Überlastete Krematorien: Vereine für mehr Erdbestattungen

Hamburg/Dresden (dpa/sn) - Der Dachverband der Friedhofsvereine in Deutschland hat sich angesichts überlasteter Krematorien in der Corona-Pandemie für mehr Erdbestattungen ausgesprochen. Mit Blick auf die Friedhofskultur sei jede Verschiebung einer Bestattung - zumal aus technischen Gründen - nachteilig, sagte Vereinsvorsitzender Andreas Morgenroth am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Dresden: «Es ist vielmehr zur Bewältigung der Trauer wichtig, dass Todes- und Bestattungszeitpunkt möglichst nahe beieinander liegen.»

Zuletzt hatten Bilder voller Totenhallen vor allem in Sachsen für Unruhe gesorgt. Die Städte Dresden und Zittau lagern Särge inzwischen in anderen Hallen, weil die Krematorien mit der Einäscherung nicht mehr nachkommen. Der Freistaat ist derzeit auf Hilfe von Krematorien in anderen Bundesländern angewiesen. Die Feuerbestattung von Toten hat in Ländern wie Sachsen eine lange Tradition. Nach Angaben der Bestatterinnung werden hier 80 bis 90 Prozent der Toten eingeäschert. Letztlich hängt das vom Willen des Gestorbenen ab.

«Angesichts der Tatsache, dass Friedhöfe über erhebliche Flächenreserven verfügen, erscheint es durchaus verantwortbar, über das Kremieren insgesamt neu nachzudenken», betonte Morgenroth. Da der menschliche Körper zu mehr als 70 Prozent aus Wasser bestehe, sei für den Verbrennungsprozess viel fossiles Erdgas und Energie für die Kühlung des Abgasstroms erforderlich. Jede Einäscherung sei somit auch klimarelevant.

Laut Morgenroth kann aber nicht nur die Kapazität der Krematorien zu Engpässen führen. Bei Kremationen seien zudem besondere Vorschriften zu beachten, insbesondere die zweite Leichenschau. Diese sei bei einer Erdbestattung nicht vorgeschrieben. «Die zweite Leichenschau ist erforderlich, um unnatürliche Todesursachen auszuschließen. Bei der Erdbestattung wird hingegen darauf verzichtet, da ja der Leichnam exhumiert werden kann und dem Beweis zugänglich bleibt. Ich hatte bereits im Frühjahr 2020 bei Krematorien nachgefragt, ob pandemiebedingt auf die zweite Leichenschau verzichtet wird oder werden kann, dies wurde aus Sachsen einhellig verneint.»

Nach Angaben des sächsischen Sozialministeriums kann auch weiterhin nicht auf diese Maßgabe verzichtet werden. «Sie ist notwendig, um eine Einäscherung von Leichen zu verhindern, die eines nicht natürlichen Todes gestorben sind und bei denen weitere Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft erforderlich werden», hieß es.

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