Sachsens Regierungschef fordert Wachsamkeit und Isolation

Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus hat Sachsens Regierungschef an die Vernunft der Bürger appelliert. Die Polizei sorgt indes dafür, dass die neuen Regeln eingehalten werden.

Dresden.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat die Menschen im Freistaat aufgefordert, im Kampf gegen das Coronavirus Verantwortung zu übernehmen: "Seien Sie wachsam, seien Sie solidarisch, seien Sie mutig und achten Sie aufeinander. Es geht um unsere geliebten Angehörigen", sagte er am Donnerstagabend in einer vom MDR ausgestrahlten Ansprache.

"Wir sind sicher, dass in den nächsten Tagen die Zahl der Erkrankungen weiter zunimmt. Erst nach ungefähr 14 Tagen werden die Maßnahmen, die wir jetzt ergriffen haben, Wirkung zeigen", so Kretschmer. "Wenn wir sehen, dass das Ganze erfolgreich ist, wissen wir auch, mit welchen Instrumenten wir in Zukunft arbeiten werden." Wenn das nicht gelinge, müsse man auch weiterreichende Maßnahmen ergreifen. Der Regierungschef forderte die Bürger dazu auf, sich so weit wie möglich voneinander zu isolieren. "Deswegen kann es jetzt auch nicht sein, das man sich auf Spielplätzen, in Parks, bei größeren Feiern und Partys begegnet, dass es Menschenaufläufe in Garten- und Baumärkten gibt. Das ist unverantwortlich und unsolidarisch." Auch Sachsens Sozial- und Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) verlangte den weitgehenden Verzicht auf soziale Kontakte. "Ich bin teilweise enttäuscht über das, was in Sachsen abgeht", sagte sie in Dresden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder wollen an diesem Sonntag über mögliche Ausgangssperren beraten. Dies berichtete der SWR am Donnerstag unter Berufung auf den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne). Mehrere Regierungschefs hatten am Donnerstag mit Ausgangssperren gedroht. "Es hängt von der Bevölkerung ab, ob wir schärfere Maßnahmen ergreifen müssen", sagte Kretschmann dem SWR.

Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) verschärfte für seine Stadt die landesweiten Regelungen, die die sächsische Regierung erlassen hatte. Ab diesem Freitag müssen in Leipzig auch Friseurgeschäfte schließen, was die Landesregierung vermieden hatte. Private Veranstaltungen seien nur noch bis zu 20 Personen zulässig. Landesweit gilt eine Grenze bis zu 100 Personen. Nur so ließen sich Ausgangssperren umgehen. "Es nützt nicht, wenn jetzt in den Parks die Menschen zu Hunderten zusammensitzen und miteinander grillen und feiern. Das kann nicht die Antwort sein auf diese krisenhafte Situation", sagte Jung in einer Videobotschaft.

Die sächsische Polizei kontrolliert, ob die Auflagen für das öffentliche Leben auch eingehalten werden. In Dresden sorgte sie beispielsweise am frühen Donnerstagmorgen dafür, dass zwei Lokale ihren Betrieb einstellten. Kneipen ist der Betrieb in Sachsen ab sofort verboten. Gaststätten und Restaurants dürfen nur mit Auflagen und von 6 bis 18 Uhr öffnen. In Chemnitz räumte die Polizei am Donnerstagnachmittag den Konkordiapark, einen beliebten und auch am Donnerstag dicht bevölkerten Treffpunkt von Jugendlichen.

Bei Zuwiderhandlung gegen die Auflagen der Landesregierung können empfindliche Strafen nach dem Infektionsschutzgesetz drohen. Eine Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße von bis zu 25.000 Euro geahndet werden, Straftaten mit einer Geldstrafe oder mit einer Haft von im Höchstfall bis zu fünf Jahren.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Sachsen bereitet die Arztpraxen bereits auf eine Ausgangssperre vor. Eine entsprechende E-Mail wurde am Mittwochabend verschickt. Im Anhang fanden die Arztpraxen eine "Passierberechtigung für Mitarbeiter von Arztpraxen", die sie im Ernstfall ausfüllen sollen. Der KV-Vorstandsvorsitzende Klaus Heckemann verteidigte das Vorgehen und sprach von einem Service für Ärzte: "Wir wissen, es ist möglich, dass es zu einer Ausgangssperre kommt." Man habe die E-Mail deswegen für notwendig gehalten. "Wir machen damit keinen Schaden." (mit dpa)


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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 30
    1
    Inke
    19.03.2020

    In der Lombardei laufen die Krematorien rund um die Uhr - hier feiert man Corona-Parties und belächelt Leute, die versuchen die einfachsten Schutzregeln konsequent umzusetzen. Diese Ignoranz ist kaum noch auszuhalten. Die Menschheit muss wohl doch mal wieder "gegroundet" werden, um zur Besinnung zu kommen. Vielleicht hört man ja nach der Krise auch mal wieder auf Experten und folgt nicht irgendwelchen Scharlatanen. Ich hoffe das zumindest.