Studie: Werdauer Wald wäre gutes Wildnisgebiet

Zwei Naturschutzverbände haben nach geeigneten Flächen in Sachsen suchen lassen, die zugunsten des Artenschutzes sich selbst überlassen werden könnten. 19 haben sie gefunden.

Dresden.

Mehr Wildnis im Freistaat - das fordern die Landesverbände der Naturschutzorganisationen Nabu und BUND. Dass das machbar ist, belegen sie mit einer Studie, die am Donnerstag vorgestellt wurde. Die Verbände hatten das Umweltplanungsbüro Froelich & Sporbeck damit beauftragt, Flächen in Sachsen zu identifizieren, die als Wildnis ausgewiesen werden können, ohne dass dabei große Konflikte etwa mit Anwohnern entstehen. Gefunden haben die Experten 19 Flächen sowie vier weitere potenziell geeignete Areale.

Neun der 19 Gebiete befinden sich ganz oder teilweise im Direktionsbezirk Chemnitz. Das sind: das Kranichseegebiet (Erzgebirge, Vogtland), die Wälder nördlich von Oberwiesenthal, das Naturschutzgebiet Steinbach, der Töpferwald (Mittelsachsen), die Buchenwälder südlich von Olbernhau, der Werdauer Wald und Hartmannsdorfer Forst, die Wälder östlich von Neuhausen sowie nördlich von Bad Brambach.

Ganz oben in der Vorschlagsliste steht der Werdauer Wald. Vor allem Fichte, Kiefer und Lärche seien dort zu finden, durchsetzt von kleinen Laubmischwäldern. Die Mopsfledermaus und das Große Mausohr seien dort zu Hause, heißt es. Auf Platz zwei folgt der Tagebau Nochten, in dem teils noch Braunkohleabbau betrieben wird. Hier gebe es Vorkommen der größten sächsischen Kreuzkröten-Population. Zu den bevorzugten Gebieten gehörten auch der Tharandter und Wermsdorfer Wald sowie die Buchenwälder südlich Olbernhaus. Die Rangliste wurde anhand der Kriterien Größe, Zerschnittenheit, Konfliktpotenzial und Waldsituation erstellt.

In der Summe kommt das Planungsbüro auf eine Fläche von 1247 Quadratkilometern, die für den Erhalt der Biodiversität unter Ausschluss menschlicher Einflussnahme - Wildgebiete werden sich selbst überlassen - zur Verfügung stehen. Dies entspreche einem Anteil von knapp sieben Prozent der Landfläche Sachsens. Bezogen auf die Waldfläche sind es knapp 24 Prozent.

"Unsere Studie zeigt, dass weitgehend unzerschnittene, naturschutzfachlich relevante Räume in ausreichender Größe in Sachsen noch existieren - wir müssen nur möglich machen, dass sich die Flächen zur Wildnis entwickeln", erklärte BUND-Landesgeschäftsführer David Greve. Die Flächen müssen mindestens 1000 Hektar groß sein. Angesichts des Artensterbens müsse etwas getan werden. Zudem seien solche Gebiete viel klimaresistenter, so Greve. Mit der Studie wolle man der Landesregierung die Möglichkeit geben, gezielt Flächen in den Fokus zu nehmen. Nabu-Landesgeschäftsführerin Susanne Kleiber: "Wichtig ist uns, dass unterschiedliche Naturräume bei der Ausweisung berücksichtigt werden und nicht etwa nur Erzgebirgskammlagen." Heute gibt es nur zwei ausgewiesene Wildgebiete in Sachsen: die Königsbrücker Heide und die Kernzone im Nationalpark Sächsische Schweiz. Der Anteil an der Landesfläche liege bei 0,4 Prozent. Der Bund hatte 2007 eine Zielgröße von zwei Prozent gesetzt. Laut Greve werden bundesweit etwa 0,5 Prozent erreicht.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...