Städtebahn Sachsen in Schieflage: Insolvenzverfahren

Es gibt Streit um den Zugbetrieb auf vier Linien in und um Dresden, ein Unternehmen blieb auf der Strecke. Die Städtebahn Sachsen hat einen Insolvenzantrag gestellt. Der Verkehrsverbund Oberelbe sucht derweil ein neues Eisenbahn-Unternehmen für den Betrieb.

Dresden/Aschaffenburg (dpa/sn) - Die Städtebahn Sachsen ist zahlungsunfähig. Einen Tag nach der Kündigung des Betreibervertrages durch den Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) hat das zuständige Amtsgericht Aschaffenburg am Montag das Insolvenzverfahren eröffnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Stephan Laubereau aus Aschaffenburg bestellt.

«Vor dem Hintergrund, dass uns Alpha Trains die Betriebsmittel entzogen hat, musste ich am 26.07.2019 für die Städtebahn Sachsen GmbH den Insolvenzantrag stellen», teilte Städtebahn-Geschäftsführer Torsten Sewerin zuvor schriftlich mit. Laut dem Bahnunternehmen hatte Alpha Trains als Eigentümer der eingesetzten 15 Triebwagen den Leasingvertrag am 17. Juli gekündigt und eine Woche später die Abstellung der Züge gefordert.

Weil die Städtebahn daraufhin den Zugverkehr eingestellt hat, nahm der Verkehrsverbund Oberelbe ein Sonderkündigungsrecht wahr. Derzeit ist auf den betroffenen vier Strecken Dresden-Königsbrück (RB 33), Dresden-Kamenz (RB 34), Pirna-Neustadt-Sebnitz (RB 71) und Dresden-Heidenau-Kurort Altenberg (RB 72, RE 19) ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

Die Städtebahn hatte als Grund für die Einstellung des Zugverkehrs Schäden an Zügen genannt und dafür die DB Netz AG verantwortlich gemacht. Diese habe die Trassen nicht von Vegetation frei gehalten. Die Bahn wies die Vorwürfe zurück. Wegen der Schäden hatte der Eigentümer der Züge am vergangenen Mittwoch den Mietvertrag gekündigt.

Am Montag nannte Geschäftsführer Sewerin in einer Mitteilung Zahlen. Danach hat es zwischen 2011 und 2018 im Netz der Städtebahn 60 betriebsgefährliche Zusammenstöße mit «Bäumen im Gleis» gegeben. In 32 dieser Fälle sei es zu Kollisionen mit erheblichen Sachschäden in Höhe von 1,6 Millionen Euro gekommen. «Beim schlimmsten Fall führte die Kollision mit einem Baum zu einer Entgleisung», teilte die Städtebahn mit.

Unterdessen sucht der VVO ein neues Eisenbahn-Unternehmen für die Wiederaufnahme der Verbindungen. Nach einer Notvergabe solle der Zugverkehr auf den regionalen Strecken um Dresden schnellstmöglich wieder rollen, teilte der Verbund in Dresden am Montag mit. Dazu gab es Gespräche mit dem Verkehrsministerium, der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) und dem Betriebsrat der Städtebahn Sachsen. Dabei sei es unter anderem auch um den Betriebsübergang der Bahnmitarbeiter gegangen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...