Seit dem Wochenende zeigen sich riesige Flecken auf der Sonne, schon machen Berichte über möglicherweise anstehende Sonnenstürme die Runde. Welche Folgen hätten diese, wenn sie die Erde treffen? Ein Überblick.
Sonnenflecken, Sonneneruptionen und Plasma, das auf den elektromagnetischen Schutzschild der Erde trifft: Derzeit guckt alle Welt aufs Weltraumwetter. Was könnte da demnächst auf uns zukommen? Die „Freie Presse“ hat nachgefragt.
Dr. Florian Günzkofer vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erklärt, dass im Augenblick erhöhte Sonnenaktivität herrsche. Diese zeigt sich durch vermehrte Sonnenflecken, wie seit dem vergangenen Wochenende. Diese sind teils größer als die Erde. „Diese Flecken entstehen, wenn sich die Magnetfelder auf der Sonne verwirbeln und durch die Sonnenoberfläche durchbrechen“, erklärt Günzkofer.
So lange braucht eine Plasmawolke bis zur Erde
Und weiter: „Dann entstehen diese dunklen Flecken und es kann theoretisch zu Sonnenstürmen kommen.“ Die Oberfläche der Sonne ist ungefähr 5500 Grad Celsius heiß, die Flecken etwa 1000 bis 2000 Grad kühler. Besonders interessant in dem Zusammenhang: Sonnenstürme.
Normalerweise schickt die Sonne ständig einen ruhigen Strom aus geladenen Teilchen zur Erde – den sogenannten Sonnenwind. Sonnenstürme sind hingegen koronale Massenauswürfe (oder auch Sonnenflecken-Eruptionen), die enorme Mengen geladener Teilchen mit hoher Geschwindigkeit ins All schleudern.
Bis solch eine Plasmawolke die Erde erreicht, vergehen ein bis zwei Tage, erklärt Günzkofer. Trifft sie dann den blauen Planeten, kommt es zu einem geomagnetischen Sturm und dieser wirkt sich auf unsere Satelliten und unsere Technik aus.
Doch damit die Erde überhaupt getroffen wird, müssen die Sonnenflecken erstmal auf die Erde „zielen“. Ist das denn derzeit so? Laut DLR-Experte Günzkofer bewegen sich die besonders aktiven Regionen auf der Sonne mit den Flecken von der Erde aus gesehen auf die Mitte der Sonne zu. Stand jetzt würden sie also auf uns zielen.
Das passiert bei einem „Volltreffer“
Doch er schränkt ein: „Wann es aber genau zu einem Ausbruch kommt und in welche Richtung genau dieser dann weggeschleudert wird, ist sehr schwierig vorherzusagen.“ Zum derzeitigen Zeitpunkt lasse sich keine verlässliche Prognose aufstellen.
Mal angenommen, die Eruption kommt und die Erde bekommt einen Volltreffer des Sonnensturms ab. Was passiert dann? „Dann kommt es zum geomagnetischen Sturm: Die Plasmawolke trifft auf das Erdmagnetfeld. Dieses wird dadurch verzerrt. Gleichzeitig werden die Plasmateilchen entlang der Magnetfeldlinien in die Polarregion abgeleitet.“ Für Beobachter ist das dann als Polarlichter sichtbar.
Allerdings komme es auch zu Störungen in der Ionosphäre, also der ionisierten Schicht der Erdatmosphäre. Folge: Signale von GPS-Navigationssatelliten werden gestört, Navi-Nutzer bemerken dies dann durch Positionierungsfehler.
„Zudem heizt sich die oberste Atmosphärenschicht (Thermosphäre) auf, was wiederum den Luftwiderstand für Satelliten erhöht.“ Das heißt, Satelliten sacken in ihrer Bahn ab, was etwa die Gefahr von Kollisionen berge. „Und dann kann es natürlich immer zu Spannungsinduktionen in Stromnetzen kommen und es besteht die Gefahr von Überspannungen und Schäden an Transformatoren.“ Die gute Nachricht: In Deutschland sei die Gefahr dafür gering.
Drohen gesundheitliche Gefahren?
Übrigens: Erleidet die Erde nur einen Streifschuss, dann sind die Auswirkungen etwa auf die Technik deutlich geringer: „Es gibt zwar immer noch Beeinflussungen auf die Satellitennavigation, nur im viel kleineren Ausmaß.“
Ob nun Volltreffer oder Streifschuss: Gesundheitliche Auswirkungen aufgrund der Strahlung haben wir auf der Erdoberfläche keine zu befürchten. Selbst für die Besatzung der internationalen Raumstation ISS sei es nicht bedrohlich, „weil sie auch schon relativ tief in der Erdatmosphäre sind“.
Ganz anders sähe die Lage für Astronauten etwa auf dem Mond aus. Ohne schützendes Erdmagnetfeld beziehungsweise speziell abgeschirmte Räume drohten diesen im Fall eines Sonnensturms „ernste gesundheitliche Konsequenzen im Sinne von Strahlenerkrankungen“. (phy)






