Untersuchung: Bodycams senken offenbar Gewalt gegen Polizisten

Die Polizeihochschule hat Tests in Leipzig und Dresden analysiert. Demnach wirkt die Kamera, aber nicht in jedem Fall.

Dresden.

Der Einsatz von Bodycams senkt die Gewalt gegen Polizisten signifikant. Zu diesem Ergebnis kommt der Abschlussbericht der sächsischen Polizeihochschule, die die Bodycam-Tests in den vier teilnehmenden Polizeirevieren in Dresden und Leipzig analysiert hat. Er liegt der "Freien Presse" vor. Während in den Testrevieren die angezeigten Gewaltdelikte gegen Polizisten demnach um 19,3 Prozent abnahmen, legten sie in allen anderen sächsischen Polizeirevieren um 1,8 Prozent zu.

Die Entwicklungen ließen einen "minimierenden Effekt" des Bodycam-Einsatzes auf "die Anzahl der angezeigten Straftaten und damit auf die Opfer und Tatverdächtigen sehr wahrscheinlich erscheinen", urteilt der Abschlussbericht. Innerhalb Leipzigs konnte die Untersuchung zwar explizit keinen belegbaren Zusammenhang zwischen dem Einsatz der Bodycam und Gewaltdelikten gegen Polizisten nachweisen. Die Verfasser gehen davon aus, dass Faktoren wie das Konzept zur Bekämpfung der Straßenkriminalität eine größeren Einfluss ausübten. Aber auch in den Leipziger Testrevieren hätten die entsprechenden Fallzahlen im Gegensatz zur landesweiten Entwicklung abgenommen.

Die sächsische Polizei hatte Bodycams ein Jahr lang von November 2017 bis Oktober 2018 in Dresden und Leipzig ausprobiert. Jeweils 24 Bodycams waren im Einsatz. Konkret wurden zwei verschiedene Kameramodelle an zehn Kriminalitätsschwerpunkten getestet. In Leipzig wurde die Technik beispielsweise am Kriminalitätsschwerpunkt Eisenbahnstraße genutzt.

Nach der Auswertung der Fallzahlen aus Dresden und Leipzig sieht die Polizeihochschule zudem Anhaltspunkte dafür, dass die Bodycam nicht auf alle Bevölkerungsgruppen gleich wirkt. "Es wird ersichtlich, dass der Anteil deutscher Tatverdächtiger in den Projektrevieren stärker zurückgegangen ist als in den Polizeirevieren der Kontrollgruppe", heißt es. Die These, dass die Bodycam bei deutschen Tatverdächtigen eine stärkere Wirkung entfaltet als bei "solchen ausländischer Nationalität", müsste jedoch "tiefergehend untersucht werden". Geringere Wirkung zeigte die Bodycam auch bei Personen, die unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol stehen.

Neben den Fallzahlen gibt der Bericht einen Einblick in die Stimmungslage innerhalb der Polizei zur Bodycam. 154 von 393 potenziellen Bodycam-Nutzern unter den Polizisten beteiligten sich an einer Umfrage. Dabei zeigte sich, dass nur knapp 61 Prozent der Befragten die Bodycam auch wirklich mitführten.

52,7 Prozent begründeten die Nicht-Nutzung mit rechtlichen Vorbehalten, da eine explizite Befugnis zur Nutzung der Kamera im sächsischen Polizeigesetz bisher fehlte. Die rechtliche Grundlage soll bald mit Verabschiedung des neuen sächsischen Polizeigesetzes geschaffen werden. Darauf hatten sich CDU und SPD vor kurzem geeinigt.

Deutlich wurde in der Befragung auch, dass sich Polizisten durch den Bodycam-Einsatz auch selbst stärker kontrolliert fühlen. Rund zwei Drittel hielten diese Aussage mindestens teilweise für zutreffend. Die Verfasser des Abschlussberichtes sprechen von einer "großen Relevanz für die befragten Polizeibeamten". Diese Bedenken gelte es bei einer Einführung zu berücksichtigen, empfehlen die Autoren.  

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