Schkeuditzer Bombe gesprengt - Gefahr durchs Kriegserbe wächst

Zum zweiten Mal binnen einer Woche herrscht bei Leipzig Alarm wegen einer Fliegerbombe. In Chemnitz liegen wohl noch zwischen 800 und 1000 Blindgänger im Erdreich. Experten sind besorgt.

Leipzig.

Die am Sonntag westlich von Leipzig gefundene Fliegerbombe ist am Montagnachmittag kurz vor 17 Uhr am Fundort gesprengt worden. Dazu erweiterte man im Laufe des Montags den zunächst auf einen Kilometer festgelegten Sperrkreis auf anderthalb Kilometer, sodass statt ursprünglich geplanter 650 bis zu 3000 Menschen von der Evakuierung betroffen waren.

Mit einem privaten Metallsuchgerät hatten Hobbysucher am Sonntag auf einem Feld entlang der Merseburger Chaussee nahe dem Schkeuditzer Ortsteil Dölzig die fünf Zentner schwere Fliegerbombe amerikanischer Bauart entdeckt und die Behörden alarmiert. Was die Finder mit ihrem Gerät eigentlich gesucht hatten, blieb zunächst unklar. Von der Evakuierung war neben Bewohnern der Schkeuditzer Ortsteile Dölzig und Rückmarsdorf sowie von Teilen Markranstädts auch ein nahes Gewerbegebiet betroffen. Teile der Bundesstraßen 181 und 186 wurden gesperrt.

Es war der zweite Bombenalarm in Leipzig binnen einer Woche. Am Dienstag der Vorwoche war bei Bauarbeiten eine britische 250-Kilo-Bombe entdeckt worden. Ihre Entschärfung dauerte bis in die frühen Morgenstunden des Folgetages. In den Ortsteilen Mockau und Eutritzsch waren über 9000 Menschen von der Evakuierung betroffen.

Während des Zweiten Weltkriegs erfolgten auf die Großstädte Chemnitz, Dresden, Leipzig und Plauen, sowie Industrieanlagen in deren Umfeld Flächenbombardements. Laut dem in Sachsen für die Kampfmittelbeseitigung zuständigen Polizeiverwaltungsamt sind dort noch die meisten Blindgänger zu finden. Für den Raum Chemnitz gilt der Leiter des stadthistorischen Museums auf dem Schloßberg, Uwe Fiedler, als Experte. Er hat mehrere Bücher zum Thema publiziert. Nach seiner Einschätzung liegen in Chemnitz noch zwischen 800 und 1000 Blindgänger im Erdreich, die meisten davon im Zentrum und angrenzenden Stadtteilen.

Nach Urteil von Wolfgang Spyra, einem der renommiertesten deutschen Kampfmittelexperten, wird das Kriegserbe immer gefährlicher. Der Grund sind sogenannte Selbstzündungen, zu denen es durch die in manchen Bombentypen vorhandenen, nach wie vor funktionsfähigen chemischen Langzeitzünder kommen kann. Laut Spyra gab es seit dem Krieg deutschlandweit im Schnitt ein bis zwei Selbstdetonationen pro Jahr. Selbst eine Kettenreaktion von nahe beieinander liegenden Bildgängern halten Experten für denkbar, wenngleich die Voraussetzungen dafür extrem selten seien. mit dpa

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