Streit um Sommerferien: Sachsen lehnt Änderungen ab

Der Freistaat sieht keinen Grund, bei der Festlegung der Ferientermine an der aktuellen Praxis zu rütteln. Manche Lehrer jedoch begrüßen die Debatte.

Dresden.

Im Streit um die Neuregelung der Sommerferien-Termine hält Sachsen am bisherigen Verfahren fest. Wie eine Sprecherin des Kultusministeriums auf Anfrage sagte, habe sich die bisherige Praxis der zeitversetzten Sommerferien bewährt. Dabei legen die Kultusminister der Länder die Termine im Voraus gemeinsam fest. Abgesehen von Bayern und Baden-Württemberg, wo die Schüler stets erst Ende Juli in die Sommerferien starten, beginnen die Ferien in den Ländern mal früher und mal später. In Sachsen beispielsweise im nächsten Jahr am 20. Juli, also vergleichsweise spät. 2021 ist der Ferienstart noch später, nämlich am 26. Juli. Im Jahr 2022 dann ist der 18. Juli der erste Ferientag, 2023 der 10. Juli. 2024 folgt ein Sprung nach vorn: Dann fangen die Ferien hierzulande bereits am 25. Juni an. Das Schuljahr 2023/2024 wird somit etwas kürzer.

"Durch das Rollieren ist es möglich, dass Schüler und Eltern sowohl zeitige als auch spätere Ferienzeiten für ihren Urlaub nutzen können", erläuterte die Sprecherin die Vorteile aus Sicht des Freistaats. "Gleichzeitig werden Verkehrsströme entzerrt und die Quartiernachfragen in den Feriengebieten erleichtert."

Wie es aber ab 2025 weitergeht, darüber ist ein Streit entbrannt. Bundesländer wie Hamburg und Berlin plädieren dafür, dass die Ferien bundesweit nicht vor dem 1. Juli starten und der Zeitkorridor verengt wird. Das soll die jährlichen Verschiebungen vermindern. Nachdem Bayern aus dem Nationalen Bildungsrat ausstieg und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine Neuregelung der Ferienregelung gleich mit kategorisch ausschloss, reagierten die Befürworter einer Änderung scharf. Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) drohte mit Alleingängen, so Bayern und Baden-Württemberg nicht kooperierten. Wenn einige Länder immer machten, was sie wollten, würden das die anderen 14Länder irgendwann auch tun, so Rabe bei n-tv. "Dann kann ich nur sagen: Viel Spaß auf den Autobahnen, egal wo sie sind, aber in Bayern sind sie besonders lang."

Angesichts dessen mahnt Sachsen zur Gelassenheit. Frühestens im Dezember 2020 soll ein erster Entwurf zur neuen Regelung vorliegen, so die Sprecherin. "Nun müssen sich erst einmal die politischen Wogen glätten." Auch die Tourismusbranche warnt davor, an der derzeitigen Praxis zu rütteln. "Geballte Ferien sind nicht vorteilhaft", findet Thomas Jahn, Direktor des Ifa-Ferienparks im vogtländischen Schöneck. Autobahnen, Ausflugsziele, touristische Attraktionen wären übervoll. Jahn: "Das heißt lange Wartezeiten, Gedränge, Frust. Somit Urlaubsstress und keine Erholung." Die Nachfrage steige punktuell. Jahn: "Ich kann aber ein Hotel nur einmal voll belegen. Bei geballten Ferien ist der Zeitraum für gute Belegung also kurz. Danach ist wieder Flaute."

Im pädagogischen Alltag könnten kurze Schuljahre tatsächlich ein Problem werden, sagt hingegen Ursula-Marlen Kruse, sächsische Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW. Für Schüler, die in solch einem Jahr den Abschluss machen, würde der Druck "ziemlich groß". Kruse: "Vor diesem Hintergrund begrüßen wir die Diskussion." Diesen Aspekt will auch das Kultusministerium nicht gänzlich von der Hand weisen. Allerdings, so die Sprecherin: Die Sommerferienregelung sei immer ein Kompromiss zwischen vielen Partnern - Schülern und Eltern, aber auch Ländern, Verkehr und Tourismus. mit dpa

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    Interessierte
    29.11.2019

    Das finde ich gut ; Bayern auch und NS wohl nun auch ….



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