo Schmitz von Forum-Spiel Institut für Spielpädagogik in Dohna bei Dresden. Brettspiele seien aktueller denn je. Rund 50 Millionen Spiele seien im vergangenen Jahr in Deutschland verkauft worden. «Das ist eine wahnsinnige Zahl.» Vor allem Puzzle-Spiele lägen im Trend. «Die werden gekauft wie verrückt.»

Mehr als 1000 neue Brettspiele kämen jedes Jahr neu auf den Markt. «Aber die wenigsten können sich so lange halten wie das «Mensch ärgere Dich nicht» oder das «Monopoly»». Schmitz hat auch die Sächsischen Meisterschaften im «Mensch ärgere Dich nicht»-Spiel mitorganisiert. «Es war eine unglaubliche Stimmung», erinnert er sich. Rund 200 Spieler hatten teilgenommen.

Zwar übertreffe der Videospielmarkt inzwischen im Umsatz sogar die Filmindustrie, sagte Cäcilia Sauer von der Leipziger Messe, wo Anfang Oktober alljährlich die Messe Modell-Hobby-Spiel mit etwa 650 Ausstellern über die Bühne geht. Die PC-Games seien für die Brettspiele jedoch keine Bedrohung. «Sie beeinflussen sich gegenseitig.» Das bewiesen die vielen Brettspieladaptionen bekannter PC- und Videospiele. «Umgekehrt werden Brettspielklassiker wie «Monopoly» auch für Videospielkonsole adaptiert.»

In diesem Jahr zeichne sich ab, dass das Thema Nachhaltigkeit auch bei Brett- und Kartenspiele eine große Rolle spiele. Etwa in Form von lehrreichen Spielen wie dem strategischen Brettspiel «Wasserkraft», sagte Sauer. Und auch das Thema Digitalisierung findet sich wieder, wie bei der Ravensburger Brettspieladaption des PC- und Videospiels «Minecraft».

Anfang Mai hat das Kultusministerium die elfte Runde im Wettbewerb «Spielen macht Schule» gestartet, bei dem Spielen mehr in den Schulalltag integrieren werden solle, wie es hieß. Bis Ende des Monats können sich Grundschulen mit einem Konzept beim Verein «Mehr Zeit für Kinder» um eine kostenlose Ausstattung mit pädagogisch geprüften Spielwaren zu bewerben. Den Angaben zufolge haben in den vergangenen zehn Jahren 196 Bildungseinrichtungen aus Sachsen Materialien für so ein Spielezimmer gewonnen.

Aktive Erfahrungen mit haptischen und visuellen Reizen, wie sie das klassische Spielzeug bietet, seien Erkenntnissen der Hirnforschung zufolge gut für Kinder, hieß es. Schon im Grundschulalter seien diese zunehmend Bildschirmmedien wie Internet, PC-Spielen und Konsolen ausgesetzt. Bewegung und Kreativität blieben da auf der Strecke.

Kultusminister Christian Piwarz (CDU) könnte sich das Konzept jedoch auch in weiterführenden Schulen und der Erwachsenenbildung vorstellen. «Im Zeitalter von Tablet, Smartphone und Fernsehen sollte das gemeinsame Spielen in der Schule und Familie wieder mehr in den Fokus gerückt werden», sagte er.

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