Es beginnt mit charmanten Textnachrichten auf Social Media, irgendwann will das Gegenüber Nacktbilder oder sogar Videos. Dann beginnt die Erpressung. Was das Landeskriminalamt rät.
Immer mehr Menschen in Sachsen werden mit intimen Bildern erpresst. Betroffen sind vor allem jüngere Menschen – und sogar Kinder.
Das berichtet der MDR unter Berufung auf Zahlen des Landeskriminalamtes (LKA). Demnach wurden im vergangenen Jahr im Freistaat 486 Personen Opfer sogenannter „Sextortion“, also sexueller Erpressung. Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern Sex und Extortion (Erpressung) zusammen. Ein Jahr zuvor waren es 478 Menschen, die derart erpresst wurden.
So funktioniert die Masche
Die Masche beginne wie ein harmloser Flirt. Täter sprechen ihre Opfer nach LKA-Angaben zumeist über soziale Netzwerke oder Datingplattformen an. Mit der zeit entstehen so Sympathie und Vertrauen.
Dann drängen die Täter ihre Opfer dazu, ihnen etwa intime Fotos oder Videos per Messenger zukommen zu lassen. Kommen diese den Forderungen nach, schnappt die Falle zu.
Die Täter fordern hunderte oder tausende Euro, sonst werden die Aufnahmen veröffentlicht. „Natürlich bekommen die Betroffenen Angst und wollen nicht, dass intime Aufnahmen von ihnen veröffentlicht werden, weil sie auch nicht einschätzen können, welchen Schaden das für ihr Leben haben kann“, so eine LKA-Sprecherin gegenüber dem MDR. „Abgesehen davon, schämen sich die Betroffenen dafür. Um all das abzuwenden, zahlen sie.“
Im vergangenen Jahr wurde durch „Sextortion“ in Sachsen ein Schaden von rund 91.000 Euro angerichtet. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 waren es noch 138.000 Euro.
So schützen Sie sich vor „Sextortion“
Während die Schadenssumme von 2024 auf 2025 sank, hatten die Täter jedoch bei mehr Opfern mit ihrer Erpressungsmasche Erfolg: Der Anteil zahlender Personen stieg von 28 auf 35 Prozent.
Um nicht selbst Opfer der Masche zu werden, rät das LKA:
- Nehmen Sie keine Freundschaftsanfragen von Fremden an
- Klären Sie Ihre Kinder über „Sextortion“ auf
- Prüfen Sie Ihre Account- und Privatsphäreneinstellungen regelmäßig
- Vermeiden Sie Videochats mit Unbekannten
- Nehmen Sie nicht vorschnell intime Handlungen in Videochats mit neuen Bekannten auf
- Halten Sie Virenschutzsoftware etwa auf Laptop oder Smartphone aktuell. Es gibt bösartige Software, die Webcams aktivieren kann.
Übrigens: Aufgeklärt werden die Delikte nur selten, 2024 und 2025 vermeldete die Polizei nur in 16 Fällen einen Erfolg. Ob die Täter juristisch zur Verantwortung gezogen wurden, konnte das LKA nicht beantworten. Diesbezügliche Angaben lägen nicht vor. Dennoch rät das LKA: Sichern Sie Chats und erstatten Sie Anzeige.
„Sextortion“ ist kein Straftatbestand im Strafgesetzbuch, die Zahlen dazu ergeben sich aus einer LK-Recherche in Betrugs-, Erpressungs- und Geldwäschedelikten im Freistaat. (phy)






