Sachsen
Reiste ein Flüchtling aus Sachsen nach Berlin, um dort für den IS zu morden? Heute sagt das Opfer aus

Im Februar 2025 wollte sich ein spanischer Tourist das Holocaust-Mahnmal in Berlin anschauen. Plötzlich wurde er mit einem Messer attackiert. Heute wird der Tourist vor Gericht zur Tat befragt.

Leipzig/Berlin.

Nach dem Messerangriff auf einen Touristen am Holocaust-Mahnmal in Berlin sagt am heutigen Mittwoch das Opfer vor Gericht aus. Sein mutmaßlicher Angreifer war den Behörden in Sachsen bereits bekannt, ehe es zur Bluttat kam.

Mit seinen mehr als 2700 Betonstelen erinnert das Mahnmal seit seiner Einweihung 2005 an die rund sechs Millionen Juden, die während der Nazi-Diktatur systematisch ermordet wurden. Dort soll der Syrer Wassim al-M. am Abend des 21. Februar einen jungen Mann aus Spanien attackiert und fast getötet haben.

Angeklagter ist IS-Sympathisant

Die Bundesanwaltschaft wirft dem Flüchtling unter anderem versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor. Er soll den spanischen Touristen Iker M. aus islamistischer und antisemitischer Motivation heraus mit einem Messer angegriffen haben.

Der 19 Jahre alte Angeklagte sei Anhänger der islamistischen Terrororganisation IS. „Auf Grundlage dieser Gesinnung und angetrieben durch die Eskalation des Nahostkonflikts ist er am Tattag von Leipzig nach Berlin gereist, um hier im Namen des IS einen Angriff auf ein ihm unbekanntes Tatopfer zu begehen und dadurch einen Repräsentanten der von ihm abgelehnten freiheitlichen Gesellschaft zu töten“, so die Bundesanwaltschaft.

Der Angriff geschah im Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals.
Der Angriff geschah im Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals. Bild: Hannes P. Albert/dpa

Kurz vor der Attacke habe al-M. via Messengerdienst ein Foto von sich an Mitglieder des IS übersandt und sich dem IS als Mitglied angedient. Gegen 18 Uhr begab er sich laut Anklage zum Holocaust-Mahnmal: „Dabei sei er davon ausgegangen, dass ein Angriff dort mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Menschen jüdischen Glaubens treffen werde.“

Opfer überlebte, aber ist schwer gezeichnet

Im Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals packte er Iker M. von hinten und fügte diesem „mit einem Messer einen 14 Zentimeter langen Kehlschnitt sowie zwei weitere Stichverletzungen im Gesicht bzw. am Finger“ zu. Das lebensgefährlich verletzte Opfer schaffte es noch, aus dem Stelenfeld zu fliehen. Vor dem Denkmal brach der 31-Jährige schließlich zusammen. Laut Anklage überlebte er die Attacke nur wegen der sofortigen notärztlichen Versorgung.

Nach Aussage seines Anwaltes verbrachte M. rund fünf Tage im Krankenhaus, wie der Evangelische Pressedienst (epd) meldet. Als Folge des Schnitts in die Kehle seien Nerven geschädigt, der 31-Jährige sei dermaßen traumatisiert, dass er kaum noch am Leben teilnehmen könne. Auch seiner Tätigkeit als Ernährungswissenschaftler könne er seit der Tat nicht mehr nachgehen.

Dennoch will M., der als Nebenkläger auftritt, am heutigen Mittwoch nach Berlin kommen und aussagen.

Mutmaßlicher Täter in Sachsen polizeibekannt

Sein mutmaßlicher Angreifer war 2023 illegal nach Deutschland eingereist, kam als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling in die Obhut des Jugendamtes Leipzig. Der anerkannte Flüchtling war im Vorfeld der Tat bereits in Sachsen wegen verschiedener Straftaten polizeibekannt, so der Deutschlandfunk.

Karlsruhe, 28. Februar: Wassim al-M. wird zu einem Hubschrauber geführt. Zuvor hatte er einen Haftprüfungstermin beim Bundesgerichtshof.
Karlsruhe, 28. Februar: Wassim al-M. wird zu einem Hubschrauber geführt. Zuvor hatte er einen Haftprüfungstermin beim Bundesgerichtshof. Bild: Uli Deck/dpa

Laut dem sächsischen Innenministerium sei er jedoch kein Mehrfach- oder Intensivstraftäter gewesen. Ex-Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte sich nach der Attacke geschockt gezeigt und gefordert: Wer solche Taten begehe, habe jedes recht verwirkt, in Deutschland zu sein.

Der Prozess gegen al-M. begann am 20. November, bis zum 29. Januar 2026 sind insgesamt zwölf Verhandlungstage angesetzt. (phy)

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