Sachsens Autos sind sicherer geworden

Fast drei Viertel der Gebrauchten kommen mängelfrei durch die Hauptuntersuchung des Tüv - darunter vor allem deutsche Fabrikate.

Die Abwrackprämie wirkt noch. In Sachsen besonders: Weil hierzulande seinerzeit überdurchschnittlich viele Kfz-Besitzer ihr altes Auto verschrotten ließen, um an 2500 Euro Staatszuschuss für einen Neu- oder Jahreswagen zu kommen, ist die Fahrzeugflotte im Freistaat besser in Schuss als anderswo. Beleg dafür ist der Tüv-Mängelreport: Bei mehr als 72 Prozent aller Fahrzeuge seien in der Hauptuntersuchung keinerlei Mängel festgestellt worden, sagt Klaus Kaiser vom Tüv Süd. Bundesweit lag die Quote bei nur 67 Prozent. Für die Studie hat der Tüv-Verband Daten von rund neun Millionen Hauptuntersuchungen in ganz Deutschland ausgewertet.

Demnach sind in Sachsen zwischen Juli 2015 und Juni 2016 nur 15,6 Prozent aller bei der HU geprüften Autos mit erheblichen Mängeln aufgefallen. Im Jahr zuvor waren es noch 16,8 Prozent. Damit liegt die östlichste Region des Tüv Süd rund vier Prozentpunkte unter Bundesschnitt. Unabhängig vom Fahrzeug-alter gebe es am häufigsten Probleme an Front- und Rückscheinwerfern, Blinkern oder anderer Beleuchtung, sagt Klaus Brüggemann vom Tüv-Verband. Je nach Modell seien aber auch Mängel an den Bremsen, am Fahrwerk oder beim Motormanagement zu verzeichnen.Schaut man auf einzelne Marken, fällt das Ergebnis recht positiv für die deutschen Hersteller aus. So führen bei den jungen Gebrauchten der Porsche 911 Carrera und Mercedes GLK das Ranking im Tüv-Report an. Bei beiden Modellen wies nur jedes fünfzigste geprüfte Fahrzeug erhebliche Mängel auf - das ist Bestwert. Zum Vergleich: Bei genauso alten Kia-Modellen vom Typ Sportage oder Sorento fiel fast jeder zehnte Prüfkandidat durch.

Das Gesamtbild ändert sich auch mit zunehmendem Alter der Autos nicht grundlegend: Fabrikate von Mercedes, Audi, VW, Opel und BMW landen auf den vorderen Plätzen. Mit vergleichbar hoher Zuverlässigkeit können ansonsten noch die japanischen Autobauer Toyota, Mazda und Honda punkten. Exemplarisch dafür steht der Mazda 3, ein Kompakt-Modell der Golf-Klasse. Bei den sechs- bis siebenjährigen Gebrauchten dieses Typs wiesen nur knapp sieben Prozent erhebliche Mängel auf - Platz eins in dieser Altersklasse.

In Deutschland zugelassene Gebrauchte sind aber oft noch betagter - im Schnitt ist ein Auto derzeit neun Jahre und zwei Monate alt. Über ein Drittel der Fahrzeuge ist laut Tüv älter als zehn Jahre. Dafür gibt es zwei Gründe, sagt Verbandssprecher Johannes Näumann: "Zum einen verbessert sich die Qualität insgesamt, zum anderen spielt Rost fast keine Rolle mehr." Allerdings variieren die erreichten Laufleistungen je nach Fahrzeuggattung beträchtlich. Wer einen Porsche 911 sein Eigen nennt, hat nach zehn Jahren im Schnitt 78.000 Kilometer auf dem Tacho. Besitzer eines ähnlich langlebigen Toyota Corolla Verso spulen im gleichen Zeitraum rund 133.000 Kilometer ab.

Übrigens finden sich auch unter den "Mängelriesen" dieser Altersklasse Modelle der deutschen Premium-Marken. Dabei sticht die M-Klasse von Mercedes (ca. 164.000 Kilometer) als besonderer Problemfall heraus. Fast jeder zweite in den Jahren 2004 oder 2005 zugelassene Geländewagen dieses Typs bekam zuletzt beim ersten Anlauf keine Plakette, sondern musste zunächst in die Werkstatt.

Auch für Nutzfahrzeuge erstellen die Tüv-Prüfer einen bundesweiten Mängelreport. Die nächste derartige Auswertung erscheine im Herbst 2017, kündigt Johannes Näumann an. Mit vergleichsweise vielen Mängeln fallen demnach leichte Nutzfahrzeuge, also Kastenwagen oder Pritschentransporter, auf. Bei Lastzügen oder Lkw, die von Speditionen eingesetzt werden, gebe es diese Probleme nicht in dem Maße, so Näumann. "Das hängt mit dem Wartungsdruck zusammen, der auf den Unternehmen lastet."

Der TüV-Report kostet 4,50 Euro und ist ab dem heutigen Freitag im Zeitschriftenhandel und an Tüv-Stationen erhältlich.

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