Verbeamtung lockt wenige Rückkehrer nach Sachsen

Kultusministerium legt Statistik zu den Bewerbern für das neue Schuljahr vor

Dresden.

Die vorfristige Einführung der Lehrer-Verbeamtung für Rückkehrer aus anderen Bundesländern schafft weniger Entlastung als erhofft. Zwar werden nach aktuellem Stand mit Beginn des neuen Schuljahres ab 1. August 56 Lehrer in Sachsen anfangen, die bereits in anderen Bundesländern verbeamtet wurden. Innerhalb des "Lehrertauschverfahrens" mit anderen Bundesländern kehren dem Freistaat jedoch gleichzeitig 17 Lehrkräfte den Rücken, wie das Kultusministerium gestern auf Anfrage mitteilte. Unter dem Strich gewinnt der Freistaat zunächst also nur knapp 40 zusätzliche Pädagogen dazu - und auch das nur dann, wenn es keine kurzfristigen Absagen gebe, hieß es weiter.

Die CDU/SPD-Koalition will die Verbeamtung von Lehrern unter 42 Jahren ab 1. Januar 2019 einführen, um konkurrenzfähig mit anderen Bundesländern zu sein. Bisher gibt es sie nur für Schulleiter und ihre Stellvertreter. Um den Bedarf zu decken, können aber bereits ab August woanders verbeamtete Lehrer ohne Statusverlust nach Sachsen wechseln. Das war bisher unmöglich. Das Ministerium war durch viele Nachfragen ursprünglich von einem Bewerber-Potenzial "im unteren dreistelligen Bereich" ausgegangen.

Auch die gestern vorgelegte Statistik zum Einstellungsverfahren zum 1. August 2018 legt nahe, dass die Besetzung freier Stellen schwer wird und Sachsen weiter auf Seiteneinsteiger angewiesen bleibt. 329 durchlaufen seit Mai eine dreimonatige Einstiegsqualifizierung.

Zwar gibt es insgesamt 1899 Anwärter für landesweit 1100 Stellen. Allerdings verfügen lediglich 828 Bewerber über ein entsprechendes Lehramtsstudium. Mehr als die Hälfte davon (462) bewirbt sich fürs Gymnasium; dort sollen aber nur 264 Stellen besetzt werden.

Für alle anderen Schularten gibt es hingegen weniger Bewerber mit einschlägiger Ausbildung als Stellen. An den Oberschulen (269 freie Stellen) waren das lediglich 71, an Grundschulen (357 Stellen) sind es 195, an Förderschulen (117 Stellen) 25 und auch an berufsbildenden Schulen (93) lediglich 75. Problematisch ist auch die nach wie vor ungleiche Verteilung der Bewerber auf die fünf Bezirke des Landesamts für Schule und Bildung: Für 70 Stellen an Grundschulen im Bereich Chemnitz meldeten sich nur 19 Bewerber mit Lehramtsausbildung - in Zwickau sind es 29 und in Bautzen sogar nur 9 für jeweils 42 Stellen. Für Oberschulen bewarben sich für 40 Stellen in Bautzen nur 6 ausgebildete Bewerber. 11 meldeten sich in Chemnitz und 20 in Zwickau, zu besetzen sind aber jeweils 35 Stellen.

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2Kommentare
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    vomdorf
    19.06.2018

    Wer von denen in Dresden hat denn je auf die Gewerkschaften gehört? Seit bestimmt 15 Jahren wird vor genau dem Szenario gewarnt, das jetzt an den Schulen herrscht. Und auch wenn der eine oder andere Seiteneinsteiger glaubt, er könne Lehrer sein...es kann einem angst und bange werden werden, was den Kindern teilweise angetan wird. Und mit denen, die das zu verantworten haben passiert ...nichts.

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    tbaukhage
    19.06.2018

    Genau das, was ich vor einiger Zeit hier schon prophezeit hatte. Wie soll das auch funktionieren? Beamte, die in unseren famosen Freistaat zurückkehren und/oder sich hier unter Wahrung ihres Beamtenstatus (wieder) anstellen lassen wollen, brauchen die Freigabe ihres bisherigen Dienstherrn. Da landauf landab aber überall Lehrermangel herrscht, wird dieser Dienstherr nur einem Austauschverfahren zustimmen. Zum Tausch bräuchte es also einen beamteten Lehrer von hier ... Alles Argumente, die die Lehrergewerkschaft seit Bekanntwerden der Verbeamtungsabsicht wie ein Mantra vor sich herträgt - aber man will ja nicht hören in Dresden (oder Radebeul). Gespräche dazu wurden durch Kultus bisher stets abgelehnt. Die Piwarzschen Rundreisen ins sächsische Ländle waren und sind nur Showveranstaltungen ohne den Willen, ernsthaft zuzuhören oder gar etwas zu verändern.



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