Ex-Trump-Berater Bannon will nach Sachsen kommen: Kritik

Donald Trumps früherer Chefberater Steve Bannon liebäugelt mit dem Osten Deutschlands und nimmt dafür Nachhilfeunterricht bei der AfD. Demnächst will er in die sächsische Provinz reisen.

Berlin/Dresden (dpa/sn) - Das Interesse des US-Rechtspopulisten Steve Bannon an Ostdeutschland und sein Plan für einen Besuch in Sachsen stoßen auf Vorbehalte. «Ostdeutschland ist keine Spielwiese für ausgemusterte US-amerikanische Fanatiker oder religiöse Fundamentalisten, sondern historisch Vorreiter bei so einigen Frauenrechten und eines der weltlichsten Gebiete Europas», sagte die sächsische Linke-Chefin Antje Feiks am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. «Solche Leute brauchen wir hier nicht.»

Bannon hatte sich nach eigenem Bekunden Anfang der Woche in Berlin mit dem sächsischen AfD-Bundestagsabgeordneten Tino Chrupalla zu einem Meinungsaustausch getroffen. Der Malermeister aus Sachsen gewann bei der Bundestagswahl 2017 den Wahlkreis Görlitz und verdrängte damit den damaligen CDU-Generalsekretär und heutigen sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer aus dem Bundestag. Chrupalla gilt zudem als möglicher Spitzenkandidat der sächsischen AfD für die Landtagswahl am 1. September.

Sachsens SPD-Generalsekretär Henning Homann warf der AfD vor, sich vor den Karren der aktuellen US-Politik spannen zu lassen. Diese verfolge das Ziel, Europa zu schwächen, um rücksichtslos amerikanische Interessen durchzusetzen. Die USA zeigten, dass unter dem Deckmantel einer populistischen Rhetorik eine extrem neoliberale Politik durchgesetzt wird: «Große Vermögen werden entlastet und sinnvolle Regulierungen der Wirtschaft aufgehoben, während die breite Mehrheit der Menschen gegeneinander ausgespielt wird. Dieses Ziel verfolgen auch die Rechtspopulisten in Europa.» Durch das Treffen werde das für die Öffentlichkeit deutlich. Chrupalla schieße mit diesem Treffen ein Eigentor in der heißen Wahlkampfphase.

Bannon gab an, sich fünf Stunden lang Chrupalla unterhalten zu haben: «Ich fand ihn charismatisch, sehr beeindruckend.» Chrupalla selbst nannte das Gespräch mit dem ehemaligen Berater des US-Präsidenten «sehr aufschlussreich und interessant». Bannon habe sich «sehr für Sachsen interessiert» und ihm viele Fragen zu Gehältern, Abgaben und zu den Unterschieden zwischen Ost- und Westdeutschland gestellt.

Bannon, der bereits verschiedenen rechtspopulistischen Parteien in Europa Ratschläge gegeben hat, sagte, er wolle Chrupalla im Juni in dessen Wahlkreis besuchen, «um mehr über die Situation deutscher Arbeiter und mehr über den Osten zu erfahren».

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11Kommentare
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    Nixnuzz
    17.05.2019

    Geht es nur um die jetzige EU-Parlamentswahl oder soll anhand des Wahlergbnisses die bisherige Politik-Strategie überdacht und angepasst werden? Wieviel Streusand wird derzeit für die Wähleraugen jetzt schon verteilt? Hauptsache eine einheitliche EU-Stimme wird verhindert.

  • 2
    4
    Blackadder
    17.05.2019

    @hinterfragt: Chrupalla ist aber nicht Meuthen.

  • 2
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    Hinterfragt
    17.05.2019

    @Blackadder; "...Wenn die AfD glaubt, ...Bannon könnte Ihnen beim Wahlkampf helfen..."

    Dumm nur dass Meuthen klipp und klar gesagt hat: "Aber ihren Wahlkampf wolle die AfD selbst führen."

  • 4
    6
    Blackadder
    17.05.2019

    Wenn die AfD glaubt, ein offen rechter Hetzer wie Bannon könnte Ihnen beim Wahlkampf helfen, muss sie entweder ein wirklich sehr schlechtes Bild von Ihren Wähler haben (hat sie ja auch) oder sie denkt, sie kann sich eh alles erlauben, man wählt sie sowieso.

  • 3
    6
    Distelblüte
    17.05.2019

    Von Trump abgesägt, ist Mr Bannon jetzt auf der Suche nach einem neuen Beschädigungsfeld in einem unbekannten Winkel in Deutschlands Osten.
    Wäre er als Demagoge so gut wie er selbst glaubt, dann hätten ihn LePen und Co behalten. So aber muss er in einer abgelegenen Weltgegend nach neuen Partnern suchen.
    Nun gut. Soll Tino C. Ruhig glauben, dass ihm das bei der Wahl hilft. Mr Bannon sagte, dass "nach der Wahl in Brüssel jeden Tag Stalingrad" sei.
    Wäre ich ein Fan der AfD, ich wäre jetzt wirklich beunruhigt.

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    Nixnuzz
    17.05.2019

    @Malleo: Danke für den Vergleich! Darauf muss man erstmal kommen. Aber wenn Buntheit oder runde Kanten gerne gesehen werden im sonst logischen Einerlei - ich werd weiterhin mein vermeintliches Bestes schreiben! ..sofern die Redaktion nicht vorher in ihrer unendlichen Weisheit diese Ergüsse in der Sammelmappe verschwinden läst...

  • 4
    3
    Freigeist14
    16.05.2019

    Franzudo@ Sie können gern - wie bei Ihrem Kommentar zu Alabama -den Unbedarften mimen . Aber ich glaube , Sie kennen Breitbart -TV sehr gut .

  • 4
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    franzudo2013
    16.05.2019

    Freigesit, Sie holen ja Ihr Vokabular aus dem Waffenschrank.
    Was stört Sie an diesem Mann ? Das Säen von Hass kann es nicht sein, das besorgen andere viel besser.

  • 3
    3
    Malleo
    16.05.2019

    nix..
    Satzbau wie ein Hundertwasser Haus.
    Logik pur.

  • 7
    6
    Nixnuzz
    16.05.2019

    @Freigeist14: Im Weissen Haus wirklich in Ungnade? oder ein subtiles Spiel, um diesen Menschen das richtige Image zu verpassen? Es wird doch alles getan, um Macht zu erringen und zu erhalten? Wieweit kann er eine Isolierung dank alter Vorurteile innerhalb der EU gegen Deutschland erneut aufbauen? Wieweit durch Vorbereitung EU-zerlegender Wahlergebnisse nach Trump'schen Muster und diese zum Einfallstor nur für weitreichende amerik. Interessen zu machen? Wie fühlen sich hiesige "Patrioten" gebauchpinselt, wenn Mister Bannon mit ihnen die internationale Lage "ventiliert"? Welche Informationen zum amerik. Gebrauch werden da abgefischt - was bisher "so" nicht gesehen wurde? Mit Dampfturbinen oder Lokomotivrädern hat das garantiert nix zu tun...oder?

  • 9
    7
    Freigeist14
    16.05.2019

    Keiner sollte sich Illusionen über diesen Herrn machen . Ein fundamentalistischer Rechtsradikaler der finstersten Sorte , der selbst im Weißen Haus in Washington in Ungnade fiel . Wer den Hass sät .....



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