«Sorbian Street Style»: Kreative Inspirationen aus der Truhe

Die Trachten verschwinden immer mehr aus dem Alltag der Lausitz. Das Sorbische Museum Bautzen zeigt nun, wie aus althergebrachten Mustern, Farben, Schnitten und Formen tragbare Alltagsmode wird.

Bautzen (dpa/sn) - Das Oberteil des goldenen Abendkleides erinnert an die großen Schleifen, die sorbische Bräute in ihrer katholischen Tracht bei der Hochzeit tragen. Die Mode-Kreationen gleich daneben haben sich aus dem reichen Lausitzer Stickerei-Schatz bedient. Selbst sorbische Sagenfiguren sind in einigen neuentworfenen Kollektionen verewigt. «Der Nachwuchs-Modedesigner Jan Lorenz stellt den Wassermann ans DJ-Pult. Am liebsten hätten wir das Motiv gleich für eine T-Shirt-Kollektion verwendet, aber diese Idee muss noch ein bisschen wachsen», sagte Andrea Paulick. Sie ist die Kuratorin der Sonderausstellung «Sorbian Street Style».

Mit dieser «Moden-Schau» begibt sich das Sorbische Museum Bautzen in das Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation. Der Wunsch der Ausstellungsmacher war es, die fast vergessenen Trachten wieder aus den Truhen hervorzuholen und den «Schatz» tragbar zu machen. «Mode ist etwas für den Alltag - anders als Trachten, die es heute immer schwerer haben. Sie brauchen ein bisschen Aufwind», sagte Paulick. Von den einst etwa zwölf Trachtengebieten in der Ober- und Niederlausitz haben sich nur vier Regionen erhalten: die katholische Lausitz, die Dörfer um Hoyerswerda, das Schleifer Kirchspiel und die Dörfer um Cottbus in der Niederlausitz.

Für einen frischen Blick auf althergebrachte Muster, Farben, Schnitte und Formen haben unter anderem Nachwuchs-Designer gesorgt. Die Modemacher waren aufgerufen, ihre Ideen bei einem Wettbewerb einzureichen. 14 Kreative aus Deutschland reichten ihre Kollektionen ein. Gezeigt werden in der Ausstellung nun die Arbeiten der Erstplatzierten. Darüber hinaus haben etablierte Designerinnen mit Lausitzer Wurzeln eine Auswahl ihrer Arbeiten zur Verfügung gestellt. Unter ihnen sind Sarah Gwiszcz und ihr Modelabel «Wurlawy» aus Lübbenau, Dorothea Kahle-Michalk aus Dresden, Steffi Hanusch aus Berlin und Corinna Seiler aus Bautzen.

Nach deren Wunsch sollen die neuen Kreationen nach dem Ausstellungsende nicht in Truhen verschwinden. «Schön wäre es, wenn ein regionales Mode-Projekt daraus entstehen würde, mit Kollektionen, die hier entworfen und produziert werden», sagte Seiler. Denkbar wäre zum Beispiel ein Dachlabel, unter dem sich alle Lausitzer Modedesigner wiederfinden könnten. «Wir sind am Anfang. Jetzt müssen wir weitere Partner finden», sagte Museumsleiterin Christina Bogusz.

Die Ausstellung «Sorbian Street Style» wird am 22. September eröffnet. Bis 1. März erwartet das Publikum ein umfangreiches Begleitprogramm mit Workshops für Jugendliche zu Mode-Themen wie Upcycling und Styling. Dazu kommen Vorträge und Diskussionsabende. Die Sorben sind in Deutschland als nationale Minderheit anerkannt. Nach offiziellen Schätzungen bilden etwa 60000 Menschen heute das sorbische Volk in der sächsischen Oberlausitz und der brandenburgischen Niederlausitz.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...