Unikat im Dresdner Schloss soll 2022 fertig sein

Dresden (dpa/sn) - Die farbige Gestaltung der mehrgeschossigen Loggia an der Fassade im Großen Schlosshof in Dresden dauert länger als ursprünglich geplant. Bei der Neuschaffung eines der größten Renaissancefresken nördlich der Alpen setze man auf Qualität, die dem Original des 16. Jahrhunderts entspreche, sagte der Leiter der Dresdner Niederlassung der staatlichen Bauverwaltung, Ulf Nickol, am Mittwoch. Nach mehrjähriger Forschung, Entwicklung und Erprobung der nötigen Technologie ist das erste biblische Motiv der obersten Etage bereits in Frisch-in-Frisch-Technik (italienisch: al fresco) aufgetragen: die Königin Saba vor dem Thron Salomos.

Laut Nickol sollen bis Ende 2022 auch die Wände der beiden anderen Etagen wieder in der speziellen Form ausgemalt sein. Der Freistaat investiert rund 2,2 Millionen Euro. «Es ist keine Rekonstruktion, sondern eine Reinszenierung», sagte Schloss-Bauleiter Holger Krause. Dabei müssten die Technologie der Freskomalerei erlernt und erprobt, Motive, Stil und Ausführung anhand historischer Kupferstiche, Gemälde oder Entwürfe der Künstler von damals studiert und das Fresko in Etappen bis 1:1 auf Pappe gemalt werden.

Erst dann geht es an die bis zu 5,50 Meter hohen Wände. Dabei wird ein mit Wasser angerührtes Pulver aus gemahlenem Stein, Glas und Erden auf eine frische, vier Millimeter dünne und sehr kalkreiche Putzschicht, die als Bindemittel für die Farbpigmente dient, aufgetragen. Das Künstlerteam arbeitet aktuell an der Geburt Christi im 2. Obergeschoss, darunter folgt dann die Bekehrung des Paulus.

Die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Residenz sächsischer Kurfürsten und Könige wird seit 1986 wiederhergestellt. Der Ausbau zum Museumszentrum der Staatlichen Kunstsammlungen soll bis 2024 abgeschlossen sein. Der Freistaat gab bisher mehr als 360 Millionen Euro für seine größte Kulturbaustelle aus. In den großen Schlosshof allein fließen rund 13 Millionen Euro.

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