Tschechisches Maut-Chaos bremst Speditionen aus

Anfang nächster Woche könnte es auf der A 17 zu langen Wartezeiten kommen. Alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen müssen sich registrieren und mit einer neuen Bordeinheit ausstatten - das überrascht vor allem kleine Speditionen.

Ústí n.L..

Kilometerlange Schlangen an der Grenze nach Tschechien. Glaubt man dem Verkehrsministerium in Prag, droht dieses Szenario Anfang nächster Woche am Autobahngrenzübergang Breitenau/Krásný Les. Grund ist die Einführung eines neuen satellitengestützten Straßenmautsystems in unserem Nachbarland. Alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen müssen sich deshalb registrieren und mit einer neuen Bordeinheit ausstatten. Allerdings ist bisher nur ein kleiner Teil der deutschen Spediteure dieser Aufforderung nachgekommen. "Aus Deutschland fehlen noch immer drei Viertel der insgesamt 28.000 Fahrzeuge. Das betrifft vor allem kleine Speditionen", sagt Miroslav Beneš, Sprecher des neuen Mautbetreibers Czech Toll. Nicht besser ist die Situation in Tschechien selbst und anderen Ländern. Laut Beneš sind immer noch über 200.000 Fahrzeuge nicht registriert.

Das Problem ist, dass ab 1. Dezember die bisherigen Bordeinheiten nicht mehr funktionieren. Ohne neue Bordeinheit ist die Fahrt auf mautpflichtigen Straßen aber verboten und es drohen hohe Strafen. Beneš erwartet deshalb, dass die Spediteure ihre LKW erst bei der Einfahrt nach Tschechien registrieren. Das ist am früheren Grenzübergang in Breitenau möglich, wo sich Autofahrer schon heute an drei Schaltern mit einer Bordeinheit oder einer Vignette versorgen können. "Wir haben unsere Anwesenheit dort noch einmal verstärkt, doch wir fürchten, dass es trotzdem zu langen Wartezeiten führen wird", sagt Beneš. Die Sattelschlepper werden sich dann wie zu Zeiten der Grenzkontrollen kilometerweit zurück nach Deutschland reihen. Czech Toll geht in Breitenau von bis zu fünf Kilometern Lkw-Stau aus. An der Grenze zu Polen und der Slowakei könnten es sogar bis zu 12 Kilometer werden. Zwar ist geplant, Pkw und bereits registrierte Lkw an der Schlange vorbeizuleiten. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten, zumal im Advent verstärkt tschechische Besucher Richtung Striezelmarkt unterwegs sind.

"Wir haben keine Extramaßnahmen vorbereitet, werden aber wenn nötig reagieren", sagt ein Sprecher der Bundespolizei. Mehr Zeit sollten Autofahrer auf jeden Fall einplanen. Czech Toll rät sogar, den Autobahnübergang Anfang der Woche ganz zu meiden. Bis Mitte der Woche sollte sich der Verkehr wieder beruhigen. Wie viele sächsische Speditionen von dem Mautwechsel in Tschechien betroffen sind, lässt sich nicht sagen, heißt es beim Landesverband des sächsischen Verkehrsgewerbes (LSV). "Wir wissen auch nichts von Problemen bei der Umstellung, was aber nicht heißt, dass es keine gibt", sagt Geschäftsführer Dietmar von der Linde. Zumindest die in Callenberg im Landkreis Zwickau ansässige Bauer-Logistik ist auf den Wechsel vorbereitet. "Das hat alles die Straßenverkehrs-Genossenschaft (SVG) für uns abgewickelt", sagt Fuhrparkleiter Tommy Bauer.

Die SVG äußert aber deutliche Kritik an dem Wechsel. "Die Ummeldung hat viel zu kurzfristig vor dem heißen Start begonnen und die Informationen flossen nur spärlich", sagt Vorstand Tim Zumpe, den der Anmelderückstau deshalb nicht wundert. "Die Leidtragenden sind letztendlich die Speditionen." Gerade für kleinere Speditionen sei der Boxentausch im laufenden Betrieb eine merkliche Belastung. Die neuen Boxen müssen bestellt und eine Kaution gezahlt werden und die alten Boxen müssen zurück. Dazu kommt, dass das System sehr strikt ist. Fährt die Spedition mal ein Jahr nicht nach Tschechien, wird die Box automatisch abgemeldet. "Die Spedition muss sich also neu anmelden und die Kaution ist dann futsch", sagt Zumpe. Er plädiert für die Übernahme des EETS-Systems, das in vielen Ländern vor allem West- und Südeuropas bereits funktioniert. Spediteure brauchen dann für alle Länder nur eine Box.

"Die gute Nachricht ist, dass Tschechien auf die Einführung von EETS vorbereitet ist", sagt Czech-Toll-Sprecher Miroslav Beneš. Allerdings gebe es zurzeit keinen Fahrplan, wann Tschechien dem System beitreten könnte. Beneš empfiehlt den Speditionen, noch jetzt die Zeit zu nutzen und sich an den über 210.000 Verkaufsstellen mit einer neuen Bordeinheit auszustatten. Bei den Verkaufsstellen handelt es sich überwiegend um Tankstellen. "Derzeit gibt es noch keine Staus", sagt Beneš und fügt hinzu: "Die Registrierung ist kostenlos. Pro Bordeinheit ist eine Kaution in Höhe von 2.468 Kronen fällig." Das entspricht rund 100 Euro.

Auch der Versand per Post nach Deutschland ist möglich. Da Eile geboten ist, bietet Czech Toll an, die Versandgebühren zu übernehmen. Die verstärkte Präsenz am Grenzübergang Breitenau wird zudem bis Ende Januar aufrechterhalten. Dietmar von der Linde vom LSV geht ohnehin nicht davon aus, dass alle Spediteure Anfang nächster Woche nach Tschechien fahren, sondern sich erst nach und nach mit der neuen Box ausstatten.

Zu lange sollte man allerdings nicht warten. Das neue System ermöglicht nämlich, die Maut flexibel nicht nur auf neue Autobahnabschnitte, sondern zunehmend auch auf Fernstraßen auszudehnen, was mit dem bisherigen Mikrowellensystem nur unter großem Aufwand zu machen war. Schon ab Neujahr sind 20 neue Abschnitte kostenpflichtig. Dazu zählen unter anderem die Abschnitte von Karlovy Vary nach Bošov (Fernstraße 6), von Turnov nach Jicín (35) oder von Mladá Boleslav nach Úlibice (16).

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