Stürme und Borkenkäfer haben 110.000 Hektar Wald zerstört

Der Borkenkäferbefall nimmt dramatische Ausmaße an. Täglich kommen neue Hiobsbotschaften. Am Donnerstag gibt es in Sachsen ein Krisentreffen.

Chemnitz.

Die sich durch die Trockenheit rasant ausbreitenden Borkenkäfer und Stürme haben bundesweit im vergangenen und in diesem Jahr etwa 110.000 Hektar Wald zerstört. Die Waldeigentümer schätzen, dass bundesweit für die Wiederaufforstung etwa 300 Millionen Bäume nachgepflanzt werden müssten. Die Kosten beliefen sich nach Schätzung der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) auf rund 640 Millionen Euro. "Die Dürre und die vorangegangenen Stürme haben ganze Wälder in Mittel- und Ostdeutschland zerstört", sagt AGDW-Sprecherin Schulz-Trieglaff.

Allein in Sachsen sind seit den Stürmen im Winter 2017/18 rund 4,6 Millionen Festmeter Schadholz angefallen - bei einem normalen Einschlag von weniger als zwei Millionen Festmeter pro Jahr. Nach Einschätzung des Staatsbetriebes Sachsenforst setzen sich die massiven Schäden in diesem Jahr in bislang ungekanntem Ausmaß fort. Begünstigt durch die Trockenheit, brächten die Borkenkäfer in einer nie da gewesenen Anzahl ganze Waldgebiete in Gefahr. Durch die vorgeschädigten Bäume verbreiten sich Arten wie der Kiefern- und der Lärchenborkenkäfer deutlich stärker als in den zurückliegenden Jahren. Mittlerweile seien sogar schon junge Bäume mit dünner Rinde vom Borkenkäfer befallen. "Am schlimmsten sind in Sachsen derzeit der Colditzer Forst beziehungsweise die kieferndominierten Gebiete in Nordwestsachsen betroffen", sagte die stellvertretende Pressesprecherin des sächsischen Umweltministeriums, Bianca Schulz.

Laut Sachsenforst trifft die Krise die Forstbetriebe mehrfach. Die Wälder müssten mit hohen Kosten wieder verjüngt werden. Das massenhaft auf den Markt gespülte Schadholz habe die Holzpreise einbrechen lassen, während die Kosten für die Wälder stiegen. Hinzu komme, dass die für die Aufarbeitung von Käferholz notwendigen Arbeitskräfte, Maschinen und Transportkapazitäten nur noch in begrenztem Umfang zur Verfügung stünden. Nach Aussage von Landesforstpräsident Utz Hempfling würden alle verfügbaren Kräfte auf die Schadensbeseitigung konzentriert. Wichtige Investitionen in Waldwege oder in Erholungseinrichtungen müssten zurückgestellt werden.

Der Vorsitzende der Forstgewerkschaft Südwestsachsen, Andreas Herrmann, formuliert es drastischer: "Bei Fichten, Kiefern und Tannen geht es langfristig um das Überleben." Die Bäume seien den Schädlingen fast schutzlos ausgesetzt. Herrmann fordert daher eine neue Waldstrategie, um den Forst vor den Folgen des Klimawandels zu schützen. Vor allem müsse mehr auf Mischwälder gesetzt werden. Nadelbäume machen 66 Prozent der rund 530.000 Hektar des sächsischen Waldes aus. Jeder dritte Baum in Sachsen ist eine Fichte. Diese Baumart ist von der anhaltenden Trockenheit besonders betroffen. Ohne ausreichendes Wasser können die Bäume kaum Harz bilden, das sie gegen die Schädlinge schützt.

