"Landesvater im besten Sinne": Reaktionen zum Tod von Kurt Biedenkopf

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Schon wenige Minuten nach Bekanntwerden von Kurt Biedenkopfs Tod drückten Politiker und Weggefährten ihre Trauer und ihr Mitgefühl aus und würdigten das Erbe des langjährigen sächsischen Ministerpräsidenten.

Freitagmorgen um kurz nach 8:30 Uhr liefen die ersten Eil-Meldungen zum Tod Biedenkopfs ein, den gesamten Tag über bekundeten Politiker, Weggefährten und Bürger ihre Hochachtung, gemischt mit Erinnerungen an den im Alter von 91 Jahren verstorbenen CDU-Politiker.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte: "Ein großer Sachse ist von uns gegangen." Tief bewegt erinnerte er am Morgen in der sächsischen Staatskanzlei an die Verdienste Biedenkopfs seit 1990 in Sachsen. Kurt Biedenkopf sei eine große deutsche Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts und ein kluger Visionär für den Freistaat gewesen. "Als Ministerpräsident hat er das Fundament für eine erfolgreiche Entwicklung unserer Heimat gelegt - stark in Deutschland, geachtet in der Welt, bereit für die Zukunft", so Kretschmer. Biedenkopf werde aufgrund seiner Verdienste auf Dauer einen Platz in der sächsischen Geschichte haben.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier betonte die großen Verdienste um das Zusammenwachsen von Ost und West. «Ihr Mann war eine wichtige Integrationsfigur, ein Symbol der inneren Einheit», heißt es in einem Kondolenzschreiben an die Witwe Ingrid Biedenkopf vom Freitag. «Als Modernisierer hat er die Volkspartei CDU und die Reformfähigkeit Deutschlands gestärkt.» Der Name Kurt Biedenkopf werde für ihn immer mit dem politischen Aufbruch in Ostdeutschland nach der Friedlichen Revolution verbunden bleiben, schrieb Steinmeier.

Auch der CDU-Vorsitzende und Kanzlerkandidat der Union, Armin Laschet, würdigte Biedenkopf. In einer Stellungnahme im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin sagte Laschet: "Er war ein Ausnahmepolitiker, ein Staatsmann und ein Landesvater im besten Sinne." Biedenkopf sei als erster Ministerpräsident des Freistaats Sachsen ein "Motor der deutschen Einheit" gewesen. Er habe das Land zu einer blühenden Landschaft und zu einem Hightech-Standort gemacht. Laschet nannte Biedenkopf einen "Visionär und Macher" und einen "Brückenbauer zwischen Ost und West". Er sei ein "Vordenker der sozialen Marktwirtschaft" gewesen. Als CDU-Generalsekretär habe er das Profil der Partei geschärft und sie zur großen Mitgliederpartei gemacht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich bestürzt zum Tod von Kurt Biedenkopf. "Ich bin sehr traurig, dass Kurt Biedenkopf uns verlassen hat", so Merkel. Den im Alter von 91 Jahren verstorbenen ehemaligen Ministerpräsidenten von Sachsen bezeichnete sie als politischen Vor- und Neudenker, der weit über seine Partei hinaus gehört und geschätzt wurde. Er sei für Merkel in der Zeit der Wiedervereinigung und auch danach ein "wunderbarer Gesprächspartner" gewesen. So war Angela Merkel auch als Gast beim 90. Geburtstag von Biedenkopf dabei.

Der Vize-Ministerpräsident Sachsens, Wolfram Günther (Grüne), nannte Biedenkopf "eine prägende Persönlichkeit". Er habe die Weichen gestellt, als Gesellschaft und Verwaltung sich im jungen demokratischen, sozialen und rechtsstaatlichen Bundesland neu gefunden hätten, sagte der Grünen-Politiker. Biedenkopf sei ein debattenstarker Diskussions- und Gesprächspartner gewesen, so der Umweltminister. "Auch mit seinem kulturellen und gesellschaftspolitischen Engagement und nicht zuletzt mit seinen frühen Gedanken zur Nachhaltigkeit hinterlässt er Bleibendes."

Landtagspräsident Martin Rößler (CDU) erklärte zum Tod seines langjährigen politischen Weggefährten: "Mit Kurt Biedenkopf verliert Sachsen nicht nur den ersten Landesvater des wiedergegründeten Freistaats, sondern seine bedeutendste politische Persönlichkeit nach der friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung Deutschlands. Wie kein anderer Landespolitiker prägte Kurt Biedenkopf die Epoche nach 1990." Rößler erinnerte an Fraktions- und Kabinettssitzungen mit Kurt Biedenkopf, die "durch ganz viel Gestaltungswillen und trotz eines engen Miteinanders auch durch faire und in der Sache harte Auseinandersetzungen gekennzeichnet waren".

Der Vorsitzende der sächsischen CDU-Fraktion, Christian Hartmann, sagte: "Für Sachsen war Prof. Kurt Hans Biedenkopf ein Glücksgriff. Mit ihm sind unwiderruflich der Aufbau und die positive Entwicklung unseres Freistaates seit 1990 verbunden."

