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Sachsen

Sachsen-AfD zieht mit Chrupalla in den Bundestagswahlkampf

Im Februar soll ein neuer Bundestag gewählt werden. Mit Tino Chrupalla an der Spitze wollen die Sachsen den Wahlkampf bestreiten. Mit Gauland findet sich auch ein altbekanntes Gesicht auf der Liste.

Löbau.

Drei Monate vor der für den 23. Februar geplanten Bundestagswahl hat die sächsische AfD ihre Kandidaten für die Landesliste bestimmt. Auf den ersten Platz wurde der Bundesvorsitzende Tino Chrupalla gewählt - er soll seine Partei als Spitzenkandidat in den Wahlkampf führen. Auf einem weiteren Listenplatz landete der Ehrenvorsitzende und Mitgründer Alexander Gauland. Entgegen früherer Pläne hatte sich der 83-Jährige entschieden, doch wieder für den Bundestag zu kandidieren.

Chrupalla zeigte sich auf dem Parteitag in einer Messehalle im ostsächsischen Löbau vor den rund 450 Delegierten optimistisch. "Wir werden regieren - in Sachsen, im Bund und in Deutschland." Das Ziel zur Bundestagswahl sei "über 20 Prozent", erklärte Chrupalla unter Beifall. Der 49-Jährige warnte mit Blick auf die Neuwahl im Februar vor einem Kanzler Friedrich Merz und bezeichnete die AfD als "einzigen Katastrophenschutz". Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) warf er vor, die Landtagswahl in Sachsen knapp mit "Raubkopien" des AfD-Wahlprogramms gewonnen zu haben. Und dennoch verweigere er jegliche Zusammenarbeit, so Chrupalla. Kretschmer hatte in der Tat eine Zusammenarbeit mit der AfD in der Vergangenheit wiederholt ausgeschlossen. 

Blumen und viele Stimmen für Tino Chrupalla

Chrupalla erhielt beim Parteitag 416 von 435 gültigen Stimmen. 16 Mitglieder stimmten mit Nein, drei enthielten sich. Das entspricht einem Wahlergebnis von 96,3 Prozent - gerechnet ohne Enthaltungen. Chrupalla stand ohne Gegenkandidat zur Wahl. Bereits bei der Wahl für die Landesliste im Jahr 2021 landete Chrupalla auf dem ersten Listenplatz - er holte damals 547 von 706 möglichen Stimmen (77,5 Prozent).

Auf den zweiten Listenplatz wurde in Löbau Karsten Hilse mit 408 Stimmen gewählt, er ist Mitglied der AfD-Bundestagsfraktion. Auf dem dritten Platz landete die Bundestagsabgeordnete Carolin Bachmann. 

Alexander Gauland will noch einmal in den Bundestag.
Alexander Gauland will noch einmal in den Bundestag. Bild: Paul Glaser/dpa

Auf den sechsten Platz der Landesliste wurde Gauland gewählt. Der 83-Jährige kam auf dem Parteitag im ostsächsischen Löbau auf 363 Ja-Stimmen - und setzte sich damit gegen Edgar Naujok durch, der ebenfalls für den Listenplatz kandidiert hatte. Bundesschatzmeister Carsten Hütter wurde auf den achten Listenplatz gewählt.

Gauland hatte sich zwar eigentlich entschieden, nicht noch einmal anzutreten, aber immer einen "Vorbehalt" eingebaut, wie er in seiner Rede betonte. Er wolle seiner Geburts- und Heimatstadt Chemnitz am Ende seines politischen Lebens noch etwas zurückgeben, sagte der 83-Jährige. "Nennen sie es Sentimentalität", so Gauland. Die Kandidatur in Sachsen sei ein Angebot aus Chemnitz gewesen, hatte Gauland zuvor erklärt. Er warnte vor einem möglichen Bündnis aus Schwarz-Grün auf Bundesebene und mit Blick auf den Ukraine-Krieg vor dem CDU-Chef Friedrich Merz. Dieser werde noch mehr als Bundeskanzler Olaf Scholz dafür tun, "dass dieser Krieg näher an uns heranrückt".

AfD will bald Marke von 4.000 Mitgliedern in Sachsen knacken

Im Vorfeld war auch über eine Kandidatur des Europaabgeordneten Maximilian Krah spekuliert worden. Er trat am Samstag zunächst nicht für die Landesliste an, war aber unter den Besuchern in der Messehalle. Krah hatte vor der Europawahl im Juni in den Schlagzeilen gestanden wegen Berichten über mutmaßliche Russland- und China-Verbindungen sowie Ermittlungen gegen einen Ex-Mitarbeiter wegen mutmaßlicher Spionage für China.

Sachsens AfD-Chef Jörg Urban warb auf dem Parteitag für einen Politikwechsel in Deutschland. Zugleich verwies er auf wachsende Mitgliederzahlen seiner Partei. Derzeit zähle die AfD in Sachsen 3.400 Mitglieder - das seien 600 Mitglieder mehr als noch vor einem Jahr. Laut Urban liegen derzeit rund 590 Mitgliedsanträge vor. In den nächsten Wochen werde man die 4.000er Marke knacken, erklärte Urban. 

AfD tagt noch bis Sonntag in Löbau

Ob AfD Kandidaten von der sächsischen Landesliste letztlich in den Bundestag einziehen, ist ungewiss. Aktuell werden alle zehn sächsischen AfD-Mandate von Direktkandidaten belegt. Kandidaten von der Liste rücken nach, wenn einer Partei aufgrund ihres Stimmenanteils bei den Zweitstimmen mehr Sitze zustehen, als sie durch Direktkandidaten gewonnen hat. Die AfD will noch bis Sonntag in Löbau tagen. 

Die nächste Bundestagswahl findet nach dem Ampel-Aus voraussichtlich am 23. Februar 2025 statt. Bei der vorigen Wahl hatte die AfD mit 24,6 Prozent der Zweitstimmen in Sachsen die CDU mit 17,2 Prozent weit hinter sich gelassen. Die AfD wird in Sachsen vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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