Sachsen mischt beim ersten Europäischen Pilztag kräftig mit

Die Pilzsaison lief im Juni vielversprechend an. Doch seit Mitte August werden Sammler ausgebremst. Erstaunlich ist, was dennoch in den Körben landet und dass Pilze nun sogar einen Ehrentag haben.

Chemnitz.

Eine Saarländerin hat den 24. September zum ersten Europäischen Pilztag erklären lassen. Die Herausgeberin der seit 20 Jahren bundesweit erscheinenden Fachzeitschrift "Tintling", Karin Montag, freut sich, dass von den in sieben Ländern organisierten 240 Veranstaltungen jede zehnte in Sachsen stattfindet. "Die Sachsen und überhaupt die Ostdeutschen sind ausgesprochen mykophil, also aufgeschlossen gegenüber allem, was Pilze betrifft. Der Pilz ist im Osten viel mehr Teil der Volkskunde als im Westen", sagt die 61-Jährige. Sicher auch, weil es für das Ehrenamt des Pilzberaters staatlicherseits mehr Anerkennung gebe als im Westen.

In Schneeberg, Olbernhau, Raschau und Bad Elster gibt es am Tag des Pilzes zum Beispiel Pilzwanderungen, in Zwönitz, Muldenhammer, Auerbach/E. und Oelsnitz/E. Pilzzausstellungen. In der Chemnitzer Naturschutzstation in Adelsberg ist ein Aktionstag geplant. Der Verein Chemnitzer Pilzfreunde will den Tag auch nutzen, um auf die Suche nach Beraternachwuchs zu gehen. Künftig soll immer der vierte Samstag im September als Europäischer Pilztag begangen werden, "um die Menschen und vor allem die Jugend mehr für Pilze zu sensibilisieren", sagt Initiatorin Montag. "Es geht darum, das Wissen um die Pilze zu vermehren und ihnen die Bedeutung zu verschaffen, die sie verdienen. Die Meisten wissen zum Beispiel gar nicht, dass es viel mehr Pilz- als Pflanzenarten gibt, sagt Montag.

Der erste Europäische Pilztag freut auch Sieglinde Köhler aus Striegistal. Die Pilzsachverständige des Landratsamtes Mittelsachsen übt das Ehrenamt schon seit DDR-Zeiten aus. Nicht nur, weil sie selbst gern die Früchte des Waldes sammelt und isst, sondern sich vor allem gut auskennt. Anlässlich des Pilztages wird sie im Neefepark in Chemnitz bereits ab 22. September eine große Pilzausstellung gestalten. Bekannte und die Familie wollen im Vorfeld beim Sammeln möglichst vieler verschiedener Ausstellungsexemplare helfen. Ob und wie viele zusammenkommen, vermag Sieglinde Köhler allerdings nicht zu sagen. "Die Pilzsaison lief ungewöhnlich früh und ausgesprochen gut an." Schon im Juni habe sie auf einer Pilzausstellung in Doberschütz über 80 Pilzarten zeigen können. "Im Juli habe ich einen Kurs mit Pilzwanderung und Verkostung in Freiberg durchgeführt. Da haben wir auch noch sehr viel gefunden." Aber im August sei das Angebot durch die Trockenheit und hohen Temperaturen deutlich zurückgegangen. "Das Pilzmyzel hat darunter gelitten. Aber das muss nicht heißen, dass die Saison damit schon gelaufen ist."

Die war auch im Erzgebirge und Vogtland für einige Sammler bereits mehr als erfolgreich. In Gablenz bei Stollberg fand ein Mann vermutlich Karthäusertrüffeln. Es könnte sich um den vierten angezeigten Fund in Sachsen handeln, glaubt Pilzberater Frank Demmler. Allerdings sei der Nachweis unterm Mikroskop Tage nach dem Fund nicht gelungen, weil keine Sporen mehr auszumachen waren. Erstmals wurde 2009 in Geyer ein solcher Fund vermeldet, weitere 2011 in Oberwiera bei Waldenburg und 2014 in Bernsbach bei Aue.

In Hammerleubsdorf in Mittelsachsen fand eine 65-Jährige im Juli einen 1631 Gramm schweren Sommersteinpilz. Seit 60 Jahren gehe sie schon auf Pilzsuche, so ein riesiges Exemplar mit 16 Zentimetern Stielumfang habe sie noch nie entdeckt. Vom größten "Schwamm" seines Lebens hat vor einigen Tagen auch ein Mann aus Schönheide berichtet. Sein Steinpilz mit einem Hutdurchmesser von 38 Zentimetern brachte 1660 Gramm auf die Waage. Obwohl er nicht madig war, landete das stolze Exemplar nicht in der Pfanne. Der Sammler und Pilzberater lehnt es an einen Straßenbaum im Ortszentrum, damit die Sporen in die Luft getragen und so zu Saatgut werden sollten.

In Niederwürschnitz entdeckte ein Pilzberater vergangenen Monat einen essbaren Anhängselröhrling. Es sei der erste Fund im Altkreis Stollberg gewesen. Im vogtländischen Oelsnitz und in Werdau haben Sammler Riesenboviste geerntet - beide mit einem Durchmesser von je 30 Zentimetern. Einer wog 1,3 Kilogramm.

Anlässlich des Europäischen Pilztages wird auch das Geheimnis um den Speisepilz des Jahres 2017 gelüftet. Das wird der Parasol, auch Gemeiner Riesenschirmling genannt, verrät die Saarländerin Montag. In diesem Jahr war dem Maronenröhrling diese Ehre zuteil geworden.

Alle Veranstaltungen rund um den Europäischen Pilztag am 24. September finden sich im Internet unter www.pilztag.de

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