Stromkunden um 225.000 Euro betrogen?

Kunden haben bis zu 10.000 Euro im Voraus an die Firma Ascard für Ökostrom gezahlt, aber keine einzige Kilowattstunde von ihr erhalten. Jetzt beschäftigt dieser Fall erneut die Richter.

Chemnitz.

Seit gestern muss sich ein 61-Jähriger vor dem Landgericht Chemnitz verantworten. Der gebürtige Leipziger Thomas S. soll gemeinsam mit zwei weiteren Geschäftsmännern mehr als 100 Ökostromkunden um mindestens 225.000 Euro geprellt haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Trio die Verbraucher mit günstigen Stromlieferangeboten geködert hat. "In Wahrheit verfügte die Firma Ascard aber weder über Stromerzeugungsanlagen noch über ein tragfähiges technologisches oder logistisches Konzept", sagte Staatsanwalt Frank Skamel gestern. Dennoch sei den Kunden vorgespiegelt worden, dass der Strom aus einem "revolutionären ökologischen Konzept" stamme. Dabei sei es dem Trio allerdings nur darum gegangen, die in Vorkasse verlangten Gelder für ihre eigenen Zwecke einzunehmen.

Die Ermittlungen gegen das Trio waren durch die Bundesnetzagentur in Gang gekommen. Zwischen März 2006 und Juni 2007 hatte die Firma Ascard über die Internetseite www.pennystrom.de ausgesprochen günstige Tarife offeriert. Laufzeit der Verträge: bis zu zehn Jahren. "Gewerbetreibenden als Sondervertragskunden wurde der Bezug einer bestimmten Strommenge zum garantierten Preis von acht Cent, später elf Cent je Kilowattstunde angeboten", so der Staatsanwalt. Während ein inzwischen verstorbener Rechtsanwalt die Korrespondenz mit Behörden übernommen habe, habe Thomas S. faktisch die Geschicke der GmbH geleitet. Frank U. wiederum habe sich um den Vertrieb gekümmert. Dafür war eine Reihe von Untervermittlern angeworben worden. Firmensitz war Markkleeberg.

Im Juni 2007 untersagte die Bundesnetzagentur Ascard aber den Abschluss von Stromlieferverträgen mit Haushalten. Auch jegliche Form von Werbe- und Vertriebsmaßnahmen verbot sie. Als Grund führte die Behörde aus, dass Ascard nur vorgegeben habe, Stromanlagen für energiehungrige Unternehmen, Kommunen und Privatabnehmer zu planen, zu errichten und zu betreiben. Die Firma habe sich zwar selbst für ihre angeblich "zukunftsweisende" Technik gepriesen, mit der sich dezentral bis zu 17.500 Megawattstunden Strom pro Jahr produzieren ließen. Auch habe Ascard zwar mit null Emissionen geworben, weil die Generatoren zur Stromerzeugung mit einen Luftstrahl angetrieben würden. Mit welcher Energiequelle dieser Strahl erzeugt werde, sei aber nicht erklärt worden, so die Bundesnetzagentur. Deshalb mute das Ganze wie ein Perpetuum mobile an.

Zudem habe Ascard nicht einmal einen Stromnetznutzungsvertrag zur Versorgung der Haushaltskunden abgeschlossen, so die Behörde. Um Privatkunden, die in Vorkasse gehen sollten, bei denen aber erst mit größerem zeitlichen Verzug abgerechnet worden wäre, vor finanziellen Schäden zu bewahren, wenn nicht geliefert worden wäre, habe die Behörde eingreifen müssen.

Doch da war das Kind offenbar schon in den Brunnen gefallen. Gestern listete der Staatsanwalt die Namen von 102 Geprellten auf. Dazu zählen demnach unter anderem Hotels, Baufirmen, Autohäuser, ein Fleischer, ein Blumenhändler, ein Bäcker oder ein PC-Service aus Städten wie Sayda, Rechenberg, Roßwein, Hartmannsdorf, Oederan, Niesky, Cottbus oder Oberursel.

Im Mai 2011 hatte das Landgericht Leipzig Thomas S. bereits wegen seiner Beteiligung zu drei Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt. Ein Jahr später hob der Bundesgerichtshof (BGH) dieses Urteil aber wieder auf. Es sei unter anderem nicht nachgewiesen worden, dass Thomas S. an der Vermittlung der Stromverträge beteiligt gewesen ist oder dass er auf die von den Kunden gezahlten Gelder hätte zugreifen können, hieß es. Deshalb verwies der BGH den Fall zur Neuverhandlung ans Chemnitzer Gericht. Gestern wollte sich Thomas S. nicht äußern. Über seinen Verteidiger Malte Heise ließ er aber erklären, dass er einen Freispruch anstrebe. Mit dem Vertrieb habe er nichts zu tun gehabt. Er glaube noch immer, dass sein Stromerzeugungskonzept funktioniere.

Elf weitere Verhandlungstage bis zum 23. Januar sind angesetzt.

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