Schlüsseldienste zocken immer mehr Kunden ab

Verbraucherzentrale, Polizei und Politik wollen stärker gegen Betrug vorgehen. Eine Warnliste soll dabei helfen.

Dresden.

Keine vier Minuten hat es gedauert, bis der Mitarbeiter des Türnotdienstes die Wohnungstür von Sebastian Günther wieder geöffnet hatte - inklusive Vorlage einer Rechnung über 415 Euro. Der 35-Jährige musste sofort mit EC-Karte überweisen. Dem Dresdner kam die Sache dubios vor. Er wandte sich an die Verbraucherzentrale Sachsen, die ein Verfahren am Amtsgericht Dresden gegen die Firma anstrengte - mit Erfolg: Weil der Betrag weit über den ortsüblichen Preisen lag, musste der Schlüsseldienst 230 Euro zurückzahlen.

Sebastian Günther hatte Glück. Oft sind die Schadenssummen höher und das Zurückholen des Geldes schwieriger, sagt Rechtsreferentin Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale Sachsen. Bei den meisten Verfahren sei es schwer, überhaupt eine ladungsfähige Adresse der Firmen zu finden. In vielen Fällen seien die Unternehmen zudem zahlungsunfähig. Bisher konnten die Verbraucherschützer acht Urteile gegen Schlüsseldienste erwirken.

Das Landeskriminalamt Sachsen (LKA) verzeichnet eine steigende Anzahl von Betrugsfällen mit Schlüsselnotdiensten. Im Jahr 2017 habe es 350 solcher Fälle gegeben, sagt Kriminalhauptkommissar Dirk Möller - ein Plus von 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für das Jahr 2018 gehe er von einem weiteren starken Anstieg aus. Oft hätten diese Schlüsseldienste ihren Sitz in westlichen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und arbeiten in einigen Fällen mit Partnern vor Ort zusammen, sagt Möller.

Um in Zukunft stärker und schneller gegen solche dubiosen Unternehmen vorgehen zu können, hat die Verbraucherzentrale Sachsen gemeinsam mit dem LKA, der Polizei Sachsen und der Rechtsanwaltskammer eine Initiative gegen Abzocke gegründet, die gestern in Dresden vorgestellt wurde. Ziel der Initiative ist es, Verbraucher zu stärken und bestehende Gesetze durchzusetzen. "Wenn die Mitarbeiter das Display des EC-Kartengerätes zuhalten oder die Betroffenen nötigen oder erpressen, ist das strafrechtlich relevant", sagt Andreas Eichhorst, Vorstand der Verbraucherzentrale Sachsen. Die Schirmherrschaft der Initiative hat Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) übernommen. Für ihn ist es wichtig, in der Öffentlichkeit für die Initiative zu werben und die Gerichtsverfahren zu beschleunigen.

Ein erstes Ergebnis der Initiative ist eine Liste mit betrügerischen Schlüsseldiensten, die gerade in verschiedenen Städten in Sachsen abkassieren. Bei allen Unternehmen auf dieser Liste liegen der Verbraucherzentrale zufolge mindestens zehn dokumentierte Fälle vor, bei denen sie mindestens knapp das Doppelte des ortsüblichen Preises abgerechnet haben. Gegen andere Firmen auf der Liste gibt es mindestens ein Gerichtsurteil infolge eines sittenwidrigen wucherähnlichen Rechtsgeschäftes.

Es gibt auch eine Positivliste mit Schlüsseldiensten und anderen Unternehmen für Sicherheitstechnik, die von der Polizei geprüft wurden. Diese Errichterliste ist zu erreichen unter www.freiepresse.de/schluessel.

Weitere Informationen zur Initiative der Verbraucherzentrale Sachsen: www.vzs.de

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