Schon seit Jahren versucht das Umweltministerium, die Bürger für „Frühlingsspaziergänge“ in Sachsen zu begeistern – auf Kosten der Steuerzahler. Ist das Geldverschwendung?
Unter dem Label „Frühlingsspaziergänge“ bietet Sachsen schon seit Jahren eine Plattform, auf der Vereine, Privatpersonen und Verbände für ihre geführten Spaziergänge und Wanderungen in Sachsen werben können. Die Veranstalter müssen dazu ihre Touren beim Umweltministerium anmelden; in diesem Jahr spätestens bis zum 8. Februar. Das Ministerium unterstützt dann bei der Vermarktung, macht Werbung, erstellt Programmhefte, Plakate – und stellt Materialien für die Presse zur Verfügung. Finanziert wird das Ganze aus dem Haushaltstitel „Ausgaben für Veröffentlichungen, Dokumentationen und Öffentlichkeitsarbeit“. Die Aktion gibt es nach Ministeriumsangaben schon seit 2003. Sie findet jedes Jahr im Zeitraum von April bis Juni statt. Die Spaziergänge selbst werden ehrenamtlich durchgeführt und sind für die Teilnehmenden kostenfrei.
Rund 300 Touren laufen unter dem Label „Frühlingsspaziergänge“
Die Aktion ist beliebt. Inzwischen beteiligen sich laut Ministerium rund 160 Veranstalter. Etwa 300 Touren werden mittlerweile pro Jahr unter dem Label „Frühlingsspaziergänge“ angemeldet. Thematisch geht es dann bei diesen geführten Touren um die Forst- und Teichwirtschaft, die Vogelwelt, das Wasser, die Talsperren, den Bergbau, die Geologie, den Arten- und Naturschutz oder die Landschaftspflege in Sachsen.
Staatsregierung sieht eine „Naturentfremdung der Bevölkerung“
„Die Staatsregierung möchte auch vor dem Hintergrund der Naturentfernung der Bevölkerung einen Anreiz geben, die Natur im Freistaat im Rahmen von thematischen Touren zu Fuß oder per Rad zu erkunden und zu entdecken“, erklärt ein Sprecher des Umweltministeriums die Beweggründe für diese Aktion. „Während der Touren sollen die Teilnehmer über Umwelt und Natur fachlich informiert und gleichermaßen dafür sensibilisiert werden.“ Ziel sei es, durch Umweltbildung ein Bewusstsein und Verantwortungsgefühl für die Natur und Naturschutzbelange zu schaffen und eventuell neue ehrenamtliche Unterstützer zu gewinnen.
Kosten läppern sich
Die Kosten für die „Frühlingsspazierhänge“ läppern sich aber. Sie summieren sich schon auf 545.140,98 Euro – allein seit 2008. Zu den Jahren davor kann das Ministerium auf Anfrage der „Freien Presse“ „wegen unterschiedlicher Zuständigkeiten“ keine Angaben machen. Die Kosten schwanken aber von Jahr zu Jahr – je nach Aktionsumfang. Besonders teuer war es in den Jahren 2014 und 2024 mit jeweils über 52.000 Euro.
Bund der Steuerzahler übt scharfe Kritik
Bezahlt wird das vom Steuerzahler. Der Bund der Steuerzahler (BdSt) sieht die „Frühlingsspaziergänge“ deshalb kritisch. „Das ist Steuergeldverschwendung“, sagt Sachsens BdSt-Vorstandschef Dirk Mohr. Grundsätzlich sei Umweltbildung zwar ein wichtiges Anliegen. „Allerdings muss gerade in der aktuellen Haushaltslage des Freistaates Sachsen besonders sorgfältig geprüft werden, wofür Steuergeld eingesetzt wird.“
Sachsen steht vor erheblichen finanziellen Herausforderungen, der Landeshaushalt weist ein strukturelles Defizit auf, in vielen Bereichen wird über Einsparungen diskutiert oder es ist bereits gekürzt worden. „Umso wichtiger ist eine konsequente Prioritätensetzung“, sagt Mohr. „Zumal Bewegung, Naturerleben und Umweltinformation ohnehin heute schon vielfach von Vereinen, Verbänden, Kommunen und auch Krankenkassen eigenständig und erfolgreich angeboten und beworben werden.“ (juerg)