Auf einem Krisengipfel am kommenden Donnerstag in Moritzburg will Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt mit seinen Amtskollegen von CDU und CSU aus anderen Bundesländern beraten, welche Maßnahmen erforderlich sind, um den Wald zu retten.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 3 Bewertungen
5Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    1
    575042
    30.07.2019

    @ralf66: In Deutschland dominiert der Nutzungsgedanke bis auf ein paar Truppenübungsplätze quasi jede bewaldete Fläche. Das Absterben inbesondere der Nadelholzforsten ist der Pflanzung von Nutzholzbeständen in der Vergangenheit geschuldet. Diese Nutzholzbestände den neuen Gegebenheiten anzupassen ist jedem Wirtschftsunternehmen frei gestellt. Daraus ist aber keine ökologische Katastrophe zu formulieren, für die der Steuerzahler aufzukommen hat. Das aktuell beschworene Walduntergangsszenario (für das nun sogar noch Reh- und Rotwild als sog. Feinde des Waldes herhalten muss-siehe div. Veröffentlichungen von Forstverwaltungen , Nabu und BUND) ist ein Bluff. Der Wald stirbt nicht, er passt sich lediglich an die neuen/veränderten Bedingungen an. Und die Volkswirtschaft wird das Holz verbrauchen, was zur Verfügung steht. Bei Umtriebszeiten von 80 bis 120 Jahren hat übrigens die Forstwirtschaft noch nie das Holz zur Verfügung stellen können, was man am liebsten verbraucht hätte sondern lediglich das, was real hiebreif und damit vorhanden ist.

  • 2
    3
    Interessierte
    30.07.2019

    Die Wälder = CO² , die Felder= Nahrung , die Strohballen = Futter , die in 30 Jahren verfallenen Häuser und Berghütten und Restaurants werden abgebrannt …
    Die Menschen werden - von hinten geschubst und überfallen und ausgeraubt und vergewaltigt und getötet ..
    Die Autos und schwer Maschinen werden geklaut und abgebrannt ..
    Und Gold und Silber und Bilder werden geraubt , Museen werden ausgeraubt und abgebrannt …
    Man könnte vermuten , man meint es nicht gut mit diesem Land …
    Und die Politiker warten erst einmal die Hintergründe ab , anstatt vorzubeugen und zu handeln und die Bevölkerung und das Hab&Gut zu schützen …
    Aber die lachen und winken freundlich in die Kamera und bekommen auch so ihr Geld …

  • 1
    1
    ralf66
    30.07.2019

    @575042, also bei aller Verständnis für einen ökologischen Wald, der Wald ist nicht nur Wildnis und bloße Natur, der Wald muss auch zu einem bestimmten Teil noch Nutzwald bleiben, denn Holz wird als vielseitiger Werkstoff in der Volkswirtschaft ständig gebraucht und das ist nicht erst jetzt so sondern schon viele Jahrhunderte so.

  • 6
    2
    575042
    30.07.2019

    Der Borkenkäfer forciert den längst überfälligen Waldumbau. Die Massenvermehrung der Totholzkäfer zeigt an, wo der Nutzholzforst (sprich Nadelholzmonokultur, nicht Wald) umzubauen ist. Der Wald ist nicht zerstört, der Wald kann jetzt erst nach diesen Ereignissen neu entstehen. Dass dies die Forstindustrie aus wirtschaftlichen Gründen anders sieht und jetzt das große Lamentieren nach zusätzlichen Fördermitteln zu vernehmen ist (zur Pflanzung von standortfremden Nutzforsten , bestehend aus amerikanischer Rot-Eiche und Douglasie z.B.) ist unter wirtschaftsökolomischen Gesichtspunkten verständlich, hat aber nichts mit Ökologie oder Waldschutz zu tun. "Der Barmer ist kein Armer" sagt eine alte Bauernweisheit. Mal sehen, wie lange die öffentlichen Medien die "Angst" vor dem natürlichen Waldumbau noch schüren wollen.

  • 2
    3
    Interessierte
    29.07.2019

    Die werden schon wissen , was sie machen ...
    Aber mir ist das ein Rätsel ......
    Die fällen die Bäume , schaben die Rinde ab und holen damit die ganzen Käfer ´raus , womit die weiter krabbeln können ...

    Die befinden sich unter der Rinde und fangen irgendwann an zu fliegen ..........
    Warum - legt man nicht klebende Bänder um die Bäume und ggf. noch von Baum zu Baum , womit die dann auch beim fliegen gefangen werden ...

    Da werden massenhaft Bäume gefällt ...
    Da werden die Bäume durch Brand vernichtet , da bleibt nichts mehr übrig !!!!



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