Über 150 Minderjährige in Sachsen vermisst: Auch Flüchtlinge

Mehr als 60 000 Kinder und Jugendlichen werden jedes Jahr bundesweit als vermisst gemeldet. Die meisten tauchen früher oder später wohlbehalten auf - einige aber bleiben auch in Sachsen spurlos verschwunden.

Dresden (dpa/sn) - In Sachsen werden immer wieder Kinder und Jugendliche als vermisst gemeldet. «Die Zahlen sind immer nur eine Momentaufnahme, weil viele Fälle sich binnen kurzer Zeit klären», sagte der Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA), Tom Bernhardt, vor dem Tag der vermissten Kinder (25. Mai) in Dresden. Damit wird alljährlich in Deutschland und vielen anderen Ländern an die Verschwundenen erinnert. Im Freistaat ist - Stand 19. Mai - der Verbleib von 67 Kindern sowie 102 Teenagern zwischen 14 und 17 Jahren ungeklärt. 77 davon waren unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Nach Angaben der Initiative «Vermisste Kinder» verschwinden jedes Jahr bundesweit rund 60 000 Minderjährige. «80 bis 90 Prozent der Fälle erledigen sich in den ersten Stunden oder Tagen, bei Jugendlichen kann es auch länger dauern», sagte Vorstand Lars Bruhns. Die meisten tauchten nach ein paar Tagen, Wochen oder Monaten wieder auf, sie hätten ihr Zuhause selbstbestimmt verlassen - wegen schlechter Schulnoten oder Streit mit den Eltern.

Dann gebe es noch die Fälle von Kindesentzug, oft ins Ausland, vor dem Hintergrund familienrechtlicher Auseinandersetzungen, die eher nicht schnell geklärt werden können.

Nur in einem niedrigen zweistelligen Bereich ist unklar, was passiert ist. «Dahinter kann ein Verbrechen oder Unglück stecken», sagte Bruhns. Wie in einem der spektakulärsten Fälle auf sächsischem Gebiet: Felix. Der fünf Monate alte Junge war im Dezember 1984 aus seinem vor einem Dresdner Kaufhaus abgestellten Kinderwagen verschwunden. Trotz aller Bemühungen seit DDR-Zeiten wurde er bisher nicht gefunden. 2015 wurde die Strafakte geschlossen, «Felix» läuft als Vermisstenfall weiter.

Bruhns erinnerte zudem daran, dass Anfang April um die 1700 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bundesweit vermisst waren, darunter über 700 Kinder. «Ihre Zahl ist stark zurückgegangen, das Thema aber weiter akut.»

Den Tag der vermissten Kinder am 25. Mai gibt es seit 1983. Ins Leben gerufen hatte ihn der damalige US-Präsident Ronald Reagan im Gedenken an einen Sechsjährigen, der am 25. Mai 1979 in New York auf dem Weg zur Schule verschwand. Später war er für tot erklärt, seine Leiche nie gefunden worden.


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