Sachsens Liftbetreiber bangen um alpinen Wintersport

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Verschneite Berghänge - doch der Lift stand still: Wintersportler in Sachsen mussten vor einem Jahr auf das Skivergnügen verzichten. Nun trüben erneut dramatische Corona-Infektionszahlen die Aussicht auf eine unbeschwerte Skisaison im Erzgebirge.

Oberwiesenthal/Eibenstock (dpa/sn) - An der Zugspitze läuft schon die Skisaison, doch Sachsens Liftbetreiber und Touristiker blicken mit Bangen auf die kommenden Wochen. Zwar sagen die Meteorologen frostige Temperaturen voraus - ideal, um die Schneekanonen anzuwerfen. Doch die dramatisch hohen Corona-Infektionszahlen im Freistaat lassen böse Erinnerungen ans Vorjahr wach werden.

Eine erneute Absage der alpinen Skisaison wäre «der Super-Gau», sagte der Geschäftsführer der Fichtelberg Schwebebahn, René Lötzsch, der Deutschen Presse-Agentur. Ob am Fichtelberg nun die Schneekanonen ihre Arbeit aufnehmen, soll nach seinen Worten Ende dieser Woche entschieden werden.

Dabei sieht sich Lötzsch wie schon im Vorjahr in einer Zwickmühle. Einerseits kostet das Beschneien und Präparieren der Pisten viel Geld, und es ist unklar, ob und wann die Skihänge öffnen dürfen. Andererseits wäre es fatal, wenn der Skibetrieb unter freiem Himmel erlaubt werde und kein Schnee da sei. «Bis alles passt, haben wir durchaus 14 Tage zu tun», erzählt Lötzsch mit Blick auf die nötigen Vorbereitungen. Die aktuelle Corona-Verordnung gilt vorerst bis 12. Dezember.

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) sinken die Temperaturen in den kommenden Tagen, und nicht nur nachts wird es frostig. Nach jetzigem Stand werde die Kältephase etwas andauern, sagte Meteorologe Peter Zedler. Vor allem im Bergland sei ab Freitag vermehrt mit Schnee zu rechnen.

Voriges Jahr hatte die Landesregierung nach wochenlangem Bangen die alpine Wintersportsaison Mitte Januar abgeblasen. Grund war das hohe Infektionsgeschehen. Als problematisch wird nicht das Skifahren an sich gesehen, sondern mögliche Infektionswege etwa rund um die Lifte, wo sich für gewöhnlich Menschen sammeln.

Ob es in dieser Saison wieder so kommt, dazu will sich das Tourismusministerium zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht festlegen. Das Ministerium stehe mit den Liftbetreibern im Gespräch, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Laut aktueller Verordnung sind nicht nur touristische Beherbergungen untersagt, sondern auch die Öffnung «von Anlagen und Einrichtungen des Sportbetriebs». Dazu zählen Skilifte.

Sollte die Wintersportsaison erneut abgesagt werden, seien die Folgen für die gesamte Tourismusbranche noch nicht abzuschätzen, erklärte die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Erzgebirge, Ines Hanisch-Lupaschko. Denn der Winter sei neben der Advents- und Weihnachtszeit für die Region Hochsaison und wirtschaftlich essenziell. «Staatliche Unterstützung ist dringend notwendig.»

So waren vor einem Jahr die Übernachtungszahlen im Erzgebirge massiv eingebrochen: um mehr als 662.000 in den Monaten Dezember bis Februar im Vergleich zur Saison 2018/2019. Dabei sind in der Statistik nur Anbieter mit mehr als zehn Betten berücksichtigt, so dass der tatsächliche Rückgang weitaus höher ausfallen dürfte. Im Erzgebirge sei der Anteil von Klein- und Kleinstvermietern relativ hoch, betonte Hanisch-Lupaschko.

Er sei angesichts der hohen Corona-Zahlen weniger optimistisch als im vergangenen Jahr, erklärte Lötzsch. Er wolle sich mit den anderen Skigebieten über das weitere Vorgehen abstimmen. Auch in der Skiarena Eibenstock hofft man, dass Ski alpin diesen Winter wieder möglich sein wird. «Wir produzieren Schnee, sobald das möglich sein wird», hieß es auf Anfrage. Ob und unter welchen Bedingungen der Skibetrieb starten kann, hänge aber vom weiteren Verlauf der Pandemie und den künftigen Regelungen ab.

Wer bisher den Ski-Rummel auf der Piste gemieden hat und lieber als Langläufer unterwegs ist, dem kann auch die Pandemie die Freude am Wintersport nicht verderben. Während die Lifte voriges Jahr still standen, waren vielerorts Loipen gespurt. Bleibt abzuwarten, wie üppig der von den Meteorologen vorhergesagte Schnee ausfällt.

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