Update: Zahlreiche Sturmschäden in der Region

Das Sturmtief «Fabienne» hat sich vornehmlich im Erzgebirge ausgetobt. Zentrum ist die Stadt Stollberg. Polizei und Feuerwehr sind im Dauereinsatz.

Stollberg.

Das Sturmtief «Fabienne» ist am Sonntag auch über Sachsen gezogen. Pünktlich am Tag des kalendarischen Herbstanfangs wirbelte der Sturm durch den Freistaat. Starkregen und heftiger Wind verursachten zahlreiche Schäden. Zwischen 18 und 20 Uhr war eine 140 Kilometer breite Unwetterfront über Sachsen gezogen. «Anrufer berichteten uns von einem Tornado im Erzgebirge», sagte der Feuerwehrsprecher. Es seien Extremniederschläge und Gewitterzentren beobachtet worden. «Die Schäden durch das Wetter sind erheblich. Wir konzentrieren uns jetzt darauf, die Straßen und Gleise wieder frei zu bekommen.»

Hunderte Einsätze im Erzgebirgskreis

Das Landratsamt des Erzgebirgskreises registrierte bis zum Montag um 7.00 Uhr fast 300 Einsätze, davon allein 172 am Sonntag zwischen 17.00 Uhr und 19.00 Uhr. Nach einer vorläufigen Bilanz der Behörden sowie von Polizei und Feuerwehr wurden im Freistaat keine Menschen durch das Unwetter verletzt.

Laut Landratsamt waren wegen der Sturmschäden das Jobcenter in Stollberg sowie das Kreisarchiv und das Feuerwehrtechnische Zentrum in Pfaffenhain zeitweilig weder telefonisch noch per E-Mail erreichbar. In Annaberg-Buchholz waren Baumteile auf ein Auto gestürzt. Zahlreiche Dächer wurden durch den Sturm abgedeckt und Bäume entwurzelt. In einigen Orten kam es zu Stromausfällen. Der Starkregen ließ Bäche über die Ufer treten, die Feuerwehr musste Schlamm von den Straßen beseitigen.

Die Feuerwehr-Leitstelle in Chemnitz teilte am späten Sonntagabend mit, dass fast alle verfügbaren Kräfte im Einsatz seien. Besonders schwer habe es die Region um Stollberg (Erzgebirgskreis) getroffen. Dort flogen die Dächer zweier Häuser davon, wie ein Sprecher sagte. Bäume fielen auf Autos und versperrten Straßen und Gleise. Ein Firmengebäude im benachbarten Thalheim musste den Angaben nach gestützt werden und ist einsturzgefährdet.

Nach Angaben der Feuerwehr hatten Anrufer berichtet, dass ein Tornado durchs Erzgebirge gezogen sei. Weder die Polizei noch das Landratsamt konnten dies auf Nachfrage bestätigen.

Die Polizeidirektion Chemnitz meldet am Montag, dass am Sonntag ab 18 Uhr innerhalb einer reichlichen Stunde insgesamt 100 Notrufe eingegangen seien. Betroffen waren vor allem der Erzgebirgskreis, besonders die Stadt Stollberg und deren Umland. Gemeldet wurden hauptsächlich umgestürzte Bäume, herabgefallene Äste, Stromausfälle, aber auch abgedeckte Gebäude. So war durch den Sturm in Stollberg an der Lessingstraße das Dach eines Mehrfamilienhauses abgedeckt. Im Eibenstocker Ortsteil Sosa stürzte auf der S 274 ein Ast auf einen fahrenden VW. Der 63-jährige Autofahrer blieb unverletzt. Am Auto entstand rund 5000 Euro Schaden. Einige Straßen mussten wegen umgestürzter Bäume gesperrt werden. Dazu zählen die Ortsdurchfahrt Brünlos, die S 232 zwischen dem Drebacher Ortsteil Spinnerei und Gelenau sowie die S 224 zwischen dem Marienberger Ortsteil Rittersberg und Pockau. Die Aufräumarbeiten dauern stellenweise auch am Montag an.

Im Bereich des Ortes Brünlos wurde das Betreten der Wälder verboten, teilte die Stadtverwaltung Zwönitz am Montagnachmittag mit.

Im Osterzgebirge zeriss eine Mittelspannungsleitung und fiel auf ein Feld. Vier Rinder sind dabei verendet, wie die Feuerwehr Glashütte mitteilte. 150 Haushalte seien circa anderthalb Stunden ohne Strom gewesen.

