Rüffel für Leipziger Petitionsverfasser

Petitionen gegen Personen seien ungeeignet, kirchliche Sachfragen zu klären. Mit dieser Stellungnahme reagiert die Landessynode auf die Umstände des Rücktritts von Landesbischof Carsten Rentzing.

Noch immer hadert die Evangelische Landeskirche mit dem Rücktritt von Landesbischof Carsten Rentzing. Insbesondere die Internet-Petition Leipziger Pfarrer mit dem Titel "Nächstenliebe verlangt Klarheit", mit der Rentzing aufgefordert worden war, sich von rechten Positionen zu distanzieren, stößt vielen Mitgliedern auf.

Doch sollten die Urheber der Petition öffentlich angezählt werden? Darüber hat die Landessynode, oft auch als Kirchenparlament bezeichnet, auf der Herbsttagung in Dresden lange gerungen. Anlass: die Ausarbeitung einer Erklärung, mit der die Synode das Wirken Rentzings würdigen und gleichzeitig auf die sichtbar gewordene innerkirchliche Zerrissenheit reagieren wollte.

Während die eine Seite klare Worte wünschte, fürchtete die andere, mit der expliziten Erwähnung des Wortes "Petition" eben jene Zerrissenheit weiter voranzutreiben.

Letztendlich setzte sich die erste Position durch. So heißt es nun in der mit neun Gegenstimmen verabschiedeten Erklärung: "Öffentliche Petitionen gegen Personen und Amtsträger sind kein Mittel zur Klärung von Sachfragen, sie beschädigen unsere Strukturen." Zwar wurde wiederholt betont, dass sich diese Worte auf die Zukunft beziehen. Doch allein als Richtschnur für die Zukunft wären sie nicht nötig gewesen. Schließlich hat die Synode auch dafür gestimmt, dass die Landeskirche Richtlinien für den künftigen Umgang mit sozialen Medien erarbeitet. Internet-Petitionen werden dabei ausdrücklich mitbehandelt.

In der Erklärung räumt die Synode ein, dass in der Beurteilung des Rücktritts sowie seiner Ursachen und Begleiterscheinungen keine Eintracht besteht. "Wir klagen die entstandenen Verwerfungen an", heißt es im Text. Rentzings Arbeit wird ausdrücklich gelobt. Doch ein Mitglied der Synode sprach auch davon, sein Rücktritt habe "einen Scherbenhaufen" hinterlassen. Solche Gedanken stehen nicht in der Erklärung. Ebenso wenig der von manchen Vertretern gewünschte Satz, der Landesbischof habe sich in seiner Amtszeit niemals rechtsradikal geäußert. Synodenpräsident Otto Guse lobte die Art und Weise, wie das Papier erarbeitet wurde: "Verschiedene Standpunkte sind aufeinandergeprallt - in höchster persönlicher Wertschätzung." Rentzing trat zurück, nachdem er mit rechtslastigen Texten aus seiner Jugendzeit konfrontiert worden war.

Die Erklärung im Wortlaut lesen Sie hier: www.freiepresse.de/synode

2Kommentare
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  • 5
    6
    Distelblüte
    19.11.2019

    Die Petition "Nächstenliebe verlangt Klarheit" war der letzte Schritt nach vielen fruchtlosen Gesprächsversuchen. Das beste wäre, sie wäre nicht nötig gewesen.
    Man kann natürlich auch weiter wie bisher den Mantel des Schweigens und der Ignoranz darüber breiten.

  • 3
    4
    gelöschter Nutzer
    19.11.2019

    Bisschen spät diese Äußerung, aber besser spät als nie.



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