Das Kultusministerium setzt auf frühere Kommunikation. (Symbolbild)
Das Kultusministerium setzt auf frühere Kommunikation. (Symbolbild) Bild: Jan Woitas/dpa
Sachsen
Unterrichtsausfall: Sachsen plant mehr Lehrer-Abordnungen

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Wenn an einer Schule Unterricht ausfällt, können Lehrkräfte aus anderen Schulen dorthin abgeordnet werden. Sachsen will dieses Mittel noch ausweiten. Ein Verband fordert "Freiwilligkeit vor Zwang".

Dresden.

Das sächsische Kultusministerium will im kommenden Schuljahr noch mehr Lehrkräfte an andere Schulen abordnen, damit dort weniger Unterricht ausfällt. "Es wird nächstes Schuljahr mehr Abordnungen geben, um den Unterrichtsausfall weiter zu stoppen. Wir werden sie aber früher kommunizieren", sagte Conrad Clemens (CDU), Staatsminister für Kultus, der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. Die genaue Anzahl steht nach Ministeriumsangaben noch nicht fest. 

Das Vorgehen sei seit Jahren erprobt. Oberste Priorität sei, "dass alle sächsischen Schülerinnen und Schüler eine bestmögliche Unterrichtsversorgung erhalten", so eine Sprecherin. 

Lehrerverband plädiert für "Freiwilligkeit vor Zwang"

Der Philologenverband Sachsen bemängelt ein mangelndes Gleichgewicht bei den Abordnungen und kritisiert, dass insbesondere an Gymnasien durch abgeordnete Lehrkräfte Lücken in der Unterrichtsversorgung entstehen würden. Der Rückgang beim Unterrichtsausfall werde erkauft durch Mehrbelastungen bei Lehrkräften, die zum Teil bereits deutlich ihre Regelarbeitszeit überschreiten würden. Zudem sei die Maßnahme im laufenden Schuljahr "unzureichend geplant und überhastet umgesetzt" gewesen. Es brauche eine strukturelle Entlastung. Zudem plädiert der Verband für "Freiwilligkeit vor Zwang" beim Thema Abordnungen. 

Laut Kultusministerium werde grundsätzlich geprüft, "ob eine Schule in der Lage ist, eine Lehrkraft für eine andere Schule freizugeben". Es gebe ein "Spannungsfeld zwischen „abgebenden“ und „aufnehmenden“ Schulen", heißt es weiter. Das Instrument sei aber neben der Neueinstellung von Lehrkräften zentral für die Schuljahresvorbereitung. "Da der Unterrichtsausfall je nach Schulart und Region sehr unterschiedlich ausgeprägt ist, müssen wir entsprechend nachsteuern." 

Unterrichtsausfall erstmals seit zehn Jahren gesunken

Der Unterrichtsausfall an Sachsens Schulen ist im laufenden Schuljahr erstmals seit zehn Jahren gesunken. An sächsischen Schulen sind im ersten Schulhalbjahr 9,1 Prozent der eigentlich vorgesehenen Unterrichtsstunden ausgefallen. Der sogenannte planmäßige Ausfall sank dabei bezogen auf den gleichen Zeitraum des vorigen Schuljahres um 10,8 Prozent. 

Im Frühjahr 2025 hatte Clemens ein Maßnahmenpaket aufgelegt, um die Lage zu verbessern. Die Abordnung von Lehrkräften ist ein zentraler Teil davon. Die Zahl der Abordnungen bezifferte Clemens zuletzt auf 5.000. Sie ist nicht identisch mit der Zahl der betroffenen Lehrkräfte, denn diese können auch mehrfach abgeordnet werden. So kann etwa ein Sportlehrer an drei oder vier Schulen Unterricht geben. Sachsen hat rund 31.000 Lehrerinnen und Lehrer. 

Außerdem sieht das Maßnahmenpaket mehr digitale Formate, mehr fächerübergreifenden Unterricht und weniger Klausuren und Klassenarbeiten vor. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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