Staatsakt geplant: Trauer um Ex-Landtagspräsident Iltgen

Erich Iltgen war von 1990 an Sachsens erster Landtagspräsident. Er besiegelte die Verfassung mit und führte das Parlament 19 Jahre - auch durch schwere Zeiten.

Dresden (dpa) - Die sächsische Politik trauert um Erich Iltgen, den ersten Landtagspräsidenten nach der Wiedergründung des Freistaates im Jahr 1990. Nach Angaben der Parlamentsverwaltung vom Dienstag starb der 78-Jährige am vergangenen Sonntag nach schwerer Krankheit. Der CDU-Politiker, der bis 2009 oberster Repräsentant des Landes war, wird mit einem Staatsakt geehrt. Er soll nach Angaben eines Sprechers voraussichtlich am 21. Juni stattfinden. Ab Mittwoch liege im Parlamentsgebäude ein Kondolenzbuch aus. Regierung, Landtag und Opposition würdigten Iltgen als Akteur der friedlichen Revolution, Wegbereiter und Mitgestalter der Demokratie in Sachsen nach 1990.

«Wir trauern um einen der bedeutendsten Gründungsväter unseres Freistaats», sagte Amtsnachfolger Matthias Rößler. Iltgen habe dafür gesorgt, dass die Sachsen wieder eine würdige, arbeitsfähige und demokratische Volksvertretung erhalten und das Parlament mit seiner fairen und sachlichen Art auch durch schwierige Zeiten geführt. «Dieser historische Verdienst bleibt unvergessen.» Mit ihm verliere Sachsen einen leidenschaftlichen Streiter für die parlamentarische Demokratie.

Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zeigte sich sehr betroffen über Iltgens Tod und dankte für dessen Verdienste um Sachsen und die Bundesrepublik. Er habe als Mitgestalter der friedlichen Revolution sowie Baumeister der Demokratie und des Parlamentarismus nach 1990 bleibende Spuren hinterlassen. «Für seinen großen Einsatz in Sachsen werden wir ihm stets dankbar und verbunden sein.»

Vize-Regierungschef Martin Dulig (SPD) bezeichnete Iltgen als «einen Demokraten der ersten Stunde» und erinnerte auch an das gesellschaftliche Engagement des Christdemokraten. Der hatte sich auch nach Amtsende weiter in verschiedenen Vereinen für Kinder, Architektur, Kunst, Tourismus und Europa eingesetzt.

Der CDU-Landesverband lobte Iltgens Beitrag zum Zusammenhalt und Miteinander. Er habe das Parlament mit bemerkenswerter Souveränität, besonnen und umsichtig geführt und sei auch im Ruhestand für das Land aktiv geblieben, sagte Generalsekretär Alexander Dierks.

«Erich Iltgen war ein Konservativer und Landtagspräsident, wie man ihn sich auch als Linker wünscht: ein Mann des Ausgleichs, der das «C» im Namen seiner Partei ernstgenommen und klare Kante gegen Nazis gezeigt hat», sagte Linke-Landeschef Rico Gebhardt. Er sei gerecht im Amt und immer offen für ein Gespräch zur Konfliktlösung gewesen.

Auch die Grünen-Landtagsfraktion lobte den fairen und um Überparteilichkeit bemühten Moderator. «Wir werden Erich Iltgen als leidenschaftlichen Streiter für die Demokratie und für die eigenständige Rolle des sächsischen Parlaments in Erinnerung behalten», sagte Vorsitzende Wolfram Günther. «Sachsen verliert einen großen Politiker», sagte AfD-Fraktionschef Jörg Urban.

Iltgen war gebürtiger Kölner und nach der Ausbildung 1954 zum Studium nach Halle (Saale) gegangen. Nach dem Abschluss als Ingenieur 1964 arbeitete er im Kraftwerksanlagenbau Radebeul und 1979 bis 1985 Abteilungsleiter im Sächsischen Serumwerk Dresden. Der Katholik leitete danach bis 1988 die Dombauhütte der Kathedrale des Bistums Dresden-Meißen und war dann bis 1990 Bauamtsleiter der Diözese.

In der Wendezeit moderierte er den Runden Tisch des Bezirkes Dresden, war Mitglied des Koordinierungsausschusses zur Bildung des Landes Sachsen und Landesstrukturbeauftragter der Arbeitsgruppe «Landtag». Am 27. Oktober 1990 wurde er zum Landtagspräsidenten gewählt, auf den Tag genau 19 Monate später unterzeichnete er gemeinsam mit dem damaligen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (CDU) die Verfassung des wiedergegründeten Freistaates. Der vierfache Familienvater war nach dem Tod seiner ersten Frau zum zweiten Mal verheiratet.

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