Auch die anderen Fraktionen im Sächsischen Landtag würdigten den ersten Ministerpräsidenten des Freistaates nach dem Ende der DDR. "Mit Kurt Biedenkopf geht ein Politiker, der den Wiederaufbau Sachsens nach der friedlichen Revolution maßgeblich verantwortet und vorangetrieben hat. Dafür sind dem einstigen Ministerpräsidenten viele Bürger*innen bis heute dankbar", sagte Dirk Panter, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion. Kurt Biedenkopfs Vision, den Freistaat Sachsen an die Spitze der deutschen Bundesländer zu bringen, sei richtig gewesen.

"Mit Kurt Biedenkopf ist ein großer Mensch und bedeutender Politiker gestorben, der für Sachsen viel geleistet, sich verdient gemacht und den Freistaat nach der Wende mit aufgebaut hat. Die Wendejahre waren Kurt Biedenkopfs Jahre. Sein Tod ist ein Verlust für Sachsen. Mit ihm geht eine mahnende Persönlichkeit und ein echter Charakterkopf, ohne die unser Land heute nicht das wäre, was es heute ist," so Martin Dulig, Landesvorsitzender der SPD in Sachsen. "Kurt Biedenkopf konnte auf ein bewegtes und erfülltes Leben zurück blicken. Seine Leistung beim Übergang von der Diktatur in die Demokratie im Osten ist beispiellos. Streitbare, aber emsige Jahre waren seine drei Legislaturperioden als erster Ministerpräsident des Freistaates Sachsen", so Dulig.

Die Vorsitzende der Grünen im Sächsischen Landtag, Franziska Schubert, kondolierte der Familie Biedenkopf: "Im Namen der gesamten Fraktion spreche ich seiner Frau Ingrid sowie der gesamten Familie von Kurt Biedenkopf unser aufrichtiges Beileid aus." Mit Kurt Biedenkopf verliere Sachsen eine seiner zentralen politischen Persönlichkeiten. Er habe auch nach dem Ende seiner Amtszeit als sächsischer Ministerpräsident nicht die Debatte gescheut und sei bis zuletzt ein Impulsgeber für Diskussionen um die Zukunft des Freistaates gewesen.

Der sächsische AfD-Fraktionsvorsitzende Jörg Urban erinnerte an die Fähigkeit Biedenkopfs, unterschiedlichste Menschen zu begeistern: "Nach der Deutschen Einheit war es für Sachsen von großer Bedeutung, dass mit dem damaligen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf eine authentische, konservative Identifikationsfigur an der Spitze unseres Freistaates stand", sagte Urban.

Auch andere politische Gegner zollten dem früheren Ministerpräsidenten ihren Respekt. Rico Gebhardt, Chef der Fraktion Die Linke im Sächsischen Landtag, schrieb: "Politisch wie persönlich verband uns wenig mit dem ersten sächsischen Nachwende-Regierungschef - aber auch wir erkennen an, dass er als konservativer Intellektueller den Freistaat Sachsen nach 1990 wie wohl kein anderer Mensch geprägt hat. Der politische Neustart Sachsens war zugleich seine Chance auf einen persönlichen Neustart, die er engagiert ergriff. Unser Umgang war gemessen an unseren Differenzen fair, doch nie bösartig. Ein Urteil über die Bilanz von ,König Kurt‘ obliegt jeder und jedem selbst."

Als "König Kurt" wurde Biedenkopf bereits kurz nach Antritt seiner erster Amtszeit in Sachsen bekannt. Freund und Feind benutzen diesen Namen für den Ministerpräsidenten.

Bodo Ramelow, Ministerpräsident in Thüringen, schrieb auf Twitter: "Kurt Biedenkopf war eine außergewöhnliche Person. Prägend in Ost &West. Er stand für die innere Einheit. Beeindruckt war ich von seiner klaren Abgrenzung zur AfD. Danke für diese Klarheit."

Auch Thomas Arnold, Direktor der Katholischen Akademie des Bistums Dresden, erinnerte an Biedenkopfs Fähigkeiten: "Mit Professor Biedenkopf ist ein Brückenbauer zwischen Ost &West von uns gegangen. Ein Katholik, der vom Leid des Zweiten Weltkriegs geprägt war und eine Vorstellung von einem friedlichen Europa hatte", so Arnold.

In Medien und sozialen Netzwerken verabschiedet man sich von "Einem streitbaren Intellektuellen und Landesvater: Kurt Biedenkopf" (Berliner Zeitung). Für den Sender n-tv war Biedenkopf "Erst Vordenker, dann König". Er sei ein Politiker gewesen, der Auseinandersetzungen um Sachthemen nicht scheute. Auf seine Sachsen habe Kurt Biedenkopf nichts kommen lassen. "Die Menschen müssten immer das Gefühl haben, dass sie ernst genommen werden, das war sein Credo," heißt es bei n-tv.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nennt Biedenkopf im Nachruf einen "unbequemen König", der den Habitus des Professoralen stets mit Leutseligkeit verband und sich nicht nur in seiner Partei in der Rolle des Unbequemen gefiel.

Die Zeitung "Die Welt" schreibt über ihn: "Der Westdeutsche, der den Sachsen ein Heimatgefühl gab". Deswegen sei er von vielen Menschen in Sachsen, die in der Umbruchsphase der 1990er Jahre Orientierung und Halt suchten. als "König Kurt" verehrt worden.

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