Strompreis der Envia M steigt Anfang 2020

Nach zwei Jahren ohne Änderungen kommen auf Privat- und Gewerbekunden des regionalen Stromversorgers höhere Preise zu. Der Gaspreis (Mitgas) bleibt hingegen stabil.

Der Chemnitzer Energieversorger Envia M erhöht zum Jahreswechsel die Strompreise für Privat- und Gewerbekunden. Der Arbeitspreis steigt für Privatkunden im Grundtarif um sechs Prozent von 27,70 auf 29,35 Cent pro Kilowattstunde brutto, für Gewerbekunden von 27,87 auf 29,51 Cent pro Kilowattstunde brutto. Der Grundpreis bleibt unverändert.

Auf Privatkunden mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 2000 Kilowattstunden kommen jährliche Mehrausgaben von 33 Euro zu, ein Plus von 4,8 Prozent. Gewerbekunden mit einem Jahresdurchschnittsverbrauch von 6000 Kilowattstunden müssen ab Januar 98,53 Euro mehr bezahlen, ein Plus von 5,3 Prozent. Die Preise steigen auch für Kunden mit Wärmestrom-Produkten (plus 1,56 Cent pro Kilowattstunde brutto) und auslaufender Preisgarantie (abhängig von Lieferbeginn und Netzgebiet).

Der Strompreis der Envia M, des größten ostdeutschen Energieversorgers, blieb nach einer Senkung Anfang 2018 zwei Jahre lang stabil. Als Grund für die Erhöhung nannte Envia-M-Vertriebsvorstand Andreas Auerbach am Donnerstag in Chemnitz gestiegene Einkaufspreise. Der Preisanstieg beim Strom spiegelt eine Entwicklung wider, die sich auf den Einkaufsmärkten seit Jahren abzeichnet. So ist der Beschaffungspreis seit Anfang 2018 um 47 Prozent geklettert. Auerbach sagte, das liege vor allem an gestiegenen Brennstoffkosten bei den Kraftwerksbetreibern infolge des Atomausstiegs. Auch die Kosten für CO-2-Zertifikate (im Handel mit Verschmutzungsrechten) seien zuletzt gestiegen. Den ab 2020 zu liefernden Strom hat Envia M über die vergangenen drei Jahre an der Strombörse eingekauft. Das begradige die Preisausschläge. Die Netzentgelte und die Umlage für Erneuerbare Energien waren 2019 gesunken. Das habe dazu geführt, dass die gestiegenen Einkaufspreise nicht schon im Vorjahr an die Kunden weitergegeben wurden.

Die Envia-M-Gruppe versorgt mehr als 1,3 Millionen Kunden mit Strom, Gas, Wärme und Energiedienstleistungen. Allein im laufenden Jahr habe Envia M 60.000 Kunden hinzugewonnen, so Vertriebsvorstand Auerbach. Von der Strompreiserhöhung sind rund 710.000 Kunden in Teilen Brandenburgs, in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen betroffen.

Die staatlich festgelegten und von den Versorgern nicht beeinflussbaren Komponenten der Strompreise machen den Hauptanteil (73 Prozent) daran aus. Andreas Auerbach kritisierte die Energiepolitik der Regierung, der es an einer "schlüssigen Gesamtstrategie" fehle. "Der Anteil der Erneuerbaren Energien liegt in unserem Stromnetz bei über 100 Prozent", so Auerbach. "Wenn wir mit Strom aber heizen oder fahren wollen, muss die Preisbelastung sinken. Strom ist teurer als Erdöl oder Heizgas. Das macht ihn zum Heizen unwirtschaftlich."

Aus Auerbachs Sicht sollten die Betreiber von EEG-Anlagen an den Netzausbaukosten beteiligt werden, da der Netzausbau heute eher von der Anbieter- als von der Verbraucherseite getrieben sei.

Als Herausforderung bezeichnet Auerbach die Netzertüchtigung für die Infrastruktur der Elektromobilität. Envia M rechnet mit Investitionen von 50 Millionen Euro in eine "intelligente" Steuerung des Netzes. Für Elektro-Fahrer mit Ladepunkt zu Hause hat Envia M einen Autostromtarif im Angebot.

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