Lehrkräfte sehen sich immer häufiger mit psychischen Problemen bei Schülerinnen und Schülern konfrontiert. (Symbolbild)
Lehrkräfte sehen sich immer häufiger mit psychischen Problemen bei Schülerinnen und Schülern konfrontiert. (Symbolbild) Bild: Leonie Asendorpf/dpa
Sachsen
Sachsen startet Schulprojekt zu mentaler Gesundheit

Psychische Probleme bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu – und stellen Schulen vor große Herausforderungen. Ein Pilotprojekt soll Lehrkräften in Sachsen mehr Sicherheit und Orientierung geben.

Dresden.

Ein Pilotprojekt bietet Schulen Unterstützung im Umgang mit psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen. Schulische Praxis und medizinische Expertise sollen dabei verbunden werden, um Schulleitungen und Lehrkräfte gezielt zu entlasten, wie das Kultusministerium mitteilte. Das Universitätsklinikum Dresden, das Sächsische Krankenhaus Arnsdorf, die Beisheim Stiftung und das Kultusministerium setzen das Projekt gemeinsam um.

Im Mittelpunkt steht die Fähigkeit, die mentale Gesundheit der Schülerinnen und Schüler besser bewerten zu können. Ist ein Eingreifen nötig und wenn ja, in welcher Form? Ist die Behandlung durch einen Notarzt nötig? Kann auch erstmal ein Kinder- oder Hausarzt helfen oder gibt es weitere passende Angebote?

Psychische Probleme schwerer zu erkennen

"Wenn sich ein Kind ein Bein bricht, dann weiß die Lehrerin relativ klar, was zu tun ist", sagte Kultusminister Conrad Clemens (CDU) bei der Vorstellung des Projekts. Im Umgang mit psychischen Problemen herrsche an den Schulen aber eine gewisse Überforderung. Gleichzeitig stelle die mentale Gesundheit der Kinder und Jugendlichen besonders seit der Corona-Pandemie eine immer größere Herausforderung dar.

Psychische Auffälligkeiten und Belastungen seien für viele schwerer einschätzbar, ergänzte Veit Rößner, Klinikdirektor für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Dresden. "Macht jetzt jemand nur eine Diät oder hat gerade einen Wachstumsschub und wird etwas dünner oder ist es schon eine Essstörung?" Es gehe darum, Sicherheit bei der Beurteilung zu vermitteln. 

Pilotprojekt ab kommendem Schuljahr in Dresden und Bautzen

Das Projekt startet im Schuljahr 2026/2027 in Dresden und dem Landkreis Bautzen, die Angebote sollen nach erfolgreichem Abschluss aber für ganz Sachsen verfügbar sein. 

Das Projekt ist in drei Module aufgeteilt. Kernstück ist der sogenannte Verfahrensnavigator, der als Orientierungshilfe dient und übersichtlich darstellt, welche Schritte in welchen Situationen notwendig sind. Der Navigator soll dauerhaft online und auch für Fachkräfte und Eltern abrufbar sein.

Im Modul "Wissensbasis" können Schulleitungen an Kursen zur psychologischen Erste Hilfe teilnehmen. Diese Kurse haben ihren Ursprung in Australien, wo bereits 50.000 Menschen geschult wurden, wie Ulf Matysiak, Geschäftsführer der Beisheim Stiftung, erläuterte. Dabei gehe es darum, Orientierungswissen zu vermitteln und mehr Personen in das Schulsystem zu bringen, die sich sicher im Umgang mit dem Thema fühlten. Anhand konkreter Fallbeispiele wird das Handeln dann im Rahmen des letzten Moduls "Transferwerkstatt" in Begleitung medizinischer Fachkräfte geübt.

Für die Umsetzung stellt die Beisheim Stiftung zunächst 400.000 Euro zur Verfügung. Je nach Bedarf und Interesse an den Schulungen soll der Betrag angepasst werden. Geplant ist eine Dauer von zweieinhalb Jahren. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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