Tod einer 90-Jährigen: Tatverdächtiger in U-Haft

Ein in Görlitz lebender polnischer Familienvater soll für mehrere teils brutale Raubüberfälle auf Senioren in Ostsachsen verantwortlich sein. Und wahrscheinlich auch für ein Tötungsdelikt.

Görlitz.

Für die Görlitzer Kriminalpolizei haben sich in den vergangenen Tagen die Ereignisse überschlagen. Zunächst mussten die Ermittler feststellen, dass sich ein Mediziner getäuscht hatte, als er am 15. August den natürlichen Tod einer 90 Jahre alten Frau in Görlitz feststellte, die leblos in ihrer Wohnung gefunden worden war. Denn am selben Tag hob ein Unbekannter mit der EC-Karte der Rentnerin an einem Automaten Geld ab. Die Frau wurde daraufhin nochmals untersucht: mit dem Ergebnis, dass Spuren eines Gewaltverbrechens festgestellt wurden. Am vergangenen Donnerstag erging zusammen mit den Fotos einer Überwachungskamera vom Geldautomaten ein Fahndungsaufruf der Polizei nach dem zunächst Unbekannten. Daraufhin ging rund ein halbes Dutzend Hinweise ein.

Tags darauf zeigte eine 77-jährige Frau einen brutalen Raubüberfall an. Sie war vormittags auf dem Friedhof Bautzen von einem Mann mit Pfefferspray attackiert worden. Dann griff der Täter in die Ablage ihres Rollators und raubte ihre Handtasche. Er flüchtete mit einem in der Nähe parkenden Auto. Die Seniorin konnte sich trotz des Schocks Fragmente des Kennzeichens, Autotyp und -farbe merken. Eine helfende Anwohnerin setzte einen Notruf an die Polizei ab, die sofort eine Ringfahndung auslöste. Im Umkreis von 30 Kilometern besetzten alle verfügbaren Streifenpolizisten vielbefahrene Straßen und Kreuzungen.

Gegen Mittag konnten sie den gesuchten Wagen mit Zgorzelecer Kennzeichen auf der B 6 in Plotzen (Landkreis Bautzen) stoppen. Sie nahmen den 33-jährigen polnischen Fahrer vorläufig fest. Im Wagen entdeckten sie den Ausweis der kurz zuvor überfallenen Rentnerin sowie griffbereit eine Schreckschusspistole und einen Elektroschocker.

Doch damit nicht genug: Bei dem Mann handelte es sich um den Gesuchten, nach dem die Polizei wegen der getöteten 90-Jährigen seit dem Vortag mit Bild fahndete. In seiner Wohnung wurden weitere Ausweise und Geldkarten sichergestellt.

Wie die Staatsanwaltschaft am Wochenende mitteilte, erging am Samstag gegen den in Görlitz lebenden polnischen Familienvater Haftbefehl, unter anderem wegen Raubes und schweren Raubes in jeweils zwei Fällen sowie Raub mit Todesfolge. Das Motiv sei noch unklar, teilten die Ermittler mit. Möglicherweise gehen auf das Konto des Mannes aber noch weit mehr Raubstraftaten. Bisher würden ihm fünf zur Last gelegt, sagte ein Polizeisprecher. Derzeit liefe anhand der gewonnenen Spuren die Prüfung einer Vielzahl von Raubüberfällen aus den vergangenen Wochen in den Landkreisen Görlitz und Bautzen.

Der 33-jährige Tatverdächtige zeigte sich laut Polizei bei der Vernehmung überwiegend geständig. Allerdings bestritt er, etwas mit dem Tod der 90-Jährigen zu tun zu haben. Auf welche Weise diese Rentnerin zu Tode kam, dazu machten die Ermittler zunächst noch keine Angaben - aus ermittlungstaktischen Gründen, weil es sichdabei um Täterwissen handelt, und weil das Obduktionsergebnis bis Sonntag noch nicht vorlag.

Im Fall einer Verurteilung droht dem Mann für Raub mit Todesfolge eine Freiheitsstrafe zwischen zehn Jahren und lebenslanger Haft.

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