Sachsens Feuerwehren wechseln ihre Verbandsspitze aus

Die Basis klagte über fehlende Transparenz und mangelnde Durchsetzungskraft gegenüber dem Ministerium. Doch ein Brandbrief machte auch die Stasi-Vergangenheit des nun abgewählten Vorsitzenden zum Thema.

Görlitz.

Der Landesfeuerwehrverband Sachsen hat einen neuen Vorstand. Auf einer Delegiertenversammlung am vergangenen Wochenende in Görlitz wurde der langjährige Vorsitzende Karsten Saack aus Oschatz abgewählt. Für die nächsten vier Jahre wird die Interessenvereinigung von dem 59-jährigen Dresdner Feuerwehrchef Andreas Rümpel angeführt. Auch die drei Stellvertreter wurden ausgewechselt. Der Verband vertritt über 42.000 Mitglieder freiwilliger Feuerwehren sowie 1700 Angehörige der Berufsfeuerwehren in Sachsen.

"Es gab viele, die sich eine Veränderung an der Verbandsspitze wünschten", sagte Gunnar Ullmann aus Grünhainichen. Der 43-Jährige ist Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Erzgebirge und wurde in Görlitz zu einem der drei Vize-Verbandschefs gewählt. Bei der Abstimmung standen zwei Kandidaten für den Vorsitz und sieben als Stellvertreter bereit. "Von 202 Stimmen entfielen jeweils auf den neuen Vorsitzenden wie auch auf seine Stellvertreter zwischen 120 und 130 Stimmen." Er selbst, so Ullmann, habe kandidiert, um die Verbandsarbeit anders zu gestalten und die Feuerwehren in Sachsen voranzubringen.

Der neue Vorsitzende Andreas Rümpel betonte: "Wir hatten erstmals eine demokratische Wahl." In der Vergangenheit habe es nie mehrere Bewerber um die Vorstandsposten gegeben. Dem abgewählten Vorstand sei es nicht gelungen, die Interessen aller Feuerwehrleute - der Freiwilligen ebenso wie der Kollegen in den Berufswehren - unter einen Hut zu bringen. Zudem, so der Dresdner, habe es an Durchschlagskraft gegenüber dem Innenministerium gefehlt, das für die Ausstattung der Feuerwehren zuständig ist.

Auf Druck aus der Kommunalpolitik - insbesondere nach massiver Kritik parteiloser Bürgermeister aus dem Erzgebirge - hatte das Innenministerium im Juni angekündigt, die Zuschüsse für die freiwilligen Feuerwehren zu verdoppeln. "Doch auch die Gemeinden müssen nun in ihren Haushalten die Eigenmittel bereitstellen, damit wir bei den Investitionen nicht immer in Rückstau kommen", sagte der neue Vizeverbandschef aus Grünhainichen.

Streit innerhalb des Landesfeuerwehrverbandes entzündete sich unter anderem an der Frage nach neuen Uniformen. "Bei uns im Erzgebirge ist das Thema Uniformen ganz schwer aufgestoßen", berichtete Ullmann. Die ehemalige Führungsspitze habe geplant, zum alten, militärischen Viertaschenschnitt zurückzukehren, ohne die Basis einzubeziehen. "Das hat viele verärgert." Laut Verbandschef Rümpel wurde indes ein anderes Vorhaben - leichte Tagesdienstbekleidung aus Bundhose und T-Shirts für die Berufsfeuerwehren - gegenüber dem Ministerium nicht ausreichend unterstützt, so dass die Pläne scheiterten.

Es gab jedoch auch politische Querelen. Einige Tage vor der Wahl hatte eine Interessenvereinigung von Feuerwehrleuten aus dem Raum Leipzig einen Brandbrief an den Verband und die Medien verschickt, in dem der Rücktritt des Landesvorsitzenden gefordert wurde. Als Begründung wurde dessen Stasi-Vergangenheit angeführt. Ein ehemaliger IM an der Spitze eines humanistischen Vereins sei nicht hinnehmbar, heißt es in dem Schreiben, das von dem Leipziger Matthias Dünkel verschickt wurde, dessen Verein Eurofire nach eigenen Angaben etwa 40 Mitglieder hat und der sich für den Austausch mit Feuerwehrleuten im Ausland engagiert.

