Ein Theaterprojekt in Suhl will die Geschichte des traditionsreichen Simson-Mopeds und seine Bedeutung für ostdeutsche Biografien künstlerisch aufarbeiten.(Archivbild)
Ein Theaterprojekt in Suhl will die Geschichte des traditionsreichen Simson-Mopeds und seine Bedeutung für ostdeutsche Biografien künstlerisch aufarbeiten.(Archivbild) Bild: Jan Woitas/dpa
Sachsen
Theaterprojekt beleuchtet Erbe der Simson in Suhl

Ein Kunstprojekt will die wechselvolle Geschichte der Simson und ihre Bedeutung für ostdeutsche Identität aus verschiedenen Perspektiven erzählen. Bürgerinnen und Bürger können sich beteiligen.

Suhl.

Ein Theaterprojekt in Suhl widmet sich in den kommenden Monaten der Geschichte der traditionsreichen Marke Simson und ihrer Bedeutung für ostdeutsche Lebensläufe. Unter dem Titel "Freiheit: Simson" sollen Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit Künstlern Erinnerungen, Brüche und gegenwärtige Deutungen rund um das bekannte Moped auf die Bühne bringen, wie das Theater- und Filmkollektiv "Künstlerische Intelligenz" mitteilte. 

Partizipatives Projekt mit geplanter Uraufführung

"Die Simson ist kein Denkmal, sondern Teil gelebter Erfahrung", sagte Regisseur und Initiator Janek Liebetruth. Ihn interessiere vor allem, was dieses Erbe heute bedeute und wie man darüber gemeinsam ins Gespräch kommen könne. 

Die Inszenierung entsteht auf Grundlage historischer Recherchen, Interviews und Workshops. Beteiligen können sich unter anderem ehemalige Beschäftigte des Suhler Werks, Schrauber, Jugendliche, Zeitzeugen der Wendezeit sowie Weggezogene und Rückkehrer. Die Uraufführung ist für Herbst 2026 auf dem früheren Werksgelände geplant.

Projektionsfläche für verschiedene Generationen

Der Schriftsteller und Journalist Aron Boks bezeichnet das Kult-Moped als vielschichtige Projektionsfläche. "Die Simson ist ein Identifikationssymbol für eine jüngere Generation im Osten, eine Projektionsfläche der Älteren für eine entfernte Vergangenheit, während sie gleichzeitig für den Kulturkampf von Rechtsextremen genutzt wird."

Ausgangspunkt des Projekts ist die wechselvolle Geschichte des Suhler Unternehmens - beginnend bei der jüdischen Unternehmerfamilie Simson über Enteignung und Exil in der NS-Zeit sowie die DDR-Industrieproduktion bis zur heutigen symbolischen Aufladung der Marke.

Marke zuletzt auch Gegenstand politischer Debatte

Zuletzt war die Simson bundesweit auch Gegenstand einer politischen Debatte. Nachfahren der Gründerfamilie hatten die Nutzung des Namens durch die AfD kritisiert und als "Beleidigung" bezeichnet, der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke wies die Vorwürfe zurück.

Suhls Oberbürgermeister André Knapp (CDU) unterstützt das Theaterprojekt. "Die Geschichte der Simson ist ein bedeutender Teil unserer Stadtgeschichte. Sie steht für industrielle Kompetenz, aber auch für Brüche und Neubeginne", erklärte er. 

Das Projekt soll in mehreren Phasen unter anderem von der Bundeszentrale für politische Bildung, der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, dem Fonds Darstellende Künste und der Kulturstiftung des Freistaats Thüringen gefördert werden. (dpa)

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