Auf dem Fichtelberg ereichte das Sturmtief Orkanstärke.

 

 

Schäden im Landkreis Zwickau

Auch im Landkreis Zwickau sorgte das Sturmtief für Beschädigungen. Allein in der Rettungsleitstelle wurden über 160 Einsätze ausgelöst, zog die Polizeidirektion Zwickau in der Nacht zu Montag eine erste Bilanz. Verletzt wurde niemand. In den meisten Fällen rückte die Feuerwehr aufgrund umgestürzter Bäume und abgedeckter Dächer aus. Es kam zu Straßensperrungen, Stromausfällen, beschädigten Autos und kurzzeitigen Überflutungen. Besonders betroffen waren die Gemeinden Heinsdorfergrund, Wildenfels, Hirschfeld und Kirchberg sowie die Stadt Zwickau.

In Hirschfeldhat das Sturmtief laut Bürgermeister Rainer Pampel (parteilos) an fast jedem Gebäude Schäden hinterlassen. Im Tierpark wurde ein Wollschwein-Muttertier von einem Baum erschlagen. Ihre frisch geborenen Jungen sind nun ohne Mutter. Wie durch ein Wunder gibt es keine weiteren Verletzten in dem 23 Hektar großen Areal, das am Montag aussah wie ein Schlachtfeld.

Unter anderem war in Hauptmannsgrün ein großer Ahornbaum gegen eine Hauswand gestürzt und richtete einen Schaden am Gebäude und einem Auto von rund 10 000 Euro an.

Die Autobahn A72 musste zwischen der Anschlussstelle Zwickau-West und dem Parkplatz Waldkirchen wegen der Beseitigung umgestürzter Bäume mehrfach gesperrt werden. Weitere Bäume mussten gefällt werden. Bis 23.30 Uhr wurde die Autobahn nach Polizeiangaben in beide Richtungen mehrfach kurzzeitig gesperrt. Es bildete sich ein fünf Kilometer langer Stau.

Bei Eibenstock fiel ein herabstürzender Ast auf einen fahrenden Pkw. Der 63-jährige Autofahrer blieb unverletzt, teilte die Polizei mit. Die Staatsstraßen S 232 und S 224 mussten wegen umgestürzter Bäume gesperrt werden.

Umgestürzte Bäume in Chemnitz und Mittelsachsen

Im Landkreis Mittelsachsen sowie in Chemnitz wurden ebenfalls Sturmschäden gemeldet. In Chemnitz beschädigte ein umgestürzter Baum auf der Zschopauer Straße einen BMW. In Brand-Erbisdorf wurde eine Garage in Mitleidenschaft gezogen.

Zugausfälle in Sachsen und Bayern

In Sachsen und Bayern kam es zu Zugunfällen auf den Strecken der Länderbahn. Es wurde aber kein Mensch verletzt, wie das Unternehmen mit Sitz in Dresden am Montag mitteilte. Demnach sind nach Kollisionen mit umgestürzten Bäumen im Vogtland sowie in Tschechien eine Lok und weitere drei Triebwagen beschädigt worden. Auch bei der Waldbahn in Bayern kam es zu Unfällen. Die Aufräumarbeiten waren auch am Montagvormittag noch nicht abgeschlossen. Bei der Waldbahn, der Oberpfalzbahn und der Vogtlandbahn habe es noch Sperrungen von Abschnitten gegeben. Dort sei ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet worden. Keine Einschränkungen gebe es mehr auf den Strecken des Alex in Bayern und des Trilex in Ostsachsen.

Laut Chemnitzer Verkehrs AG kam es seit Montagfrüh auf der Chemnitzbahn-Strecke zwischen Chemnitz und Stollberg (C 11) zu Ausfällen und Behinderungen. Wegen Sturmschäden fuhren die Bahnen zunächst nur zwischen Chemnitz-Hauptbahnhof und Altchemnitz. Auf der übrigen Strecke wurde ein Busnotverkehr eingerichtet.

Straßen gesperrt

Mehrere Straßen in der Region waren am Montagmorgen noch nicht wieder befahrbar. So musste etwa die S283 in Wildenfels wegen Überflutungen voll gesperrt werden. Wegen einer Schlammlawine wurde die K8831 zwischen Brünlos und Abzweig nach Stollberg in beide Richtungen gesperrt. Die K9090 blieb zwischen dem Abzweig nach Hermsdorf/Erzgebirge und Schönfeld wegen umgestürzter Bäume voll gesperrt. (dpa/fp)

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...