Bereits 2015 gab es Medienberichte, nach denen Saack als Feuerwehrmann in der DDR für die Staatssicherheit tätig war. Laut Akten, die der Bild-Zeitung vorlagen, gab es eine Verpflichtungserklärung aus dem Jahr 1984 als inoffizieller Mitarbeiter (IM) und einen Vermerk, der IM berichte "selbstständig und umfangreich". Saack selbst lehnte dazu in der Vergangenheit mehrfach Stellungnahmen ab, am Mittwoch war er nicht erreichbar. Gunnar Ullmann sagte: "Er hätte sich zu seiner Vergangenheit äußern sollen."

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2Kommentare
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  • 0
    1
    PassauF
    22.09.2018

    Na ralf66*** nicht so pessimistisch mit deinem einsamen Beitrag. Mittlerweile sind mehr als 1 1/2 Monate vergangen und es kommen erste Zweifel auf, ob es sich mit der neuen Verbandsspitze wie mit manchen Schnäppchen vom Wühltisch verhält, das sich als Fehlentscheidung entpuppt. Ich dachte nach fast 3 Jahrzehnten ist das Problem mit dem "Tal der Ahnungslosen" in DD und Umgebung erledigt. Die jüngste Lü....zeitschrift des Sächs. LFV "Feuerwehr- aktuell" hat mich eines Besseren belehrt. Normalerweise zaubert der Zauberer einen Hasen unter seinem Zylinder hervor und nun sind es fast 1000 zusätzliche Aktive in der FF in SN 2017, da traut sich nicht einmal der Innenminister seine Statistik von 2017 zu aktualisieren. Aber man kann ja schon einmal auf Verdacht die zusätzlichen Gelder verteilen. Waaaas einen Brandbrief gab es auch noch, der landesweit veröffentlicht wurde und dessen Inhalt die Basis nicht kennt. Die Krönung von Transparenz, Kommunikation und Berechenbarkeit des neuen Verbandsvorsitzenden ist die zensierte Presseerklärung des LFV Sachsen, wo nur 7 Punkte von 11 gekürzt veröffentlicht werden. Den absoluten Vogel schießt IM Wöller mit seinem Vorschlag zur Novellierung des Sächs BRKG vom 18.09.2018 ab, als das SMI nach 10 Monaten (18.11.2017) wieder aus der Deckung gekommen ist. Seit 2012 wird nun auf die Novellierung hingearbeitet und nun diese geistigen Ergüsse, die für die "Freiwilligen" wie eine Art "Ritterschlag" sind. Hoffentlich kommen manchmal noch Zweifel auf, ob der IM Wöller nicht noch versehentlich einen Morgenstern beim " Ritterschlag" in der Hand hatte.

  • 4
    0
    ralf66
    02.08.2018

    Mit der Auswechslung von irgendwelchen Führungskräften des Landesfeuerwehrverbandes ist doch nicht die widrige Struktur in Punkto Beschaffung und Bezahlung von Feuerwehrtechnik beseitigt, auch nicht das gewaltige Nachwuchsproblem in den Freiwilligen Feuerwehren.
    Wenn ich schon lese, dass man sich um das Aussehen von Dienstuniformen streitet, an denen man ja nicht gezwungen ist, egal was zu verändern, die von den meisten Feuerwehrkameraden im Jahr vielleicht 10 mal getragen werden, wird es mir schlecht.
    Das es aber in Sachsen Gemeinden gibt, die die Last der Umstellung von neuer Funktechnik und Atemschutztechnik, die fast gleichzeitig stattfand kaum tragen konnten, dass neue Zeug dann auf steinalte Feuerwehrfahrzeuge aufgerüstet wird, dieser fatale Zustand ist seit der Wende allgegenwärtig. Wenn es dem Gesetzgeber einfällt Atemschutz, Funk und Einsatzbekleidung ist zu alt, dann muss das Zeug umgerüstet werden, ob nun Geld in der Gemeinde da ist oder nicht, ein steinaltes Feuerwehrfahrzeug kann gefahren werden bis der TÜV entfallen würde, was selten der Fall ist, obwohl, der Karren rostet, der Tank immer undichter wird und die Pumpe tropft, schon fast nicht mehr selbst ansaugt, die Ersatzteile zur Beseitigung dieser Mängel fast nicht mehr lieferbar sind und die Gesamtausrüstung den 60 er Jahren entspricht. Aus Eigenmittel sind viele Gemeinden gar nicht in der Lage Einsatzfahrzeuge zu kaufen, schon die Beschaffung trotz Fördermittel ist wegen des Eigenbeitrages der geleistet werden muss vielen Gemeinden eine übelste Last. Es kann nicht sein, dass die Finanzierung trotz Fördermittel, aber der Eigenanteil ist zu hoch, alleine den Gemeinden obliegt, Staat und Land müssen hier ordentlich mitfinanzieren!



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